Der Vatikan hat am Donnerstag den Kirchenausschluss von sechs Bischöfen der traditionalistischen Piusbrüder bestätigt. Der vatikanische Glaubenspräfekt, Kardinal Víctor Fernández, erklärte förmlich die Exkommunikation als Tatstrafe für die unerlaubten Bischofsweihen am Mittwoch im schweizerischen Écône. Der Vorgang sei laut Kirchenrecht ein spalterischer Akt und ziehe automatisch den Kirchenausschluss nach sich. Die Piusbrüder hatten trotz eindringlicher Warnung durch den Vatikan in der Schweiz Bischöfe geweiht – ohne päpstliche Erlaubnis.
Folgen der Exkommunikation
Konkret bedeutet die Exkommunikation für alle Bischöfe der Piusbruderschaft, dass sie nicht mehr zur Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche gehören. Außerdem gelten alle Geistlichen der Piusbruderschaft als Schismatiker. Die von Priestern und Bischöfen gespendeten Sakramente sind ab sofort ungültig.
Der Vatikan mahnt in dem von ihm veröffentlichten Dekret alle Gläubigen davor, sich der Piusbruderschaft anzuschließen. Auch sie seien dann schismatisch.
Piusbrüder: Schon zum zweiten Mal exkommuniziert
Der Konflikt zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Piusbrüdern macht sich an Reformen fest, die Mitte der 1960er Jahre mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt wurden: Die katholische Kirche öffnete sich für einen Dialog mit anderen Religionen auf Augenhöhe, bezog die Gläubigen stärker in die Feier der Messe ein, führte die Landessprache als Gottesdienstsprache ein.
Die Piusbrüder feiern ihre Messe nach alter Liturgie ganz auf Latein und lehnen Teile der modernen katholischen Lehre ab. Sie waren 1988 schon einmal aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Papst Benedikt XVI. hob 2009 die Exkommunikation auf und erhoffte sich damit, die Streitigkeiten zu beenden und einen Kompromiss zu finden. Das ist gescheitert.
Rund 800 Priester weltweit
Die Piusbrüder sind international organisiert. Seit 1978 unterhalten sie in Zaitzkofen in der Oberpfalz ein internationales Priesterseminar zur Ausbildung. Erst Ende Juni weihten die Piusbrüder dort vor rund 2.000 Anhängern fünf junge Männer zu Priestern.
Mit Informationen von kna und dpa.

