Die HPV-Infektion gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. HPV steht für Humane Papillomviren. Diese Viren können Krebs verursachen: Gebärmutterhalskrebs genauso wie Anal-, Mund- und Peniskarzinome. Eine Impfung bietet hervorragenden Schutz – doch die bayerischen Impfquoten sind niedrig.
HPV-Infektion betrifft nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen
Die HPV-Infektion galt lange Zeit als Frauenkrankheit. Tatsächlich sind Frauen nach Vaginalsex die Hauptleidtragenden, was die Zahl der Krebserkrankungen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs, betrifft. Doch inzwischen weiß man, dass auch Männer erkranken. Auf HPV gehen 10.000 Krebserkrankungen pro Jahr zurück. HPV befallen Haut und Schleimhäute, das Virus wird also auch bei Oral- und Analsex übertragen.
HPV-Impfung senkt das Todesrisiko drastisch
Dass die Impfung gut vor Krebs schützt, ist längst erwiesen. Wie gut, zeigt eine neue Studie der Queen Mary Universität in London (externer Link). Die Forschenden haben sich angesehen, wie sich die Impfung auf das Todesrisiko junger Frauen auswirkt. Und festgestellt: Eine frühzeitige Immunisierung im Alter von neun bis 14 Jahren senkt das Todesrisiko auf nahezu null. Damit habe die Impfung seit ihrer Einführung in England geschätzt 200 junge Frauen vor dem Tod durch Gebärmutterhalskrebs bewahrt, so die Studienautoren.
Nur frühe HPV-Impfung bietet nahezu vollständigen Schutz
Die Impfung schützt nahezu perfekt vor gefährlichen HP-Virusvarianten. Allerdings nur, wenn sie rechtzeitig erfolge, betont Anja Takla vom Robert Koch-Institut in Berlin. Wichtig sei es, die Immunisierung vor dem ersten sexuellen Kontakt durchzuführen. Daher lautet die RKI-Empfehlung (externer Link): Impfen im Alter von neun bis 14 Jahren mit zwei Impfdosen. Ab 15 Jahre sind drei Impfdosen für einen vollständigen Impfschutz notwendig. Je später die Impfung erfolge, desto schlechter sei der Schutz vor schweren Krebserkrankungen.
Lange Inkubationszeit vor Ausbruch der Krebserkrankung
Die HPV-Infektion verläuft für neun von zehn Betroffenen harmlos. Sie führt zunächst zu keinerlei Beschwerden und heilt bei den meisten nach ein bis zwei Jahren wieder ab. Doch jede zehnte Infektion führt zu einem Krankheitsbild. Das allerdings nicht zeitnah, sondern oft erst nach zehn bis 20 Jahren. Die Krankheit verstecke sich oft Jahre im Körper, bis schließlich Zellen entarten und bösartige Tumore entstehen können, so der HPV-Experte Nobila Oudreago vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (externer Link).
Niedrige HPV-Impfquote in Bayern
Die Impfung ist gut verträglich. Sie wird von den Krankenkassen bezahlt. Und schützt zu fast 100 Prozent vor den gefährlichsten HPV-Varianten. Dennoch sind in Bayern laut Angaben des RKI gerade einmal 50 Prozent der 15-jährigen Mädchen und nicht einmal 30 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft (externer Link). Das ist viel zu wenig, um eine so genannte Herdenimmunität zu erreichen. Dafür seien etwa 80 Prozent nötig, so Anja Takla.
HPV-Impfung: Vorbilder England und Skandinavien
Um die mäßigen Impfquoten zu steigern, müsse man die Familien besser ansprechen, sagen Anja Takla und Nobila Oudreago. In Skandinavien und England gebe es staatliche Einladungen und Erinnerungen für anstehende Impfungen. Auch Impfungen direkt an den Schulen könnten ein gutes Mittel sein. Fest steht: Eine frühe HPV-Impfung kann späteres Leid sehr effektiv verhindern.

