Es wäre höchstwahrscheinlich eine interessante Veranstaltung geworden: Die Wiener Festwochen wollten Peter Thiel einladen, um mit ihm über Armageddon und den Antichristen zu diskutieren – zusammen mit dem linksliberalen österreichischen Theologen Wolfgang Palaver.
Doch je näher der Termin rückte, desto lauter wurde der Protest. Mehrere Künstlerinnen und Künstler sagten ihre Auftritte ab, der Druck wuchs – und am Ende zogen die Festwochen die Reißleine und sagten die Debatte ab. Aus dem großen Streitgespräch wurde nichts.
Der Mann, der den Antichristen sucht
Wer ist Peter Thiel? Der gebürtige Deutsche wurde mit dem Bezahldienst PayPal reich, gründete später die umstrittene Datenfirma Palantir und gilt als einer der einflussreichsten Köpfe des Silicon Valley. Politisch steht er weit rechts und zählt zu den wichtigsten Geldgebern hinter Donald Trump.
In letzter Zeit fällt Thiel aber vor allem mit einem düsteren Weltbild auf: Er sieht überall dort eine apokalyptische Bedrohung am Werk, wo sich große, länderübergreifende Institutionen bilden. Auch darüber wollte er in Wien sprechen.
Neue Heimat im Süden
Während er also öffentlich das Weltende ausmalt, hat er privat schon mal die Koffer gepackt. Laut US-Medienberichten ist Thiel mit seinem Ehemann vorübergehend nach Argentinien gezogen, hat sich in Buenos Aires ein Anwesen gekauft und die Kinder vor Ort in der Schule angemeldet.
Das Land passt zu ihm: Es wird vom libertären Präsidenten Javier Milei regiert, der Steuern senkt, den Staat zurückbaut – und mit Thiel weltanschaulich auf einer Linie liegt.
Steuern, Bunker, Backup-Pässe
Der konkrete Auslöser ist allerdings ziemlich irdisch: In Kalifornien, Thiels bisherigem Wohnort, könnten Milliardäre bald einmalig fünf Prozent ihres Vermögens abgeben müssen. Für jemanden mit einem geschätzten Vermögen von rund 30 Milliarden Dollar wird das teuer.
Dazu kommt Thiels generelle Vorliebe für Rückzugsorte: Er besitzt bereits einen neuseeländischen Pass, hat einen maltesischen Pass beantragt und im Nachbarland Uruguay Grundstücke gekauft – über die seit Jahren als möglicher Krisenbunker spekuliert wird. Auch in Neuseeland soll Thiel sein Anwesen mit Apokalypse-Vorbereitungen ausgestattet haben.
Was das übers Silicon Valley verrät
Damit ist Thiel ein Extremfall, aber kein Einzelfall. Immer mehr Superreiche verteilen Wohnsitze, Pässe und Vermögen über mehrere Länder – für den Fall, dass es irgendwo eng wird. Der Mann, der öffentlich vor dem Untergang warnt, hat sich also gleich mehrere Notausgänge organisiert. Ein Prophet, der dem eigenen Weltende lieber nicht zu nahekommen will.

