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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Unicredit hat 44 Prozent an Commerzbank – Was passiert jetzt?
Wirtschaft

Unicredit hat 44 Prozent an Commerzbank – Was passiert jetzt?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 9. Juli 2026 08:48
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Es fehlt nicht mehr viel zur absoluten Mehrheit: 17,6 Prozent der Aktionäre der Commerzbank haben das Unicredit-Angebot inzwischen angenommen. Damit verfügen die Italiener über mehr als 44 Prozent der Stimmrechte. Darüber hinaus hat Unicredit Kaufoptionen für weitere Aktien, so dass sich der Anteil insgesamt auf 47,59 Prozent erhöht.

Inhaltsübersicht
Hat sich Commerzbank-Chefin Orlopp verschätzt?Wer die Macht hat, ist jetzt klar. Was fehlt, ist der KonsensFeindliche Übernahme erscheint wenig sinnvoll bei GroßbankenEx-Bundesbank-Chef Weidmann als Dealmaker?Übernahmeangebot von Unicredit wurde zur PunktlandungFolgen für Bayern: Was wird aus Unicredit-Tochter HypoVereinsbank?Und die Kunden?

Hat sich Commerzbank-Chefin Orlopp verschätzt?

In Bankkreisen gilt es als sicher, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp noch keine ernsthaften und konstruktiven Gespräche geführt haben über eine mögliche sinnvolle Verbindung beider Banken. Irgendwann werden beide Seiten miteinander reden müssen.

Eine endlose Hängepartie bei der Commerzbank mit einem Großaktionär, dem fast die Hälfte der Anteile gehören, wäre keine Lösung. Orlopp hat jedenfalls die Zahl der Aktionäre unterschätzt, die ihre Papiere in Anteile von Unicredit umgetauscht haben, weil sie ihre Zukunft eher in einer gemeinsamen Großbank mit den Italienern sehen.

Wer die Macht hat, ist jetzt klar. Was fehlt, ist der Konsens

Mit knapp der Hälfte aller Aktien-Stimmrechte kann Unicredit bei der Commerzbank jetzt Vorstand und Aufsichtsrat dominieren. Doch als erstes müssten Gespräche geführt werden, um einer freundlichen Übernahme eine Chance zu geben.

Bislang wurde das Verhalten von Unicredit-Chef Andrea Orcel von deutscher Seite eher als feindlich aufgefasst, auch von der Bundregierung, die immer noch 12 Prozent der Aktien hält und die Übernahme offen ablehnt. Die Commerzbank pocht in einer offiziellen Erklärung nun auf eine einvernehmliche Lösung „unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär“. Nur so sei es realistisch, Synergien in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen. heißt es bei der Commerzbank

Feindliche Übernahme erscheint wenig sinnvoll bei Großbanken

Das klingt wie ein Angebot der Commerzbank für Verhandlungen, die bisher in mehr als zwei Jahren nicht stattfanden. Wird Vorstands-Chefin Orlopp tatsächlich das Gespräch mit Orcel in Mailand suchen oder bleibt es bei solchen Verlautbarungen? Beide sehen sich spätestens am 6. August in Frankfurt: Wenn die Commerzbank ihre Quartalszahlen vorlegt, spricht sie üblicherweise auch mit Investoren, und zu denen zählt Unicredit ja an erster Stelle.

Ex-Bundesbank-Chef Weidmann als Dealmaker?

Der frühere Bundesbankpräsident und Aufsichtsratschef der Commerzbank, Jens Weidmann, sagte mit Blick auf das Geschäft der Bank bleibe es „essentiell, Stabilität und Verlässlichkeit zu wahren“. Auch Weidmann betonte die Verantwortung von Aufsichtsrat und Vorstand, die Unicredit mit einfacher Mehrheit auf einer Aktionärsversammlung jetzt absetzen könnte. Ein derart hartes Vorgehen zeichnet sich vorerst aber nicht ab, schon weil Unicredit die Commerzbank noch nicht, sondern eher erst in zwei Jahren übernehmen will.

Übernahmeangebot von Unicredit wurde zur Punktlandung

Immerhin scheint dem früheren Investmentbanker Orcel in finanzieller Hinsicht einiges zu gelingen. Unicredit hatte das Übernahmeangebot für die übrigen Aktionäre der Commerzbank zum Tausch ihrer Anteile verlängert. Das reicht, um auf Aktionärsversammlungen wie der Jahreshauptversammlung eine absolute Stimmenmehrheit zu erreichen, weil dort längst nicht alle Aktionäre anwesend sind, um über den Aufsichtsrat und die Arbeit des Vorstands abzustimmen.

Folgen für Bayern: Was wird aus Unicredit-Tochter HypoVereinsbank?

Neben den Arbeitsplätzen bei der Commerzbank, von denen viele im Vorfeld der möglichen Fusion bereits abgebaut wurden, wäre auch die deutsche Unicredit-Tochter HypoVereinsbank betroffen. Die wurde von Unicredit bereits stark geschrumpft und könnte bei einer Zusammenlegung des Deutschlandgeschäfts mit der Commerzbank eine wichtige Rolle übernehmen. Auf die konkreten Pläne ist man vor allem in Bayern gespannt.

Und die Kunden?

Für private Verbraucher und Verbraucherinnen geht es zum einen um die Schließung von Standorten. Aber auch Umstellungen von Computersystemen und Finanzprodukten sind gut denkbar. Das kann einen Wechsel der IBAN und anderer Kontodaten bedeuten oder eine neue Internet-Oberfläche fürs Online-Banking mit einer anderen Smartphone-App.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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