Wer am Freitagabend Richtung Nachthimmel schaut, könnte mit etwas Glück Polarlichter entdecken. Nach einer starken Sonneneruption Ende Juni besteht zumindest die Möglichkeit, dass das Naturschauspiel erneut in Bayern sichtbar wird.
Nach Angaben des ARD-Wetterexperten Martin Gudd ist die Wahrscheinlichkeit am Freitagabend höher als am restlichen Wochenende. Der Sonnensturm habe die Erde inzwischen erreicht. „Diesmal ist es eher eine Kann-Kann-Situation“, sagt Gudd. Sicher seien Polarlichter derzeit nur im hohen Norden.
Weg vom künstlichen Licht – und Blick nach Norden
Wer sein Glück versuchen möchte, sollte nach Einbruch der Dunkelheit gegen 23 Uhr möglichst weit weg von künstlichem Licht nach Norden schauen. Da der Himmel über Bayern voraussichtlich nur locker bewölkt ist, sind die Wetterbedingungen günstig. „Diese Teilchen des Sonnensturms von Ende Juni haben inzwischen die Erde erreicht“, so Gudd.
Matthias Gräter von der Nürnberger Regiomontanus-Sternwarte dämpft die Erwartungen. Wegen der kurzen Sommernächte werde es derzeit kaum richtig dunkel. Außerdem erschwere der fast volle Mond die Beobachtung. „Die Chance für Polarlichter ist nicht ganz klein – ob wir sie in unseren Breiten sehen können, ist aber fraglich.“ Die beiden Experten sind sich einig: Am Freitagabend ist die Wahrscheinlichkeit auf etwas Romantik am Himmel höher als am Rest des Wochenendes.
Warum gibt es „mehr“ Polarlichter?
Der Grund liegt auf der Sonne selbst. Sie befindet sich noch in einer besonders aktiven Phase ihres rund elf Jahre dauernden Zyklus. Immer wieder schleudert sie bei sogenannten koronalen Massenauswürfen Milliarden Tonnen geladener Teilchen ins All. Treffen diese Teilchen auf das Magnetfeld der Erde, regen sie Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle in der Atmosphäre zum Leuchten an – grüne, rote oder violette Polarlichter entstehen. Nach Einschätzung Gräters dürfte die hohe Sonnenaktivität in den kommenden Jahren langsam wieder nachlassen. Deshalb könnten Polarlichter in Mitteleuropa künftig wieder seltener werden.
Vorhersagen bleiben kurzfristig
Ob Polarlichter tatsächlich sichtbar werden, lässt sich erst relativ kurzfristig beurteilen. Zwar beobachten Satelliten die Sonne rund um die Uhr. Wie genau eine Teilchenwolke die Erde trifft, lässt sich jedoch erst kurz vor ihrem Eintreffen zuverlässig bestimmen. ARD-Wetterexperte Gudd berichtet von Fällen in den letzten Wochen und Monaten, in denen man auch zuverlässig einige Stunden vorher sagen konnte, dass es über Mitteleuropa zu Polarlichtern kommt. Bei der derzeitigen Sonnenaktivität sei es nur eine Frage der Zeit, bis „wieder ein schönes Polarlicht über Bayern zu sehen ist“, so Gudd im Interview mit BR24.

