Diese Berufung ist eine große Ehre: Schwester Katharina Ganz, bis 2025 die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen mit Niederlassungen in Deutschland, Südafrika und den USA und dem Ordenssitz in Zell am Main bei Würzburg, wird neue Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Sie wurde Mittwochabend in Freiburg gewählt. Im Februar tritt Schwester Katharina die Nachfolge von Eva Maria Welskop-Deffaa an.
Kampf für Frauenrechte in der katholischen Kirche
Katharina Ganz ist promovierte Theologin und Sozialpädagogin. Vor allem bei den großen Fragen der katholischen Kirche hat sie sich einen Namen gemacht. Ganz tritt unter anderem für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche ein: „An der Frauenfrage entscheidet sich die Zukunft der katholischen Kirche“, sagt sie. In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte Ganz 2019: „Die Deutungshoheit über das, was Kirche ist, haben ausschließlich geweihte Männer. Also müssen Frauen die Machtfrage stellen.“
Genau das tat sie 2019 bei einer Papst-Audienz in Rom für die Leiterinnen von Frauenordensgemeinschaften aus aller Welt. Den Papst sprach sie damals mit „Bruder Franziskus“ an und sagte, man dürfe die Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können, nicht nur aus der Geschichte und der Dogmatik heraus beantworten. Der Papst antwortete mit dem Verweis auf die Offenbarung, die Katholiken zu respektieren hätten, und dem unvollendeten Satz „Aber wenn eine von Ihnen eine andere Kirche gründen will …“. Katharina Ganz nahm es erst mit Humor, bewertete das später aber als „knallende Ohrfeige“.
Praktikumsjahr bringt sie zu Franziskanerinnen
Katharina Ganz kam 1970 in Franken zur Welt. Aufgewachsen ist sie in Willanzheim im Landkreis Kitzingen. Nach dem Abitur am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach hat sie in Würzburg Theologie und Sozialpädagogik studiert, „weil ich sehr bald gemerkt habe: Als Frau in der Kirche brauchst du ein zweites Standbein“. Geprägt hat sie ein Praktikumsjahr in einer Missionsstation französischer Ordensleute in der Zentralafrikanischen Republik.
Dort entdeckte sie die franziskanische Spiritualität. 2002 trat sie in Würzburg bei den Oberzeller Franziskanerinnen ein und wurde später Einrichtungsleiterin. Von 2012 bis 2025 war sie Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen. Ganz gehört seit 2025 dem Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK) an und war Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Wegs, dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, außerdem Beraterin in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.
Caritas: Größter privater Arbeitgeber in Deutschland
Als sie im Sommer 2025 dieses Amt abgab, nahm sie erst mal eine Auszeit und pilgerte in Italien auf den Spuren des Heiligen Franziskus. Außerdem hat sie eine Fortbildung in Clownerie gemacht, also der darstellenden Kunst des Clownspiels. Als sie im vergangenen Jahr gefragt wurde, wie es nun mit ihr weitergehe, sagte Katharina Ganz: „Ich glaube, dass das Leben noch viele Überraschungen bringt, und ich freue mich, hoffentlich auch in Kirche, Gesellschaft – und Politik vielleicht – weiter meine Stimme zu erheben.“
Als künftige Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes steht sie an der Spitze des größten privaten Arbeitgebers in Deutschland – mit aktuell 770.000 hauptamtlichen Mitarbeitern. 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Präsidentin oder der Präsident des Deutschen Caritasverbands wird für jeweils sechs Jahre gewählt und sitzt zugleich dem Vorstand vor. Der Deutsche Caritasverband ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Wohlfahrtsverband. Er umfasse rund 1,3 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon mehr als 500.000 Ehrenamtliche. In rund 25.000 Einrichtungen und Diensten unterstütze die Caritas jährlich etwa 13 Millionen Menschen. Katharina Ganz erklärte auf BR-Anfrage, dass sie sich aktuell zu ihrer Wahl nicht äußere, weil Eva Maria Welskop-Deffaa als Caritas-Präsidentin „die Zügel noch in der Hand habe“. Interviews will sie erst nach ihrem Amtsantritt im Februar 2027 geben.

