Der Kühlschrank bewahrt Lebensmittel vor dem schnellen Verderben, denn Kälte verlangsamt das Wachstum von Erregern. Vielleicht haben deshalb viele die Reinigung des Kühlschranks nicht auf dem Schirm oder halten Hygiene dort für nicht so relevant. Dabei ist ein Kühlschrank kein steriler Ort, sondern ein Aufbewahrungsort für Lebensmittel – mit ständig wechselnden Temperaturen, Feuchtigkeit und vielen Kontaktflächen.
Keime im Kühlschrank: Warum sich Bakterien dort sammeln
Auch bei niedrigen Temperaturen können sich bestimmte Bakterien weiter vermehren, nur langsamer als bei Raumtemperatur. Entscheidend ist vor allem die Kombination aus Feuchtigkeit und Lebensmittelresten, die ein günstiges Umfeld für Mikroorganismen schaffen können. Je länger ein Kühlschrank nicht geputzt wird, desto größer kann die Vielfalt der darin lebenden Bakterien werden.
„Der Kühlschrank ist potenziell ein größerer Keimherd als die Toilette, die wir regelmäßig desinfizieren und putzen“, sagt der Mikrobiologe Ralf Herrmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Kühlschrank-Hygiene: Kreuzkontamination und Keime vermeiden
Lebensmittel sind grundsätzlich nie keimfrei und die Keime können über Oberflächen oder Hände leicht weitergetragen werden. Im Kühlschrank treffen unterschiedliche Lebensmittel direkt aufeinander: Fleisch, Gemüse, geöffnete Verpackungen, Reste. Besonders problematisch wird es, wenn rohe und verzehrfertige Lebensmittel nicht sauber getrennt gelagert werden, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (externer Link) schreibt.
Kritisch sind rohe tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Fisch, da sie Krankheitserreger wie Listerien oder Salmonellen enthalten können. Diese können sich über Oberflächen im Kühlschrank weiterverbreiten – oft reicht dazu eine Kleinigkeit wie ein Tropfen Fleischsaft im Gemüsefach oder eine offene Verpackung.
Diese Stellen sind echte Keim-Hotspots im Kühlschrank
Keime sind nicht gleichmäßig im Kühlschrank verteilt. Sie sammeln sich eher dort, wo Feuchtigkeit und Rückstände zusammenkommen. Diese Stellen werden bei einer oberflächlichen Reinigung oft übergangen:
- Dichtungen an der Tür
- die Gemüseschublade
- Bereiche, in denen Flüssigkeiten auslaufen
- Rückwand und Abflusszone
Wie oft sollte ein Kühlschrank gereinigt werden?
Der VerbraucherService Bayern (externer Link) empfiehlt eine Grundreinigung etwa einmal im Monat oder immer dann, wenn etwas ausgelaufen oder verschmutzt ist, um Keimwachstum und Gerüche zu reduzieren.
Kühlschrank: Grundreinigung Schritt für Schritt
- Kühlschrank komplett ausräumen
- Innenflächen mit Spülwasser auswischen
- von oben nach unten arbeiten
- Ablagen separat reinigen
- alles gut trocknen
Zusätzlich kann eine Nachreinigung mit milden säurehaltigen Lösungen wie Essigwasser sinnvoll sein, um bestimmte Keime weiter zu reduzieren. Dabei sollten empfindliche Materialien wie Gummidichtungen ausgespart werden, da Essig das Material porös machen kann. Ralf Herrmann nutzt zum Nachwischen etwas Klarspüler, der eigentlich für die Spülmaschine gedacht ist: „Der Klarspüler enthält Säure und zusätzlich schaffe ich so eine sehr glatte Oberfläche.“ Raue Oberflächen bieten Keimen bessere Haftungsmöglichkeiten und werden daher eher besiedelt.
Das richtige Putztuch gegen Keime im Kühlschrank
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das verwendete Reinigungstuch: Spüllappen aus der Küche können selbst stark mit Keimen belastet sein. Deshalb sollten saubere oder bei mindestens 60 Grad gewaschene Tücher verwendet werden.
Lebensmittel im Kühlschrank richtig lagern
Neben der Reinigung spielt auch die richtige Lagerung eine entscheidende Rolle für die Hygiene im Kühlschrank. Offene Lebensmittel wie Käse, Wurst oder Fleisch sollten immer gut verpackt werden. So trocknen die Lebensmittel weniger aus und die Keimübertragung wird reduziert.
- Rohes Fleisch und Fisch gehören in den kältesten Bereich, meist auf die Glasplatte über dem Gemüsefach.
- Milchprodukte werden im mittleren Bereich gelagert.
- Gemüse gehört ins Gemüsefach.
- Fertigprodukte und Saucen können in die Tür, da es dort am wärmsten ist.
Was viele nicht wissen: Geöffnete Milch und Eier gehören nicht in die Kühlschranktür, denn dort ist es zu warm. Und auch wenn Eier ungekühlt gekauft werden: Zuhause gehören sie in den Kühlschrank. Denn mit zunehmender Lagerdauer nimmt der natürliche Schutz der Eierschale ab, wodurch Keime leichter eindringen können.

