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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Faschismus ist keine Meinung“: Buch von Ilko-Sascha Kowalczuk
Kultur

„Faschismus ist keine Meinung“: Buch von Ilko-Sascha Kowalczuk

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. Juli 2026 15:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Das beständige Gemecker geht ihm schwer auf die Nerven. Gewiss, so Ilko-Sascha Kowalczuk, stehe Deutschland derzeit vor großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Es gebe aber keinen Grund, permanent alles in Grund und Boden zu reden; und dreist zu behaupten: Wir lebten in einer Diktatur. Vielmehr sei es entscheidend, sich bewusst zu machen, was wir haben: „Dass wir in einem der politisch stabilsten, der sichersten, der wirtschaftlich stärksten Länder leben. Das bringt auch Selbstbewusstsein: sich klarzumachen, was auf dem Spiel steht, was man verlieren kann.“

Inhaltsübersicht
Ein diskussions- und merklich streitfreudiger ZeitbeobachterAnalyse, Beobachtung, Gedanken

Ilko-Sascha Kowalczuk wird grundsätzlich, stellt zehn entsprechende Leitsätze an den Anfang des neuen Buches „Faschismus ist keine Meinung“. Es schließt vielfach an den Essay „Freiheitsschock“, aus dem Jahr 2024 an. Es geht um Gründe für das, was der Historiker einen „Verrat an der Freiheit“ nennt, also etwa für die Wahl einer zu Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei in Deutschland.

Ein diskussions- und merklich streitfreudiger Zeitbeobachter

Ebenso geht es um den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen. „Putin erfüllt alle Kategorien eines Faschisten. Wir sehen in Russland heute eine faschistische Diktatur. Die wird oft in Deutschland so nicht genannt. In vielen anderen Ländern ist das eine Selbstverständlichkeit, dass man das beim Namen nennt. Insofern geht es vor diesem Hintergrund tatsächlich auch um unsere Freiheit, um unsere Sicherheit.“

Ilko-Sascha Kowalczuk, Jahrgang 67, schreibt als Historiker, ebenso als diskussions- und merklich streitfreudiger Zeitbeobachter. Und er schreibt aus der biographischen Perspektive: Als Jugendlicher – in der DDR – begehrte er auf gegen das politische System und auch gegen ein linientreues Elternhaus, nahm Konsequenzen wie die Verweigerung von Abitur und Studium in Kauf. Seitdem kämpft er für die Freiheit. Oder wie er das – mit Berliner Schnauze – sagt: „Er fightet.“

Im Anhang des neuen Buches gibt es – als Kopie – das Typoskript eines Aufrufs zur Gründung einer Memorial-Organisation, vom 5. November 1989. Sie sollte, wie das Vorbild in der Sowjetunion, an die Opfer der kommunistischen Diktatur erinnern. „Nach so einem Epochenumbruch haben aktive 89er nicht das Recht, politisch noch einmal pessimistisch zu sein. Weil das Unvorstellbare passierte. Und jetzt ist fast so ein bisschen das Unvorstellbare geworden, dass wir Freiheit und Demokratie retten können, verteidigen können. Weil es das Wichtigste ist, was wir uns selber schenken und geben können.“

Analyse, Beobachtung, Gedanken

Das Buch – entstanden aus einer Rede im vergangenen Jahr im Thüringer Landtag – trägt den Untertitel „Stabil bleiben in autoritären Zeiten“. Es will auch Ermutigung sein, im Sinne des berühmten Gedichts von Wolf Biermann, für Kowalczuk ein Leitstern: „Lass dich nicht verhärten.“ Es ist aber keine konkrete Handlungsanweisung, abgesehen vom imaginären Leitsatz: „Seid optimistisch, Leute!“ Denn man könne beobachten, „was die meisten Feinde der offenen Gesellschaft haben: schlechte Laune! Und dieser schlechten Laune kann man auch mit guter Laune, mit Gemeinsinn begegnen“.

Zwischen Analyse, Beobachtung, Gedanken zur auffälligen Verharmlosung der DDR und auch polemischer Einmischung wird spürbar: Die Sorge um die Freiheit ist groß. Das mag auch die Verve erklären, mit der Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt. Eben: Er fightet. Hier einmal mehr.

 

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Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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