Für die Hauptdarstellerin Ella Bright hat ihr Auftritt in „Off Campus“ einiges verändert. „Mein kleines Ich würde das niemals glauben“, kommentierte sie ihren Auftritt in der Late-Night-Show von Jimmy Fallon auf Instagram. Auf der Plattform hatte Bright bei Serienstart noch rund 333.000 Follower. Mittlerweile sind es über drei Millionen. Ihr Co-Star Belmont Cameli kommt sogar schon auf 3,6 Millionen. Auch Amazon Prime dürfte glücklich sein: In den ersten zwölf Tagen wurde die Serie mehr als 36 Millionen Mal gestreamt. Einen großen Anteil daran hat „Heated Rivalry“ – denn auch diesmal geht es um gutaussehende Eishockey-Spieler. Aber steckt noch mehr hinter dem Hype?
Die Handlung ist schnell erzählt: Die perfekte Studentin Hannah Wells (Ella Bright) ist in den Musiker Justin Kohl verliebt. Der beachtet sie kaum. Zum Glück hat Garrett Graham (Belmont Cameli), der Shootingstar des Uni-Eishockeyteams, eine Idee: Er spielt ihren Fake-Freund, sie gibt ihm Nachhilfe in Philosophie. Denn wie Garrett über seine Geschlechtsgenossen sagt: Männer wollen halt das haben, was andere Männer haben.
Aus der Zeit gefallen
Dass diese Geschichte wenig inspirierend wirkt, liegt daran, dass sie so (oder so ähnlich) in unzähligen RomComs erzählt wurde. „To All the Boys I’ve Loved Before“, „The Wedding Date“ – das Muster ist bekannt: Zwei sehr unterschiedliche Menschen spielen eine Beziehung vor, aus der sich dann doch etwas entwickelt.
Und so schaut man die ersten drei Folgen in dem Wissen, den Ausgang der Geschichte schon zu kennen. Die Figuren versprühen dabei jede Menge Maxton-Hall-Fremdscham. Garrett und seine Mitspieler, die gemeinsam in einem großen Haus wohnen, werden als machohafte Sportler porträtiert, sodass schon fast ein problematischer Hauch „American Pie“ aus dem Jahr 1999 herüberweht. Übergriffige Sprüche werden kaum eingeordnet.
Plötzlich geht es um sexualisierte Gewalt
Aber dann macht die Serie einen wichtigen Schritt. Anstatt sich über Folgen an einem nervigen Hin und Her zwischen Musiker Justin und Sportler Garrett aufzureiben (so auch schon oft gesehen), gibt sie Themen Raum, die in RomComs eher selten vorkommen: Hannah spricht über die sexualisierte Gewalt, die sie in der Highschool erfahren hat. Garrett über die Gewalt, die sein Vater ihm und seiner Mutter angetan hat.
Aus den Machos werden plötzlich einfühlsame und empathische Männer. Garrett bekommt von seinem Freund Dean den Rat: „Einverständnis ist das Wichtigste!“ Auch wird Hannah nicht ausschließlich über ihre Beziehung zu einem Mann definiert. Sie bekommt Raum für ihre Selbstverwirklichung in der Musik. Und auch die Freundschaft zu ihrer Mitbewohnerin Allie darf sich entfalten, die eine der großen Stärken der Serie ist.
Viel nackte Haut
Natürlich macht das „Off Campus“ noch nicht zu einer vielschichtigen Charakterstudie zweier traumatisierter Menschen. Aber das will sie auch gar nicht sein. Man kann bei „Off Campus“ auch einfach den Kopf ausschalten. Die Serie bewegt sich in gängigen Konventionen, bringt dabei aber wichtige Themen unter, die in vergleichbaren Serien kaum auftauchen.
Ein Teil des Hypes besteht aber auch in den vielen gutaussehenden und nackten Menschen. Schwitzende Sixpacks und nackte Hintern werden in zahlreichen Sexszenen inszeniert. Das Prinzip Sex und Eishockey funktioniert offenbar wieder so gut, dass Amazon Prime bereits eine zweite Staffel angekündigt hat. Stoff gibt es genug: Vier Bücher umfasst die Buchreihe auf der die Serie basiert.

