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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Neue Girocard-Funktionen: Wer profitiert wirklich davon?
Netzwelt

Neue Girocard-Funktionen: Wer profitiert wirklich davon?

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 4. Juli 2026 09:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Die Girocard soll 2027 neue Funktionen bekommen. Zu den spannendsten zählen die In-App-Integration und die sogenannte Vorautorisierung, bislang eine Kreditkarten-Domäne. Das Netz fragt deshalb bereits: Könnte die Kreditkarte überflüssig werden (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt)? Ganz so schnell aber dürfte es nicht gehen.

Inhaltsübersicht
Was ist die In-App-Integration der Girocard?In welchen Apps wird sich die Girocard hinterlegen lassen?Wie können Verbraucher schon jetzt vom Girokonto bezahlen?Welche Vorteile hat die Girocard-Anbindung für die App-Anbieter?Wird die Girocard zur Kreditkarte?Ersetzt die Girocard die Kreditkarte?

Was ist die In-App-Integration der Girocard?

Eine In-App-Integration bedeutet, dass eine bestimmte Funktion wie das Bezahlen mit der Girocard in einer App enthalten ist. Viele Shopping- oder Dienstleistungsapps, etwa von Supermärkten, Tankstellen, Essenslieferdiensten oder auch Autovermietern, setzen bislang auf Bezahlpartner wie Paypal und Apple Pay oder Kreditkartenanbieter wie Visa und Mastercard. Mit der In-App-Integration sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher künftig direkt über das deutsche Girocard-System in Apps bezahlen können.

In welchen Apps wird sich die Girocard hinterlegen lassen?

Wann genau die Funktion kommt, steht noch nicht fest. Auch nicht, welche Händler und Dienstleister mit dabei sind. Nur so viel lässt das Unternehmen „Euro Kartensysteme“ durchblicken, das das Girocard-System im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft weiterentwickelt: Es laufen Verhandlungen mit großen Lebensmitteleinzelhändlern, Lieferdiensten und Mobilitätsanbietern. Ob damit Unternehmen wie Rewe und Aldi, Lieferando und Wolt, Miles und Uber gemeint sind, ist offen.

Wie können Verbraucher schon jetzt vom Girokonto bezahlen?

Über das Girocard-System selbst wird sich die Karte erst 2027 in Apps hinterlegen lassen. Schon heute aber ist das Bezahlen direkt vom Girokonto in manchen Apps möglich – per Lastschrift-Mandat. Das Ergebnis ist identisch: Beide Male bucht das System die Zahlung direkt vom Girokonto ab. Aber: Eine Lastschrift können die Verbraucherinnen und Verbraucher zurückbuchen lassen – eine Girocard-Zahlung nicht.

Zudem gibt es die Karten Visa Debit und Debit Mastercard – nicht zu verwechseln mit den Kreditkarten der beiden Unternehmen. Die Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Logo sind eine Kooperation mit deutschen Banken. Sie sind wie die Girocard eine Debitkarte: Sie haben zwar keine Kreditfunktion, lassen sich aber schon länger in Apps hinterlegen und werden online wie im Ausland akzeptiert, weil Visa und Mastercard als weltweit bekannte Mittler fungieren. Auch sie ziehen das Geld direkt vom Girokonto ein.

Welche Vorteile hat die Girocard-Anbindung für die App-Anbieter?

Händler und Dienstleister dürften ein großes Interesse daran haben, ihre Kunden vom Lastschrift-Mandat zur Girocard-Zahlung zu bewegen. Denn dann trägt die Bank das Risiko eines Zahlungsausfalls, sofern die App technisch die sogenannte starke Kundenauthentifizierung ermöglicht.

Für jede Zahlung müssen die App-Anbieter zudem einen geringen Prozentsatz davon an die jeweilige Bank oder Sparkasse zahlen. Ob Lastschrift oder Girocard-Zahlung, macht zwar kaum einen Unterschied. Deutlich teurer ist jedoch die Abwicklung über einen Kreditkartenanbieter – derzeit Standard.

Wird die Girocard zur Kreditkarte?

Nein. Aber sie bekommt in Deutschland eine ähnliche Funktion. Händler und Dienstleister können Beträge nämlich künftig vorautorisieren lassen. Interessant ist das für Situationen, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher garantieren müssen, dass sie zahlungsfähig sind – bevor sie die Leistung überhaupt erhalten: die Anzahlung für die neue Küche, die erst in acht Wochen geliefert wird; das Mietauto, für das eine Kaution fällig wird; das Hotelzimmer, in dem man erst in einigen Monaten übernachten will. Solche Situationen gelten bislang als Kreditkarten-Domäne.

Nur: Ob und welche Anbieter wie Möbelhäuser, Autovermieter oder Hotel-Broker die Vorautorisierung nutzen werden, ist offen – und auch, ob sie das Geld dann direkt abbuchen lassen oder erst nach einigen Wochen.

Interessant ist die Funktion dennoch für alle, die keine Kreditkarte haben. Denn die Vorautorisierung gilt den Händlern und Dienstleistern als Garantie, dass sie ihr Geld bekommen werden – im Zweifel von der Bank. Entscheidend im Unterschied zur Kreditkarte: Die Girocard hat keinen Kreditrahmen. Die Kaution oder Anzahlung belastet das Girokonto-Guthaben, es gibt keinen extra Kredit.

Ersetzt die Girocard die Kreditkarte?

In Deutschland und Grenzländern, in denen sie akzeptiert wird, könnte das passieren – zumindest dann, wenn sie nur als Zahlungsmittel eingesetzt wird. Im weiteren EU-Ausland und für weltweite Zahlungen dagegen wird eine reine Girocard dafür auch weiterhin nicht ausreichen, weil die Anbieter sie nicht akzeptieren.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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