In vielen Ausstellungen zu Adolf Hitler steht die Zeit der NS-Diktatur im Mittelpunkt. Die neue Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern: Hitler und der Kampf um die Demokratie“ im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg setzt früher an: Sie richtet den Blick auf die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und zeigt, wie Bayern zum Schauplatz von Hitlers politischem Aufstieg wurde.
Vom Bürgerbräukeller in den Gerichtssaal
Auf fünf begehbaren Ausstellungsbühnen erleben die Besucherinnen und Besucher zentrale Ereignisse der 1920er Jahre: von der Revolution von 1918 über den Hitlerputsch bis hin zum anschließenden Prozess. Eine der Bühnen versetzt das Publikum in den Bürgerbräukeller, in dem Hitler seine Reden hielt. Hinter drei Türen wird anschließend deutlich, welche unterschiedlichen Strafen ihm nach dem Scheitern des Putschversuchs hätten drohen können – die Höchststrafe, die Mindeststrafe oder die Ausweisung aus Deutschland.
Hitler bekam damals lediglich die Mindeststrafe. Wie Museumsdirektor Richard Loibl betont, war der Prozess entscheidend für Hitlers Aufstieg in Bayern. Das zeige, wie wichtig es sei, demokratische Institutionen konsequent gegen Extremisten zu schützen.
Bayern als Schauplatz des Aufstiegs
„In Bayern spielt sich der Aufstieg Hitlers ab – und in Bayern hätte der ganze Spuk auch frühzeitig beendet werden können“, sagt Museumsdirektor Loibl. Entscheidend seien die besonderen politischen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg gewesen. Während der Revolution 1918 strömten zahlreiche bewaffnete, aber perspektivlose Soldaten nach München. „Da radikalisiert sich alles“, erklärt Loibl. Nach der kurzlebigen Münchner Räterepublik wurde diese von Einwohnerwehren und Reichswehrverbänden gewaltsam niedergeschlagen. „In München herrscht Bürgerkrieg und das ist die Basis für den Aufstieg Hitlers.“
Nach Ansicht Loibls trug auch die damalige bayerische Politik dazu bei, dass Hitler an Einfluss gewinnen konnte. Viele Verantwortliche seien monarchistisch geprägt gewesen und hätten sich bewusst von der Regierung in Berlin abgegrenzt.
Lehren für die Demokratie
Ministerpräsident Markus Söder zog bei der Eröffnung der Ausstellung in Regensburg Parallelen zur Gegenwart. Angesichts sozialer Ängste und gesellschaftlicher Verunsicherung erinnerte er an die Lehren aus der Weimarer Republik. Diese sei nicht daran gescheitert, dass die Radikalen zu stark gewesen seien, sondern daran, dass die Demokraten zu müde geworden seien. Deshalb müssten demokratische Parteien heute ihre Werte offensiv verteidigen und die Demokratie nicht leichtfertig schlechtreden oder aufs Spiel setzen.
„Demokraten brauchen Kraft. Auch zu ihren Werten zu stehen, sie nicht leichtfertig aufgeben, nicht leichtfertig alles schlechtreden“, sagte Söder. Die Probleme der Weimarer Republik seien existenziell gewesen, im Vergleich dazu seien die heutigen Herausforderungen deutlich kleiner. Umso wichtiger sei es, die Demokratie wertzuschätzen und nicht aufzugeben.

