Was geht ab in einer Restaurant-Küche? Die Serie „The Bear“ hat das gezeigt – und wurde mit ihrem ungewöhnlichen Setting und der mutigen Machart schnell Kult. Nun startet die 5. und letzte Staffel auf Disney+ und gleich ist man wieder mittendrin im Herz des Bären. Über dem Herd, an der Messerspitze, in der Kühlkammer, auf der Flamme. So nah dran, dass man das Gefühl hat, vor dem Fernseher gebraten zu werden, und zu schwitzen beginnt.
Dieses Gefühl der Immersion treibt die letzte Staffel von „The Bear“ bis zum Siedepunkt. In acht Folgen durchleben wir einen Tag in der Restaurant-Küche. Fast in Echtzeit. Stunde für Stunde blicken wir auf die Uhr, fiebern mit, wenn die Belegschaft den Countdown herunterzählt.
Katastrophe in Echtzeit
Die Lage ist endzeitlich: Das Restaurant „The Bear“ steht in Folge eines Unwetters im wahrsten Sinne des Wortes unter Wasser. Läuft Gefahr, weggespült zu werden. Die Kassen leer, das Team am Rande des Nervenzusammenbruchs. Da drücken die Restaurantchefs noch einmal den Reset-Knopf und raufen sich zusammen für ein letztes großes Dinner – gegen den nie enden wollenden Sturm.
Es geht um alles an diesem kulinarischen Doomsday. Das nervenaufreibende Setting erinnert an die Serie „24“, die ebenfalls Stunde für Stunde in Echtzeit von den Anti-Terror-Ermittlungen amerikanischer Geheimdienste erzählt hat. Hier ist der Tatort: die Küche. Verdichtung war stets auch das Prinzip von „The Bear“, so dicht wie jetzt war die Serie allerdings noch nie.
Tiefe Gespräche zwischen Lammkotelett und Minzsorbet
Und auch nicht so nah dran an ihren Figuren. Schauspieler Jeremy Allen White ist mit seiner Rolle als Chef Carmy zum Hollywood-Superstar aufgestiegen. Jetzt ist er – wie am Ende von Staffel 4 angekündigt – kurz davor, hinzuschmeißen, und rückt etwas aus dem Mittelpunkt. Chefin Syd emanzipiert sich von ihm und übernimmt noch mehr Verantwortung. Ausgerechnet der in den früheren Staffeln so sprunghafte Richie ist mittlerweile zum zähen Backbone der Küche geworden. Insgesamt zeigen sich die Figuren noch offener und verletzlicher als zuvor. Zwischen Lammkotelett und Minzsorbet bekommen tiefgreifende Gespräche und Konflikte noch mehr Raum. Das macht die Staffel zur (gefühls-)intensivsten.
Überhaupt ist Serienmacher Christopher Storer, der wieder einen Großteil der Folgen geschrieben und inszeniert hat, ein Meister darin, den Herd anzuheizen und am Höhepunkt alles aufs Feuer zu schmeißen. Die Abschluss-Staffel ist damit ein echtes Kammerspiel im Herzen des Bären, der krönende Abschluss einer herausragenden, formal experimentellen und ungewohnt mutigen Serie. Ob das Dinner gelingt, ob das Restaurant den ersehnten Stern erhält? Abwarten. Die Serie „The Bear“ hat sich ihren Stern in jedem Fall verdient.

