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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Schlafapnoe: Was bei gefährlichen Atemaussetzern helfen kann
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Schlafapnoe: Was bei gefährlichen Atemaussetzern helfen kann

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 6. Juli 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Im Schlaf entspannen sich auch die Muskeln im Rachen. Bei der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe rutschen mit der Schwerkraft der weiche Gaumen, das Gaumenzäpfchen und die Zunge in den hinteren Teil des Rachens und versperren den Luftweg. Dann gelangt kein Sauerstoff mehr in die Lunge. Das Gehirn schlägt Alarm: Herzschlag und Blutdruck schießen in die Höhe.

Inhaltsübersicht
Schlafapnoe behandeln mit CPAP-Therapie und AtemmaskeZungenschrittmacher kann helfenAuch chirurgische Eingriffe und Unterkieferschiene können helfenMedikament AD109 bei nächtlicher Atemnot

Es folgt die lebensrettende Weckaktion, die Betroffene aber nicht bewusst wahrnehmen. Durch den Schock der Atemnot spannt sich die Rachenmuskulatur abrupt wieder an. Die Atemwege öffnen sich mit einem explosionsartigen Röchelgeräusch. Der Körper tankt wieder Sauerstoff auf. Sobald die Person aber wieder schläft und sich die Rachenmuskulatur entspannt, beginnt der Kreislauf von vorne – teilweise mit mehr als 30 Atemaussetzern pro Stunde.

Schlafapnoe behandeln mit CPAP-Therapie und Atemmaske

Der unruhige Schlaf bei Atemnot stresst den Körper enorm. Durch den häufigen Sauerstoffabfall im Blut erhöht sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Tagsüber kommt es bei manchen Menschen zum gefürchteten Sekundenschlaf. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin warnt vor „Tagesschläfrigkeit, Leistungsabfall in Beruf und Alltag sowie depressiver Symptome“. Sie nennt in ihrem Ratgeber für Apnoe-Patientinnen und Patienten eine Vielzahl an Behandlungsstrategien [externer Link].

Der Goldstandard ist die sogenannte CPAP-Therapie mit Atemmaske: Ein Beatmungsgerät sorgt mit leichtem Überdruck dafür, dass die Atemwege im Schlaf offenbleiben. Denn CPAP steht für „Continuous Positive Airway Pressure“, auf Deutsch: kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck. Viele Nutzer empfinden die Atemmaske aber als störend und lehnen sie ab.

Zungenschrittmacher kann helfen

Eine weitere technische Möglichkeit bietet ein Zungenschrittmacher. Bei einer etwa dreistündigen Operation wird minimalinvasiv eine feine Manschette unterm Kinn eingebracht. Sie umschließt den Unterzungennerv und stimuliert ihn nachts. Außerdem kommt ein Mini-Atemsensor zwischen die Rippen, der die Atembewegungen im Brustkorb misst. Unter dem Schlüsselbein wird ein kleines Gerät implantiert, das per Batterie Strom und Impuls liefert – ähnlich wie ein Herzschrittmacher.

Von außen sind die Implantate nicht sichtbar. „Für viele ist der Schlaf mit dem Zungenschrittmacher wieder ruhiger und erholsam geworden. Zudem wird das Schnarchen reduziert“, erklärt der Mediziner Philipp Schendzielorz vom Uniklinikum Würzburg. Diese Operation kommt für Betroffene mit mittlerer und starker Schlafapnoe in Frage. Ob und wie stark jemand an Atemaussetzern leidet, lässt sich im Schlaflabor ermitteln.

Auch chirurgische Eingriffe und Unterkieferschiene können helfen

Chirurgen können ihren Patienten helfen, indem sie überschüssiges Gewebe am weichen Gaumen oder am Gaumensegel operativ entfernen und erschlafftes Weichgewebe im Rachenraum straffen. Dabei verkleinern sie meist auch gleich noch die Gaumenmandeln oder nehmen sie ganz raus, um die Atemwege offen zu halten. In einigen Fällen ist auch der Unterkiefer von Geburt an zu weit hinten verankert, was die Atmung behindert.

Bei einer Operation kann der Unterkiefer nach vorne verlagert werden. Bei manchen Patienten genügt auch eine sogenannte Protrusionsschiene: eine doppelte Zahnschiene für oben und unten, die den Unterkiefer nachts sanft nach vorne drückt. So kann die Zunge nicht nach hinten fallen. Damit die Unterkieferschiene wirksam ist, sollten sie Betroffene – so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin – „mindestens vier Stunden in der Nacht und mindestens fünf Tage in der Woche tragen“[externer Link].

Medikament AD109 bei nächtlicher Atemnot

Neu ist ein Medikament gegen Schlafapnoe namens AD109. Die Tabletten unterstützen den Hirnnerv, der die Zungen- und Rachenmuskulatur steuert. Studienleiter ist der Schlafmediziner Patrick Strollo von der Universität Pittsburgh in den USA: „AD109 verbessert die Atemwegsobstruktion und die Sauerstoffversorgung nach 26 Wochen bei einer breiten Patientengruppe, die keine CPAP-Therapie anwenden konnte, signifikant.“

Die Phase-3-Studie an 646 Testpersonen wurde am 18. Mai 2026 in der Fachzeitschrift „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht [externer Link]. Mit einer Zulassung des Medikaments wird in den USA frühestens 2027 gerechnet. Für Europa ist noch kein Zulassungstermin bekannt. Es wird bei uns also noch länger dauern, bis ein Medikament wie AD109 Menschen, denen Schlafapnoe nachts den Schlaf raubt, helfen kann.

 

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Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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