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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Deutsche KI-Pläne: Kann man sich einen KI-Standort kaufen?
Netzwelt

Deutsche KI-Pläne: Kann man sich einen KI-Standort kaufen?

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2026 10:49
Von Benjamin Lehmann
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4 min. Lesezeit
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Wie ehrgeizig und zugleich improvisiert Heilbronns KI-Pläne sind, findet Gregor Schmalzried, Host von „Der KI-Podcast“ (ARD), lässt sich an einem unscheinbaren Detail ablesen: den Toiletten der großen Tech-Konferenz, die in der Stadt gerade die deutsche Wirtschaftselite versammelt. Es sind mobile Toiletten: schick beleuchtet, Premium-Look – aber eben temporär. Der Grund ist simpel: Es gibt noch kein festes Gebäude, in dem man tagen könnte. Drumherum stehen Zelte und Container, weil der eigentliche KI-Campus erst gebaut wird. Die Konferenz ist also schon da, der Rest noch nicht. Die Ziele sind ehrgeizig: Bis 2030 soll auf einem riesigen Areal ein KI-Cluster mit Tausenden Arbeitsplätzen entstehen. Die 130.000-Einwohner-Stadt nördlich von Stuttgart, bisher eher für Wein und Mittelstand bekannt, will plötzlich ganz nach vorn in der Tech-Welt.

Inhaltsübersicht
Das Geld kommt vom DiscounterDer Telekom-Chef verdoppeltWas ein KI-Standort wirklich brauchtReicht Geld allein?

Das Geld kommt vom Discounter

Bezahlt wird der Traum vom deutschen Silicon Valley vor allem aus einer Quelle: dem Vermögen von Lidl-Gründer Dieter Schwarz und seiner Stiftung. Was zunächst unpassend klingt – Supermarkt und Hochtechnologie –, ergibt bei näherem Hinsehen Sinn. Aus dem Bedürfnis, die eigenen Kassensysteme gegen Hacker abzusichern, ist über die Jahre eine der wichtigsten Clouds Europas geworden. Eine Art deutsches Gegenstück zu den großen US-Anbietern wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure.

Der Telekom-Chef verdoppelt

Wie ernst es der Branche ist, zeigte auch Telekom-Chef Timotheus Höttges auf der Bühne in Heilbronn. Er kündigte an, die KI-Fabrik der Telekom auszubauen – ein unterirdisches Rechenzentrum in München, das der Konzern seit Februar gemeinsam mit dem Chip-Riesen Nvidia betreibt. Statt rund 10.000 sollen dort künftig etwa 20.000 Spezialprozessoren laufen. Gebaut wurde die Anlage in nur sechs Monaten, die Investition lag bei etwa einer Milliarde Euro.

An der Börse kam die Ankündigung gut an: Die Telekom-Aktie drehte ins Plus. Bei den ganz großen, von der EU geförderten „Gigafactories“ mit über 100.000 Prozessoren blieb Höttges dagegen vorsichtig – mitmachen will er nur, wenn das Geschäft stimmt. Sein Punkt: Solche Anlagen müssen auch ausgelastet sein. Die Nachfrage komme kaum von einem deutschen Chatbot – dafür spiele kein hiesiges Unternehmen in der Liga von OpenAI –, sondern eher aus Industrie und Verwaltung.

Was ein KI-Standort wirklich braucht

Bei Forschung und Bildung steht Europa gar nicht schlecht da. Schwieriger wird es beim nächsten Schritt: aus guter Forschung auch Firmen zu machen. Es fehlt oft das dichte Netzwerk, in dem sich alle kennen, ständig wechseln und gegenseitig Geld geben – wie im Silicon Valley oder inzwischen auch in Paris. Und es braucht, so die Hosts von „Der KI-Podcast„, inspirierende Leitfiguren. Genau da liegt Heilbronns Problem: Das Geld hängt im Wesentlichen an einer einzigen Stiftung – und Dieter Schwarz ist bekannt dafür, jede Öffentlichkeit zu meiden – das genaue Gegenteil eines Elon Musk.

Reicht Geld allein?

Vielleicht liefert ausgerechnet die Weltlage den nötigen Antrieb. Seit klar ist, dass Europa sich technologisch nicht auf die USA verlassen will, ist „digitale Souveränität“ plötzlich kein naiver Wunsch mehr, sondern Geschäftsmodell. Ob daraus ein echtes KI-Zentrum wird, lässt sich erst in einigen Jahren sagen. Aber immerhin: Hier traut sich mal jemand.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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