2020 trat Barbara Mundel ihre Intendanz an den Münchner Kammerspielen an. Über fünf Jahre lief ihr Vertrag ursprünglich, der dann um drei weitere Jahre – bis 2028 – verlängert wurde. Knapp zwei Spielzeiten ihrer Intendanz konnte Mundel wegen der Corona-Pandemie allerdings nur ein stark reduziertes Programm machen. Verlorene Zeit. Deshalb hat Mundel ihre Bereitschaft signalisiert, noch bis 2030 weitermachen.
Doch die Stadt München hat ihre Stelle nun ab der Spielzeit 2028/29 neu ausgeschrieben – und das zu einem Zeitpunkt, da es eigentlich gute Argumente gibt, mit Mundel ein weiteres Mal zu verlängern: Nach holprigen Anfangsjahren läuft es künstlerisch mittlerweile wieder rund an den Kammerspielen, was unter anderem auch an zwei Einladungen zum Berliner Theatertreffen 2026 abzulesen ist.
Parallelen zu Matthias Lilienthal
Die Situation erinnert an den Fall von Mundels Vorgänger Matthias Lilienthal. Bei dem lief es anfangs ähnlich zäh. Als nach der Hälfte seiner Vertragszeit klar war, dass eine Stadtratsmehrheit gegen eine Verlängerung stimmen würde, kam Lilienthal seiner Demontage zuvor und erklärte von sich aus: Er stünde für weitere Jahre nicht zur Verfügung. Nach der Entscheidung hat das Haus dann aber derart Fahrt aufgenommen, dass die Stadt sich die Frage gefallen lassen musste, wieso sie den Erfolgsintendanten vergrault hatte? Nun scheint München drauf und dran, diesen Fehler zu wiederholen.
Grundsätzlich spricht zwar nichts dagegen, die Intendanz zu wechseln, denn künstlerische Arbeit braucht immer wieder neue Impulse. Auch eine frühzeitige Suche ist sinnvoll – insbesondere für einen solch renommierten Posten. Mit einer neuen Intendanz ändert sich meist auch die künstlerische und inhaltliche Ausrichtung. Längere Planungsvorläufe sind da zwingend erforderlich.
Ein Intendanzwechsel kostet Geld
Seltsam ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass Barbara Mundel dem Vernehmen nach nicht darüber informiert wurde, dass ihre Stelle ausgeschrieben wird. Noch seltsamer, dass die Ausschreibung nur auf dem Portal der privaten Beratungsfirma „Kulturexperten“ zu finden ist, nicht aber auf der stadteigenen Homepage Münchens. Die Bewerbungsfrist läuft Ende Juli ab. Auch das ist merkwürdig: Die Leitung einer der bedeutendsten Bühnen Deutschlands wird gesucht in einer Zeit, da fast ganz Theaterdeutschland in der Sommerpause ist.
Zumal ein Intendanzwechsel natürlich auch Geld kostet. Schätzungen gehen davon aus, dass sich viele kleine Neuerungen, die mit so einer Veränderung einhergehen, zu einem Betrag um rund eine Million Euro summieren könnten. Viel Geld in Zeiten klammer Kassen. Verantwortlich für die Vergabe einer der deutschlandweit renommiertesten Theater-Stellen sind für die Verwaltung Kulturreferent Marek Wiechers und für die Politik Kulturbürgermeisterin Mona Fuchs von den Grünen.
Es scheint noch reichlich Klärungsbedarf zu geben
Mit Mundel gesprochen hat offenbar niemand. Auf ihre Anfrage zu dem Vorgang im Kulturreferat wurde ihr erklärt, dass es im Stadtrat keine politische Mehrheit für sie gebe. Einzelne Mitglieder des Münchner Stadtrats allerdings zeigten sich im Hintergrundgespräch mit dem BR verwundert: Sie wüssten nichts von einer mehrheitlich ablehnenden Haltung im Gremium gegenüber Barbara Mundel.
Das Kulturreferat erklärt in einer Stellungnahme an den BR jedoch, dass Kulturreferent Wiechers und die jetzige Intendantin Mundel in regelmäßigem Austausch stehen und dass es hierbei zu keinem Zeitpunkt ein Signal gegeben habe, „dass eine Verlängerung der Intendanz über das Vertragsende und den Ruhestandseintritt hinaus in Betracht gezogen wird“. Auch die Bereitstellung der Mittel für den Intendanzwechsel hätten „die Kammerspiele gemeinsam mit dem Kulturreferat bereits im Februar im Kulturausschuss bekannt gegeben“. Der Stadtrat habe dem „mehrheitlich zugestimmt“. Auch sei die jetzige Intendantin „in all diese Vorgänge maßgeblich eingebunden“ gewesen. Es scheint also noch reichlich Klärungsbedarf zu geben.

