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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > VW verkauft Mehrheit an Augsburger Motorenbauer Everllence
Wirtschaft

VW verkauft Mehrheit an Augsburger Motorenbauer Everllence

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 26. Juni 2026 09:48
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Nach monatelanger Käufer-Suche hat der Volkswagen-Konzern am Donnerstagmorgen erklärt, 51 Prozent seiner Everllence-Anteile an den US-Finanzinvestor Bain Capital zu verkaufen – für 7,4 Milliarden Euro. Genehmigungen stehen noch aus, VW will das Geschäft aber bis Ende des Jahres über die Bühne bringen.

Inhaltsübersicht
Skepsis, aber auch „Stolz“ bei den GewerkschafternGrüne warnen vor verpassten Standort-ChancenEs geht wohl weiter in AugsburgWarum VW die „Schiffsdiesel“ loswerden wollteRudolf Diesels Erben machen weiter

Skepsis, aber auch „Stolz“ bei den Gewerkschaftern

In Augsburg, Ravensburg und drei weiteren deutschen Standorten (Oberhausen, Hamburg, Berlin) beschäftigt Everllence ungefähr 16.000 Menschen. Dass diese Jobs Bestand haben, sei für vier Jahre sicher, sagt Volkswagen. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2030 ausgeschlossen.

Ferdije Rrecaj von der IG Metall in Augsburg sagt dem BR-Studio Schwaben, die genannte Kaufsumme „macht uns einerseits stolz, so wertvoll zu sein“. Andererseits hätten die Beschäftigten „auch große Sorgen, dass die Summe in den nächsten Jahren erwirtschaftet werden muss“. Die Arbeitnehmervertretung sei auf jeden Fall offen für eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Investor. In Augsburg sind 4.500 Menschen bei Everllence beschäftigt.

Grüne warnen vor verpassten Standort-Chancen

Dass der Verkauf der Everllence-Mehrheit ganz anders hätte laufen sollen, macht die Augsburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Roth von den Grünen deutlich. Sie erklärt schriftlich, es sei „bedauerlich“, dass es nicht gelungen sei, „eine tragfähige europäische Investorenlösung zu entwickeln“.

Schlüsselunternehmen mit industriellem Know-how und strategischen Technologien müssten in Europa gehalten werden, so Roth und spricht von einem industriepolitischen „Warnsignal“.

Es geht wohl weiter in Augsburg

Everllence stehe blendend da, sagt Volkswagen-Chef Blume. Und deshalb wolle der VW-Konzern ja auch 49 Prozent der Anteile behalten. Zuletzt habe Everllence einen Jahresumsatz von 4,9 Milliarden Euro gemacht. Die Produkte aus Augsburg finden sich demnach nicht nur in der Schifffahrt sondern auch bei Energieunternehmen und der Industrie.

Von „Rekorden im Auftragseingang“ ist die Rede. Everllence habe einige Technologien für die Energiewende anzubieten, etwa beim Ausbau von Infrastruktur und bei der Stromversorgung von KI-Rechenzentren, deren Bau momentan boomt.

Warum VW die „Schiffsdiesel“ loswerden wollte

Mit dem Verkauf wolle sich Volkswagen „noch stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren“, lässt VW-Konzernchef Oliver Blume wissen. Was VW mit den 7,4 Milliarden Euro machen wolle, sei noch nicht entschieden, heißt es. Brauchen kann VW das Geld sehr gut: Dem Autobauer geht es wirtschaftlich schlecht, gleichzeitig sind die Entwicklungskosten der Wolfsburger rund um die Elektromobilität hoch.

Rudolf Diesels Erben machen weiter

Große Diesel-Motoren haben in Augsburg Tradition. Schließlich entwickelte Rudolf Diesel hier vor rund 130 Jahren die „Verbrennungskraftmaschine“, die nach ihm benannt ist. In Augsburg sind bis heute große Motoren, vor allem für Schiffe entwickelt und gebaut worden.

Zu Volkswagen kamen MAN und die Produktion von Schiffsdieselmotoren vor knapp 15 Jahren durch eine Übernahme. Die Sparte hieß damals zunächst „MAN Turbo & Diesel“, dann „MAN Energy Solutions“ und seit vergangenem Jahr „Everllence“, ein Kunstwort aus „ever“ (immer) und „excellence“, zwei „zentrale Attribute des unternehmenseigenen Selbstverständnisses“, wie das Unternehmen im Juni 2025 erklärte. Der Name jedenfalls soll bleiben.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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