Eine Gebetsnische? Ein Garten mit Bach? Eine Bibliothek und ein multifunktionaler, sakraler Raum? Die Workshopteilnehmer experimentieren mit Lego, wie ein Haus der Religionen in München aussehen könnte. Denn dort versucht ein Verein seit vielen Jahren, eines zu schaffen – bislang vergeblich.
Der Workshop ist Teil einer Tagung in der katholischen Akademie in München. Es treffen und tauschen sich aus: Vertreter anderer Häuser der Religionen, Studierende, Dozentinnen. Religionswissenschaftler Martin Rötting von der Universität Salzburg hat es organisiert. Er ist auch Vorsitzender des Vereins, der sich für ein Haus der Religionen in der bayerischen Landeshauptstadt einsetzt.
Münchner Idee: Viele religiöse Gemeinschaften in einem Gebäude
Ein Konzept gibt es schon: ein Haus, in dem Christen, Muslime, Juden, aber auch Buddhisten, Hinduisten, Anhänger der Bahai-Religion und anderer Gemeinschaften religiöse Räume haben, es aber auch gemeinschaftlich genutzte Orte gibt. Außerdem soll ein College internationale Studierende anziehen, die das Haus beleben.
Vor fünf Jahren zog das „Haus der Kulturen und Religionen München“ übergangsweise in die evangelische Nazarethkirche in Bogenhausen. Doch für einen Umbau fehlte das Geld. 2024 zog der Verein wieder aus. Seitdem wird ein neuer Ort gesucht.
Doch es hakt nicht nur am Finanziellen. Am 7. Oktober 2023 überfiel die Terrororganisation Hamas Israel, es folgte der Gaza-Krieg, Tausende Menschen starben. Das wirkte sich auch auf den interreligiösen Dialog in Deutschland aus. Vor allem zwischen muslimischer und jüdischer Seite brachen Gesprächskanäle ab. Der Vereinsvorsitzende Rötting sagt: „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Vertreter der großen Religionen in München – was sie oft ja auch schon tun, dass sie sagen, sie finden das Projekt gut. Aber wenn sie es in einer größeren Deutlichkeit sagen würden, würden sich auch die politischen Seiten leichter tun, das Projekt wirklich noch tatkräftiger zu unterstützen.“
Friedensstiftenden Anteil in Religionen fördern
Für den Religionswissenschaftler geht es darum, die Demokratie und den friedensstiftenden Anteil in den Religionen zu fördern. Rötting zitiert den Spruch des Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde, wonach der säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren könne. Diese Voraussetzungen muss demnach jemand anders schaffen.
„Früher dachte man da an die großen sogenannten Volkskirchen“, sagt Rötting. „Heute ist die Welt pluraler geworden, deswegen müssen das mehrere Religionen machen.“ Allerdings sei es nicht so leicht, den Dialog miteinander zu führen. Religionen hätten über die Jahrtausende hinweg eigentlich eher gelernt, gegeneinander zu sein. „Wenn die Religionen sich nicht besonders anstrengen, im Dialog zu sein, kann es auch richtig schief gehen. Das zeigt die europäische Geschichte.“
Wo gibt es bereits ein „Haus der Religionen“?
Zur Münchner Tagung ist auch Sören Rekel-Bludau angereist, der beim Hannoveraner Haus der Religionen für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Er sagt, das Haus habe zu einem besseren Miteinander beigetragen: „Als zum Beispiel ein Anschlag auf eine Synagoge wie in Halle stattgefunden hat, haben die muslimischen Vertreter die jüdischen Kollegen angerufen und gefragt: ‚Was können wir für euch tun?‘.“
Das Hannoveraner Haus der Religionen gibt es seit rund 20 Jahren. Anders als beispielsweise das in Bern versteht es sich vor allem als Bildungsort. Gruppen etwa aus Verwaltung, Polizei und Schulen besuchen Ausstellungsräume, in denen sich neun Religionsgemeinschaften selbst darstellen. In Bern hingegen haben die Religionen eigene Sakralräume, also Muslime zum Beispiel eine Moschee.
In Berlin wird seit einigen Jahren das „House of One“ geplant. Hier soll weltweit das erste Gebäude entstehen, das eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach vereint. Das Haus soll bis 2030 fertig gestellt werden. Ähnliche Bauprojekte gibt es etwa in New York, London, Stockholm und Abu Dhabi.
In München gibt es zwar bereits ein „Lehrhaus der Religionen“, mit Bildungsangeboten zu religiösen Themen. Doch ein richtiges „Haus der Religionen“ gibt es vorerst nur aus Lego. Die Workshopteilnehmer haben sich so einiges überlegt, an Ideen mangelt es nicht. Doch wann, wie und ob es umgesetzt wird, ist derzeit unklar.

