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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Friedenspreis des Deutschen Films: Appell an die Menschlichkeit
Kultur

Friedenspreis des Deutschen Films: Appell an die Menschlichkeit

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. Juni 2026 11:49
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Am Dienstagabend wurde in München zum 25. Mal der „Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke“ in vier Kategorien verliehen. Den Ehrenpreis erhielt Edgar Reitz, der vor allem durch seine Heimat-Trilogie bekannt ist.

Inhaltsübersicht
Debütpreis für Daniela Magnani HüllerPreis National für Ilker Çatak mit „Gelbe Briefe“Filme für eine bessere Welt?Preis International für „Im Schatten des Orangenbaums“Ein Appell, es weiter mit Menschlichkeit zu versuchen

Die Preisverleihung sei eine Gelegenheit, über den Begriff des Friedens nachzudenken, sagt Reitz. Es stelle sich die Frage „in welcher Weise die Künste zum Frieden beitragen können“. Denn würden erstmal die Waffen schweigen, „haben wir eine Chance, dann ist für die Filmkunst ein Platz“.

Debütpreis für Daniela Magnani Hüller

Kunstvoll, essayistisch, fragmentarisch erzählt Daniela Magnani Hüller in ihrem autobiographischen Langfilmdebüt „Was an Empfindsamkeit bleibt“ die Geschichte, wie sie beinahe umgebracht wurde – weil sie eine Frau beziehungsweise damals noch ein Mädchen war. Die 35-jährige wurde mit dem Debütpreis ausgezeichnet.

Für sie als Münchnerin ein besonderer Moment, im Cuvilliés-Theater in München ausgezeichnet zu werden: „Ich habe große Teile des Films hier gedreht und ich habe den Femizid-Versuch hier überlebt. Das ist eine wahnsinnig tolle Wertschätzung, zu wissen, dass es ankommt und dass es sich gelohnt hat, den Weg zu gehen.“

Preis National für Ilker Çatak mit „Gelbe Briefe“

Einen nicht ganz einfachen Weg ist die Familie von Ilker Çatak gegangen. Çatak wurde mit dem Preis National für das Drama „Gelbe Briefe“ geehrt. Und bei der emotionalen Verleihung begleitet unter anderem von seiner Mama und seiner Oma, an die er sich in seiner Danksagung wendet: „Oma, ihr wart so mutig, als ihr in den 60ern nach Deutschland gekommen seid, um euch in Fabriken abzuschuften.“ Unter Tränen führt er fort: „Ihr hattet kein Geld, aber ihr hattet einen unbestechlichen Wertekompass, den ihr euch auch trotz zahlreicher rassistischer Widerstände nicht habt nehmen lassen.“

Filme für eine bessere Welt?

Der Friedenspreis bedeute Ilker Çatak sehr viel, weil er für Toleranz stehe und die Absicht seiner Filme wie „Gelbe Briefe“, in dem es um staatliche Willkür und Repressalien nach regierungskritischen Äußerungen geht, bestätige. Ob Filme was verändern können? „Das ist eine Frage, die ich mir häufig stelle“, sagt er. „Ich glaube ja. Vielleicht können sie nicht in der Breite die ganze Welt verändern. Aber vielleicht können sie das Individuum verändern oder einen Teilaspekt, den Blick auf die Welt eröffnen, der einem neu war und auf diese Weise etwas subtiler etwas verändern.“

Preis International für „Im Schatten des Orangenbaums“

So sieht das auch Dominik Maringer. Er nahm stellvertretend den internationalen Preis für Cherin Dabis entgegen. Dabis wurde mit dem Preis International für „Im Schatten des Orangenbaums“ geehrt. Die Geschichte ihrer eigenen Familie, die aus dem Westjordanland vertrieben wurde und seit Generationen mit diesem Trauma kämpft, sich aber nicht in Hass und Vergeltung stürzt, sondern weiter für die Liebe einsetzt.

In der heutigen Zeit, wo es so viele verhärtete Fronten gibt, sei es laut Dominik Maringer wichtig, dass man nicht nur in schwarz-weiß denkt. Sondern dass es „in der Kunst allgemein Positionen gibt, die das differenziert machen und die für die Menschlichkeit eintreten.“ Der Friedenspreis des Deutschen Films sei besonders deswegen so wertvoll, weil er seinen Fokus auf nicht-radikale Positionen setzt.

Ein Appell, es weiter mit Menschlichkeit zu versuchen

Und so war diese Preisverleihung geprägt von nachdenklichen Tönen, von großen Emotionen und aufrüttelnden Botschaften. Durch die ausgezeichneten Filme wie die Reden der Laudatorinnen und Preisträger. Elisabeth Wicki-Endriss, die Initiatorin des Friedenspreises, blickt in diesem Jubiläumsjahr mit gemischten Gefühlen zurück und voraus: „Es hat sich im Grunde nichts geändert, das ist das Schlimme, schaut ins Westjordanland. Aber man muss es versuchen, dagegen was zu tun. Menschlichkeit ist eine Form des Widerstands und das ist eine große Aussage und etwas sehr Wichtiges.“

Eine Zusammenfassung der Verleihung ist in der ARD Mediathek zu sehen und wird am Samstag, 27.6. um 23:45 Uhr in 3sat und am Dienstag, 30. Juni um 23.45 Uhr im BR Fernsehen ausgestrahlt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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