Ihre Erfahrungen beim Eurovision Song Contest 2013 im schwedischen Malmö waren zwiespältig: Einerseits wusste Bonnie Tyler die damit verbundene Publicity zu schätzen, wie sie mal in einem Interview sagte [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt], andererseits fand sie es „nicht ganz fair“, als prominente Sängerin mit weitgehend unbekannten Kolleginnen und Kollegen zu konkurrieren: „Ehrlicherweise bekomme ich mit jedem Jahr zunehmend das Gefühl, dass es bei manchen Auftritten weniger um die Songs als um möglichst verrückte Outfits der Acts geht.“
Dabei räumte Tyler ein, dass sie selbst durchaus auf „Make-up, lange Wimpern und coole Kleidung“ stand und sich bis zu zwei Mal im Jahr Botox spritzen ließ, um ihr „Aussehen frisch zu halten“. Noch mit 75 sang sie auf ihrer Single „Yes I Can“ die Textzeile „I was born a fighter“, verstand sich also als Kämpferin und begründete das so: „Es geht darum, an sich zu glauben und das zu tun, was man liebt und gerne tut. Wir müssen es nur wagen.“
Ihr walisischer Dialekt bereitete Probleme
Bereut hat Bonnie Tyler übrigens nichts im Leben, wie sie an anderer Stelle verriet, nicht mal, dass sie es in den 1990er Jahren abgelehnt hatte, einen James-Bond-Song einzusingen, weil er „einfach furchtbar“ gewesen sei. Nach dem „Preis“ ihres Erfolgs befragt, verwies die Sängerin darauf, dass sie keine Kinder hatte, obwohl sie mit 39 Jahren dafür „wirklich bereit“ gewesen sei.
Geboren wurde die Künstlerin im Juni 1951 als Gaynor Hopkins im Bergarbeiterdorf Skewen in Wales. Ihre Mutter soll Opern geliebt haben und gab ihre Leidenschaft für den Gesang offenbar an die Kinder weiter: „Meine Mutter hat mir immer beigebracht, an mich selbst zu glauben.“
Zunächst tingelte Tyler mit ihrer Band sieben Jahre durch walisische Nachtclubs, bevor ihr 1976 mit „Lost in France“ ein erster Erfolg gelang. Zuvor musste sie Sprachunterricht nehmen, wie sie der BBC sagte [externer Link], weil ihre Manager der Auffassung waren, sie hätte einen zu auffälligen walisischen Akzent. Deshalb habe sie sich bei Live-Auftritten zunächst auch davor gescheut, zwischen den Songs ein paar Worte ans Publikum zu richten, aus Angst, provinziell zu klingen. Gleichwohl schätzte Tyler ihre kulturellen Wurzeln in Wales.
„Versuche es einfach“
„Ich war ein sehr schüchternes junges Mädchen“, so Tyler, die in einem Club in Swansea von einem Plattenmanager entdeckt wurde. Sie wunderte sich wohl selbst am meisten darüber, es aus der Provinz zu einem weltweit gefeierten Star gebracht zu haben: „Was für eine Reise! Wenn du überzeugt bist, Talent zu haben, versuche es einfach.“ Sie selbst hielt sich an diese Devise, denn mit 17 hatte sie sich auf eine Anzeige beworben, in der eine Background-Sängerin gesucht wurde.
1977 stürmte sie die Charts mit „It’s a Heartache“, in den 1980er Jahren begeisterte sie ihre Fans mit den Welthits „Total Eclipse of the Heart“ und „Holding Out for a Hero“. Sie sei nie müde geworden, diese Songs wieder und wieder zu performen, versicherte Tyler. Wegen ihrer rauen Stimme wurde sie mit Rod Stewart und Kim Carnes verglichen. Stilistisch ließ sie sich vom keltischen Folk, aber auch von Country, Blues und Rock inspirieren.
Putin gehörte zu ihren Konzertgästen
Drei Mal gastierte Tyler im Moskauer Kreml und zählte dort sogar einmal, kurz vor der Corona-Pandemie im Februar 2020, Wladimir Putin zu ihren Zuhörern. Er habe damals sein Gesicht „bis hinunter zu seinen Füßen“ gesenkt, erinnerte sie sich. Noch zu Sowjetzeiten tourte sie durch Russland und war trotz Überwachung durch den Geheimdienst glücklich über die Begeisterung des Publikums.
Diese und andere Anekdoten finden sich in ihrer Autobiografie „Straight From the Heart“, die im September 2023 erschien. So trat sie im Dezember 2019 sogar beim Weihnachtskonzert im Vatikan auf, an dem Papst Franziskus teilnahm.
Bonnie Tyler starb an ihrem Wohnort, dem portugiesischen Faro. Nach einer Notoperation im vergangenen Mai war sie zeitweise in ein künstliches Koma versetzt worden. Sie wurde 75 Jahre alt.

