BTS sind die wohl erfolgreichste Boyband der Gegenwart. Und das liegt nicht nur an den sieben Musikern und deren Musik selbst, sondern zu einem gewissen Teil auch an ihrer „ARMY“. Was so martialisch klingt, ist das Fannetzwerk der Band und steht für: „Adorable Representative M.C. for Youth“ – die liebenswerten Repräsentanten der Jugend. Nichts mit Militär also, sondern mit ganz viel Liebe.
Über 50 Millionen Fans sind Mitglied bei „ARMY“
Die „ARMY“ ist in dutzenden Ländern auf allen Kontinenten aktiv und wird auf 50 bis 100 Millionen geschätzt. Auch Nico ist Fan: „Ich glaube, wir haben uns einfach gesehen gefühlt durch sie, durch ihre Musik, durch den Vibe.“ Bei Nico war 2018 das Jahr, das alles ins Rollen bringen sollte. „Ich war auf dem Geburtstag einer Freundin. Sie hatte so ein Kartenspiel, ein Quartett von BTS, wo die Gesichter drauf waren, aber keine Namen. Danach hatte ich richtig Bock, selber die Namen zu lernen, und dann hab‘ ich angefangen, mehr zu hören, und dann war’s eh schon vorbei.“
Gemeinschaft spielt eine große Rolle
Nico ist Tanzlehrer und trainiert regelmäßig vor der Pinakothek der Moderne in München. Dort übt er gerade seine Tanzschritte – die große Glasfront dient ihm und seinen Mittänzerinnen als Spiegel. Viele, die K-Pop hören, „sind so ein bisschen die Außenseiter in ihrem Leben gewesen“, sagt Nico. Aber K-Pop sei „eine sehr offene Community, da wird an sich jeder akzeptiert“.
BTS-Fans im Besonderen und K-Pop-Fans im Allgemeinen eint der Aspekt der Gemeinschaft, sagt auch Kara Atkin. „Die K-Pop-Community hält immer schon stark zusammen.“ Atkin hat das Buch „K-Pop. 100 Seiten“ geschrieben.
„ARMY“ schreibt US-Radiostationen an
In den Songs von BTS geht es ums Erwachsenwerden, um Selbstliebe und mentale Gesundheit. Und die Fans identifizieren sich mit diesen Themen, sagt BTS-Fan Sabrina: „Wenn man jetzt nur die Title-Tracks hört, die so im Radio laufen, dann sieht man vielleicht nicht, woraus die Fans ihren Comfort ziehen, aber wenn man so die B-Sides anhört oder die Lyrics liest, dann findet man auch schon Comfort drin.“ Und wenn man wie Sabrina erstmal jemanden gefunden habe, mit dem man sich identifiziert, sagt die Autorin Kara Atkin, „dann ist natürlich der Drive auch da, diese Gruppierung oder diese Person zu unterstützen“.
Genau das tut die „ARMY“. Sie übernimmt Aufgaben, die früher eigentlich Labels gemacht haben und entwickelt Strategien, um den Erfolg der Band weiter anzufeuern. Sie haben Radiosender in den USA angeschrieben, um ihnen klarzumachen, dass sie unbedingt BTS spielen müssen. Als Dank schickten sie dann Blumen in die Sender und brachten so BTS in die Billboard-Charts.
Wer heute Informationen zu den Konzerten etwa in München sucht, der findet alle wichtigen Informationen gebündelt auf Instagram-Kanälen, die der „ARMY“ zuzuordnen sind. Wie komme ich zum Konzert? Wie groß darf die Tasche sein, die man mitbringen darf? Wo und wann finden Fan-Events mit?
„ARMY“ engagiert sich auch zivilgesellschaftlich
Aber darüber hinaus engagieren sich die Mitglieder der „ARMY“ auch zivilgesellschaftlich. Sie organisieren Wohltätigkeitskampagnen, unterstützen soziale Projekte und positionieren sich politisch. Nach dem Tod von George Floyd spendeten Fans eine Million Dollar an die Black-Lives-Matter-Bewegung. 2020 riefen BTS-Anhänger gemeinsam mit anderen K-Pop-Fans auf TikTok dazu auf, Tickets für eine Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Tulsa, Oklahoma, zu reservieren und dann nicht hinzugehen. Der Plan ging scheinbar auf: Viele blaue Sitzschalen blieben leer.
Und natürlich hat es für die Fans der Band auch einen praktischen Nutzen, Teil der offiziellen „ARMY“ zu sein. Wer „ARMY“-Mitglied ist, konnte schon zwei Tage vor dem offiziellen Ticketvorverkauf für die beiden Konzerte in der Münchner Allianz Arena an einem Presale teilnehmen. Bedingungslose Liebe muss ja auch belohnt werden.

