Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Aber auch Männer können in seltenen Fällen daran erkranken. Auf dem 45. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. (externer Link), der noch bis zum 13. Juni in München stattfindet, diskutieren Expertinnen und Experten über die neuesten Entwicklungen in der Brustmedizin. Im Gespräch mit dem BR erläutern drei Medizinerinnen, was sich in der Behandlung von Brustkrebs, den Operationen, der Chemotherapie und der Strahlentherapie getan hat und was für Früherkennungsuntersuchungen spricht.
Brustkrebs: Wie es gelingt, die beste Therapie zu finden
Um Brustkrebs-Patientinnen bestmöglich zu behandeln, das heißt mit möglichst großer Wirkung und möglichst wenig Nebenwirkungen, ist es zunächst notwendig, dass Mediziner „den Tumor der individuellen Patientin auf verschiedene Mutationen, Veränderungen, Merkmale hin testen“, sagt Mattea Reinisch, Leiterin des Brustzentrums der Uniklinik Mannheim.
„Dann wissen wir, welche Therapie wir für die Patientin am besten einsetzen können.“ Personalisierte Medizin nennt sich das, also eine Therapie, die möglichst präzise auf den Tumor der jeweiligen Krebspatientin abgestimmt ist.
Moderne Brustkrebstherapie – Beispiel: Operation
Als ein gutes Beispiel für die Entwicklung bei der Behandlung von Brustkrebs bezeichnet Maggie Banys-Paluchowski, stellvertretende Klinikdirektorin der Frauenklinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck, die Operation der Lymphknoten in der Achselhöhle. Während früher oft alle Lymphknoten entfernt wurden, wisse man heute, dass die Entfernung des sogenannten Wächterknotens in der Regel ausreiche.
Bei einigen Patientinnen müsse sogar gar kein Lymphknoten entfernt werden. Das habe positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, weil die Beschwerden durch Lymphstauungen abnehmen.
Brustkrebs und die moderne (Chemo-)Therapie
Auch die Chemotherapie ist mittlerweile viel schonender. Nicht nur, dass Übelkeit und Erbrechen durch die Gabe von Medikamenten vor und während der Chemotherapie kaum noch eine Rolle spielen.
Sogar der Haarausfall unter der Therapie kann durch sogenannte Kühlkappen verringert werden. Die Kopfhaut wird sehr stark heruntergekühlt, sodass die Mittel der Chemotherapie nicht so stark in die Gefäße der Kopfhaut eindringen und keine so starke Wirkung haben, erklärt Mattea Reinisch von der Uniklinik Mannheim: „Die Haare fallen nicht aus, was ja ganz wichtig ist für Patienten.“
Mithilfe sogenannter Antikörper-Wirkstoff-Konjugate können Mediziner die Chemotherapie präziser und schonender durchführen als früher. Bei diesen Medikamenten werden speziell gezüchtete Antikörper, die gegen den Tumor gerichtet sind, „mit kleinen Chemotherapie-Molekülen beklebt“, sagt die Gynäkologin Banys-Paluchowski. „Das heißt, diese Chemo, die sonst eigentlich sehr toxisch wäre, wenn man sie einfach so geben würde, kommt sehr gezielt an den Tumorzellen an.“
Eine weitere neue Behandlungsmöglichkeit für Brustkrebspatienten ist die sogenannte Immuntherapie. „Das sind Medikamente, die unser Immunsystem schärfen sollen“, so Banys-Paluchowski. Gerade bei Tumorarten, bei denen andere Therapien nicht anschlagen, zeige diese Therapie eine gute Wirkung, wie etwa beim sogenannten triple-negativen Brustkrebs.
Die moderne, individuell abgestimmte Strahlentherapie
Auch die Strahlentherapie, die das Risiko eines Rückfalls deutlich vermindert und damit die Chancen einer Heilung deutlich verbessert, ist heute viel schonender. „Für jede Patientin wird ein individueller Bestrahlungsplan berechnet, der die spezielle Anatomie jeder Patientin berücksichtigt“, erklärt Montserrat Pazos, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am LMU Klinikum.
Brustkrebs: Früherkennung wichtig
Generell gilt: Je früher Mediziner den Brustkrebs entdecken, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb sei Vorsorge so wichtig, sagt Mattea Reinisch von der Uniklinik Mannheim. Die Mammographie sei dafür eine „große Errungenschaft“, weil damit Tumore früher entdeckt und behandelt werden können und die Patienten dadurch seltener an Brustkrebs versterben.
Die Strahlenbelastung sei gering, nämlich nicht höher als bei einem Transatlantikflug. Und auch die Rate falsch-positiver Befunde sei niedrig. „Gehen Sie in große zertifizierte Zentren, da werden die Patienten am besten behandelt“, appelliert die Gynäkologin. Eine Übersicht der zertifizierten Brustzentren in Deutschland finden Sie auf der Webseite: www.oncomap.de (externer Link).

