Rauchen verursacht hohe gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden. Deshalb plant die Bundesregierung, die Tabaksteuer in vier Schritten zwischen 2027 und 2030 anzuheben. Der Preis für eine Packung Zigaretten könnte dadurch nach Regierungsplänen von rund neun Euro auf knapp zwölf Euro steigen.
Geht die Rechnung der Bundesregierung auf? Darüber haben wir mit der BR-Korrespondentin Kirsten Girschick live in Berlin und Suchtforscherin Andrea Rabenstein (externer Link) von der Tabakambulanz des Klinikums der LMU in München gesprochen. Das Video zum Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Vergangenes Jahr hat der Staat rund 17,6 Milliarden Euro mit der Tabaksteuer eingenommen. Dem stehen laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) jedoch jährliche gesellschaftliche Kosten von rund 97,2 Milliarden Euro gegenüber. Darin enthalten sind unter anderem Behandlungskosten, Pflege, Produktivitätsverluste und Kosten durch vorzeitige Todesfälle.
Höhere Preise halten vor allem junge Menschen vom Rauchen ab
Aus Sicht der Medizin sprechen viele Argumente für höhere Tabakpreise. Professorin Andrea Rabenstein, Leiterin der Tabakambulanz am LMU Klinikum München, bezeichnet die Tabaksteuer als das wirksamste Instrument der Tabakprävention. Bei langjährigen Raucherinnen und Rauchern sei der Effekt allerdings begrenzt. Anders sehe es bei Jugendlichen und Gelegenheitsrauchern aus. „Jugendliche fangen möglicherweise gar nicht erst an, weil es einfach zu teuer und unattraktiver wird“, so Rabenstein.
Es komme auf die Höhe an
Auch Professor Martin Halle, Leiter der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie an der TU München, sieht höhere Preise grundsätzlich als sinnvolles Instrument. Entscheidend sei allerdings die Höhe der Steuer. „Eine kleine Steuererhöhung verändert das Verhalten kaum. Wenn sie aber deutlich ausfällt, machen sich Menschen schon Gedanken.“
Tabakindustrie warnt vor Schmuggel und Schwarzmarkt
Anders bewertet die Tabakindustrie die Pläne. Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse, befürchtet, dass Raucher künftig verstärkt auf geschmuggelte oder im Ausland gekaufte Zigaretten ausweichen. Die erwarteten Mehreinnahmen des Bundes hält der Verband deshalb für nicht ausreichend.
Deutschland liegt bei der Tabakkontrolle nur im Mittelfeld
Im europäischen Vergleich gilt Deutschland seit Jahren nicht als Vorreiter der Tabakprävention. Die aktuelle Tobacco Control Scale 2025 sieht Länder wie Irland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande deutlich vor Deutschland. Bewertet werden unter anderem Tabakpreise, Werbeverbote, Rauchverbote sowie Angebote zur Rauchentwöhnung.
Nach Ansicht von Sportmediziner Martin Halle reicht deshalb eine Steuererhöhung allein nicht aus. „Eine Steuererhöhung muss mit Werbeverboten und strukturierten Präventionsmaßnahmen verbunden sein.“ Auch Medizinerin Rabenstein fordert einen umfassenderen Ansatz. Nicht nur klassische Zigaretten, sondern sämtliche Nikotinprodukte müssten stärker reguliert werden. Gleichzeitig brauche es mehr Aufklärung und Angebote zum Rauchstopp.
Mehr als nur eine Finanzfrage
Wie hoch die zu erwartenden Einnahmen aus der Tabaksteuer am Ende tatsächlich ausfallen werden, lässt sich derzeit nur grob einschätzen. Einigkeit besteht jedoch in einem Punkt: Rauchen bleibt einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für schwere Erkrankungen.
Gesundheitsexperten sehen die geplante Steuer deshalb als einen Baustein einer erfolgreichen Tabakkontrolle, allerdings nur dann, wenn sie von Prävention, Aufklärung und einer konsequenten Regulierung weiterer Nikotinprodukte begleitet wird.

