Die Luftqualität in Europa hat sich signifikant verbessert. Laut dem aktuellen Sachstandsbericht zur Luftqualität in Europa Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS, externer Link) setzt sich damit eine positive Entwicklung fort. Die Wissenschaftler des CAMS-Programms, einem gemeinsamen Projekt der Europäischen Union und der europäischen Raumfahrtorganisation ESA zur Überwachung der Luftqualität, haben beispielsweise einen langfristigen Rückgang beim menschengemachten Feinstaub gemessen, der etwa beim Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle oder Treibstoffe entsteht.
Er kann Entzündungen in Zellen und bei dauerhafter Belastung Atemwegserkrankungen wie Asthma verursachen (externer Link). Im vergangenen Jahr gab es zwar wegen des recht kalten Winters in Europa zwischenzeitlich einen deutlichen Anstieg der Feinstaubmenge, verursacht vor allem durch den Ausstoß von Heizungen. Die Gesamtmenge ging jedoch beispielsweise bei den besonders feinen Partikeln seit 2010 kontinuierlich um rund ein Viertel zurück.
Deutlich weniger Stickoxide und Schwefeldioxide
Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre konnten die Wissenschaftler auch einen Rückgang von gesundheitsschädlichen Stickoxiden in der Luft um rund 40 Prozent feststellen. Diese reizen ebenfalls die Atemwege und begünstigen auch die Bildung von Ozon. Schwefeloxid, das früher vor allem für sauren Regen und auch für die Bildung von Smog verantwortlich war, ging im gleichen Zeitraum sogar um 59 Prozent zurück. Laut Laurence Rouil, der Direktorin des CAMS-Programms, sei dies vor allem der strengen EU-Luftqualitätsrichtlinie (externer Link) zu verdanken, die inzwischen Wirkung zeigt.
Klimawandel könnte Erfolge der Luftverbesserung zunichte machen
Doch Entwarnung können die Forscher trotz der Erfolge nicht geben. Der weltweite Klimawandel sorgt für zunehmend neue Probleme bei der Luftqualität. So gab es beispielsweise 2025 in Spanien und Portugal die bis dahin größten jemals erfassten Waldbrände. Diese erzeugten gewaltige Mengen Feinstaub, der die betroffenen Gebiete in Europa gesundheitlich stark belastete. Zunehmende Hitze und erhöhte Sonneneinstrahlung fördern zudem die Bildung von Ozon. Es kann Augen und Lungen reizen und sogar Atemwegserkrankungen auslösen.
Klimaforscher: Sauberere Luft heißt auch weniger Kühlung
Sauberere Luft bedeutet nicht immer zwingend eine Verbesserung für das Klima, erklärt der Klimaforscher Mojib Latif: „Wir sehen in bestimmten Bereichen, etwa in der Schifffahrt, dass Motoren sauberer werden, weil andere Brennstoffe verwendet werden. Das ist ein Erfolg, den ich nicht klein reden möchte. Auf der anderen Seite führt das aber auch dazu, dass weniger Dreck in der Luft ist, und dieser Dreck kühlt normalerweise die Erdoberfläche.“
Saharastaub wird zum Problem
Veränderungen der Luftzirkulation sorgen auch dafür, dass Staub aus der Sahara heute öfter den Weg nach Europa findet. Er könnte die Verbesserungen zunichtemachen, die der Rückgang beim menschengemachten Feinstaub gebracht hat. Schon in einer früheren Studie zwischen den Jahren 2020 und 2022 haben Forscher einen dramatischen Anstieg der Luftverschmutzung in Europa durch Saharastaub (externer Link) festgestellt. Die Feinstaubmenge aus Nordafrika könnte so laut der CAMS-Direktorin Laurence Rouil in Europa sogar noch signifikant ansteigen.
Treibhausgasausstoß geht zurück – in Europa
Ohne die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen, die den Klimawandel vorantreiben, bleiben Erfolge bei der Luftreinhaltung langfristig nur Teilerfolge. Europa macht aber auch dabei große Fortschritte: Verglichen mit den 1990er-Jahren sind die Emissionen bereits um 39 Prozent zurückgegangen (externer Link). Weltweit steigt der Treibhausgasausstoß aber immer noch an.

