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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Vorbild Österreich: Bayerns Museen sollen publikumsnäher werden
Kultur

Vorbild Österreich: Bayerns Museen sollen publikumsnäher werden

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 14. Juli 2026 13:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Da werden 227 Jahre Tradition zu Ende gehen. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen stehen vor einer völligen Neuorganisation, wenn es nach dem Willen von Kunstminister Markus Blume geht. Er will die staatlichen bayerischen Museen „in die Freiheit entlassen“, ihnen also deutlich mehr Eigenverantwortung und Autonomie geben. Sie sollen sich verstärkt um die Erhöhung ihrer Eigeneinnahmen kümmern und sich flexibler und schneller den Publikumserwartungen anpassen können.

Inhaltsübersicht
„Mehr Freiheitgrade, mehr Begeisterung“„Österreich hat gezeigt, wie es geht“„Noch mehr Spaß als bisher“

Bisher würden die Kunstschätze im staatlichen Eigentum oft „unter Wert verkauft“, so der Minister. Deshalb sollen kleinere Museen organisatorisch so zusammengefasst werden, dass sie gemeinsam eine Marketingstrategie entwickeln und sich um ihren Auftritt in den sozialen Medien kümmern können. Eine Reformkommission habe diesbezüglich „jeden Stein umgedreht“, so Markus Blume, und ihm in einem „Weißbuch“ Vorschläge zur Neuordnung gemacht.

„Mehr Freiheitgrade, mehr Begeisterung“

„Die Botschaft ist, wir entlassen unsere Museen in die Freiheit, nicht in die völlige Unabhängigkeit“, so der Minister: „Sie sind uns nicht egal, sondern ganz im Gegenteil, wir wollen dort neue Kräfte mobilisieren. Das geht nicht so sehr im staatlichen Behörden-Dasein, wie das aktuell der Fall ist im Bereich der 18 Kunstmuseen, sondern das wird möglich werden in einer neuen Struktur, in einem starken Verbund der Bayerischen Staatsmuseen, wie sie dann dereinst heißen sollen, und mit mehr Freiheitsgraden, mit mehr Begeisterung, mit mehr wirtschaftlicher Tragfähigkeit auch, als das heute der Fall ist.“

Kein Museum werde abgewickelt, einige sollen aber neue Räumlichkeiten beziehen. Insgesamt haben die staatlichen Häuser derzeit knapp 1.000 Vollzeitstellen zu besetzen, die erhalten bleiben sollen. Allerdings würden über längere Zeiträume neue Mitarbeiter auch neue Aufgaben übernehmen, etwa im Einwerben von Sponsorengeldern oder im Marketing. Nicht der Personalabbau sei das Ziel, sondern die „Optimierung von Prozessen“, womit in erster Linie eine moderne Publikumsansprache gemeint ist.

Markus Blume verweist darauf, dass die bayerischen staatlichen Museen bisher nur etwa 10 Prozent ihres Budgets selbst erwirtschaften, während zum Beispiel die Dresdner Kunstsammlungen 2024 auf 24 Prozent Eigenmittel kamen und die Bundesmuseen in Wien sogar auf 56 Prozent.

„Österreich hat gezeigt, wie es geht“

Markus Blume: „Das wird uns am Anfang auch etwas mehr kosten, gar keine Frage, denn die Museen sind nicht überfinanziert, aber es wird sich doppelt und dreifach auszahlen durch mehr Besucher, durch mehr Einnahmen, durch mehr Fundraising. Andere in der Welt machen es ja vor, und wir müssen gar nicht so weit schauen. Österreich hat gezeigt, wie es geht, hat seine Museen in die Freiheit entlassen und der Eigenfinanzierungsanteil dort liegt zum Teil über 50 Prozent. Davon sind wir ehrlicherweise noch sehr, sehr weit entfernt.“

Blume rechnet mit Mehrkosten von rund fünf Millionen Euro. Dabei soll die übergeordnete Verwaltung personell sehr schlank aufgestellt werden. In welchen zehn Teilverbänden die staatlichen Museen an den bisher 32 Standorten zusammengefasst werden, will Markus Blume zunächst dem Kunstausschuss des Bayerischen Landtags erläutern.

„Noch mehr Spaß als bisher“

Ziel der „Großreform“ sei es, dass die Sammlungsobjekte „noch mehr Spaß machen dürfen als bisher“, was auch als Kritik an der ein oder anderen Besucherstatistik gewertet werden kann, wenngleich der Publikumszuspruch insgesamt groß sei. Die Kultur sei nach der Pandemie-Delle „jedenfalls voll zurück“, so Blume.

Er hatte sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt sehr beeindruckt gezeigt vom Unternehmergeist amerikanischer Museen, die nicht nur private Geldgeber bei Laune halten, sondern sich auch regelmäßig mit Events in den Schlagzeilen halten. Das Potenzial mancher staatlichen Sammlung sei „nicht ausgeschöpft“, heißt es, deshalb müssten die betroffenen Häuser sichtbarer werden, teils auch durch attraktivere, belebtere Standorte.

Auf jeden Fall wird die neue Strategie Zeit kosten. Museen neigen nicht zu plötzlichen Wendungen, schon gar nicht die ruhmreichen Staatsgemäldesammlungen, die 1799 als „Centralgemäldegaleriedirektion“ gegründet wurden – ein Titel, der rückblickend nicht gerade nach schnellen Entschlüssen und quirligem Ideenreichtum klingt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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