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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Klimaschutz: Politiker unterschätzen Bereitschaft in Bevölkerung
Wissen

Klimaschutz: Politiker unterschätzen Bereitschaft in Bevölkerung

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 3. Juli 2026 09:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Hitzewellen zeigen deutlich, welche Folgen der Klimawandel für jeden von uns hat. Trotzdem stand das Thema Klimaschutz bei der letzten Bundestagswahl eher im Hintergrund. Vielleicht auch, weil Politiker fürchten, dass zusätzliche finanzielle Belastungen für den Klimaschutz oder härtere Gesetze potenzielle Wähler verprellen könnten. Doch eine neue Studie (externer Link) zeigt: Die Bereitschaft, für Klimaschutz zusätzliche Steuern oder Gesetze zu akzeptieren, ist weit höher, als Bürger und vor allem politische Entscheidungsträger glauben.

Inhaltsübersicht
Klimawandel: Politiker unterschätzen Bereitschaft der Bürger zum KlimaschutzFehlwahrnehmung zum Klimaschutz bei fast allen Parteien ähnlichFalsche Annahmen über das Denken anderer: Pluralistische IgnoranzKlimawandel: Lautere Stimmen könnten öffentliche Wahrnehmung und politische Entscheidungen beeinflussen

Herausgefunden haben das die Wissenschaftler Wilhelm Hofmann von der Ruhr-Universität Bochum und Timur Sevincer von der Leuphana Universität Lüneburg. Sie haben über 2.000 Bürgerinnen und Bürger dazu befragt, ob sie bestimmte Maßnahmen zum Klimaschutz wie mehr Aufklärung, strengere Gesetze oder Sonderabgaben akzeptieren würden. Zusätzlich wurden auch rund 1.600 Politikerinnen und Politiker gefragt, wie groß ihrer Meinung nach die Bereitschaft in der Bevölkerung ist, diese Maßnahmen zu unterstützen.

Klimawandel: Politiker unterschätzen Bereitschaft der Bürger zum Klimaschutz

Die Forscher haben dabei besonders bei politischen Entscheidungsträgern eine enorme Diskrepanz (externer Link) zwischen angenommener und tatsächlicher Zustimmung für Klimaschutzmaßnahmen in der deutschen Bevölkerung festgestellt, sagt der Psychologe und Studienautor Timur Sevincer: „Wir haben rausgefunden, dass die politischen Entscheidungsträger systematisch unterschätzten, wie sehr die Bevölkerung wirksame Klimaschutzmaßnahmen unterstützt.“

Tatsächlich war die Fehleinschätzung sogar bei den drastischsten Maßnahmen am größten: bei der Bereitschaft, härtere Gesetze zu akzeptieren und zusätzlich finanzielle Belastungen in Kauf zu nehmen.

Fehlwahrnehmung zum Klimaschutz bei fast allen Parteien ähnlich

Politiker schätzten im Durchschnitt, dass lediglich 18 Prozent der Menschen in Deutschland ein Prozent ihres Einkommens für Klimaschutz ausgeben würden – dabei wären 48 Prozent der Bevölkerung dazu bereit. Auch Bürger ohne politisches Amt verschätzten sich bei dieser Frage mit einem vermuteten Anteil von rund einem Drittel gründlich.

Damit lagen sie aber dennoch deutlich näher an der Realität als die Volksvertreter. Überraschend für die Forscher: Die Fehleinschätzungen bei den befragten Politikern waren bei fast allen Parteien ähnlich groß. Lediglich Politiker der AfD unterschätzten die Zustimmung in fast allen Bereichen mit deutlichem Abstand.

Falsche Annahmen über das Denken anderer: Pluralistische Ignoranz

Grundsätzlich konnten die Forscher bei der Befragung Abweichungen zwischen der vermuteten und tatsächlichen Bereitschaft zum Klimaschutz durchaus erwarten, denn unter Sozialpsychologen sind solche Fehleinschätzungen unter dem Begriff „Pluralistische Ignoranz“ schon lange bekannt. Sie verstehen darunter ein kollektives Phänomen, wonach die Mehrheit in einer Gruppe fälschlicherweise annimmt, dass die meisten anderen Gruppenmitglieder etwas anderes denken als sie selbst.

Das kann sich beispielsweise in einer „Schweigespirale“ äußern: etwa dann, wenn ein Lehrer im Unterricht fragt, ob noch jemand eine Frage hat, und sich niemand meldet, obwohl die meisten Schüler doch noch etwas wissen wollen. Die Fehlwahrnehmung, man stünde als Einziger da, der eine Nachfrage nötig hat, kann verhindern, dass man die Frage stellt. Wie stark diese Pluralistische Ignoranz bei Klimafragen in der Bevölkerung verbreitet ist, war die Ausgangsfrage der Forscher bei ihrer Studie.

Klimawandel: Lautere Stimmen könnten öffentliche Wahrnehmung und politische Entscheidungen beeinflussen

Die außergewöhnlich großen Unterschiede bei der gefühlten und tatsächlichen Bereitschaft zum konsequenten Klimaschutz haben beide Wissenschaftler überrascht. Laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (externer Link) liegt der Anteil der deutschen Bevölkerung, die den Klimawandel als wenig gefährlich ansehen und die Klimaschutzmaßnahmen tendenziell ablehnen, bei gerade mal acht Prozent. Doch diese Minderheit könnte lauter sein als die große Mehrheit derer, die den wissenschaftlich belegten, menschengemachten Klimawandel und seine Folgen nicht leugnen.

Möglicherweise entsteht dadurch eine Fehlwahrnehmung, die auch ein Grund dafür sein könnte, dass wirksame Klimaschutzmaßnahmen derzeit in der Politik eher in den Hintergrund gerückt sind. Timur Sevincer fasst es so zusammen: „In Demokratien orientieren sich Politiker ja daran, was sie denken, was Wähler denken. Aber wenn diese Wahrnehmung systematisch verzerrt ist, dann kann das eben ein Hindernis dafür sein, solche Maßnahmen auch umzusetzen.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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