Die Vorfälle mit Drohnen an Flughäfen haben laut der Deutschen Flugsicherung massiv zugenommen. Allein der Münchener Airport musste seit dem vergangenen Herbst mehrmals seinen Betrieb zeitweise einstellen. Erst Ende Mai gab es wieder einen Vorfall, bei dem dutzende von Flügen zu anderen Airports umgeleitet werden mussten.
Auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin wurde nun ein sogenannter „Aktionsplan Drohnen Deutschland“ präsentiert. So ist das Konzept überschrieben, mit dem die Deutsche Flugsicherung DFS bundesweit Einrichtungen der kritischen Infrastruktur vor Spionage oder Sabotageakten durch Drohnen schützen will.
Dazu sollen Flughäfen gehören, aber auch Kraftwerke, große Umspannanlagen oder Bundeswehr-Liegenschaften. In einem zweiten Schritt könnten so auch wichtige Industrieanlagen gesichert werden.
Mobilfunkdaten als Basis für die Drohnenabwehr
Nach Informationen des BR will die DFS dabei gemeinsam mit der Deutschen Telekom und dem bayerischen Rüstungsunternehmen Hensoldt eine entsprechende Technologie-Plattform aufbauen. So wollen die Partner Mobilfunkmasten und Sensorsysteme – etwa an Flughäfen – digital vernetzen. Mittels Künstlicher Intelligenz können sie dann Daten auswerten und ein sogenanntes Luftlagebild erstellen.
Damit hätte man erstmals eine flächendeckende Echtzeit-Datenbasis, um potentiell gefährliche Drohnen zuverlässig zu erkennen und die unbemannten Flugobjekte im Notfall auch gezielt unschädlich machen zu können, heißt es aus Sicherheitskreisen.
Zuverlässige Erkennung statt Zufallsprinzip
Bisher sind auch Bayerns Flughäfen zumeist auf Zufalls-Sichtungen und die gute Sehschärfe von Piloten angewiesen. So melden Cockpit-Besatzungen dem Tower, wenn sie glauben, ein verdächtiges Flugobjekt mit bloßem Auge erkannt zu haben.
Zwar hatten Bundes- und Landespolitiker nach einer Welle solcher Drohnensichtungen im vergangenen Herbst schnelle Maßnahmen angekündigt. Doch bis heute verfügen die Flughäfen in München, Memmingen und Nürnberg nicht über einen dauerhaft installierten, umfassenden Drohnenschutz.
Keine schnellen Allzwecklösungen
In der Luft- und Raumfahrtbranche heißt es, die Technologien für einen solchen Schutz gebe es längst auf dem Markt. Zudem habe der Bund Anfang des Jahres mit einer Novelle des Luftsicherheitsgesetzes für mehr Rechtssicherheit gesorgt. Auch auf der ILA präsentieren dutzende von Unternehmen entsprechende Lösungen, von Radarsystemen bis hin zu Störsendern und Abfangdrohnen oder -raketen.
Allerdings ist das Thema komplexer als es auf den ersten Blick aussieht. So müsse man je nach Fall genau analysieren, welche Systeme man für welches zu schützende Objekt brauche und auch verwenden dürfe, erklärt Hensoldt-Manager Christian Jäger dem BR.
Abwehr ist nicht gleich Abwehr
So komme es darauf an, die jeweilige Lage und auch das Umland einer schützenswerten Einrichtung zu beachten. Es mache einen großen Unterschied, ob eine abgewehrte Drohne auf ein Feld stürzt, oder ob Trümmer auf den Pausenhof einer Schule oder eine viel befahrene Straße fallen könnten, so der Experte.
Grundsätzlich sei eine systematische Drohnenabwehr auch eine Preisfrage. Jäger rechnet bei Sensoren, Auswertungs- und Steuerungstechnik sowie Abfangtechnologie für einen Flughafen mit Anschaffungskosten im zweistelligen Millionenbereich. Dazu kommen dann laufende Kosten, etwa für Technik-Updates sowie die Gehälter und Schulungsaufwendungen für das Sicherheitspersonal.

