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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Ist das noch kreativ? Der Erfolg von KI-Bands
Kultur

Ist das noch kreativ? Der Erfolg von KI-Bands

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 18. Juli 2026 15:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Wir verwässern Gottes Wort nicht, wir verbreiten es.“ Das ist das Motto der Band „Shunned at a Funeral“. So steht es in der Bandbeschreibung auf dem offiziellen Youtube-Kanal der Band. Auf dem Bandfoto blicken einen drei Frauen ernst an. Rund 250.000 Abonnenten hat die christliche Rockband dort.

Inhaltsübersicht
Wie kritisch sieht das Publikum KI?Wo fängt Kreativität an?Ein Label nur für KI-Künstler

Von Musikvideos über Livetracks bis hin zu Videos, die die Band im Studio zeigen, findet man auf der Homepage alles, was zum üblichen Portfolio gehört. Nur: „Shunned at a Funeral“ gibt es eigentlich nicht. Oder besser gesagt: Sie sind keine Band aus Fleisch und Blut. Wer will, kann das erkennen: Die Musikvideos sehen häufig stark nach Computerspiel aus. Im Video zum Song „Twirl“ spazieren die Bandmitglieder mit einem kleinen Mädchen durch eine weichgezeichnete Natur. Das Licht, die Schatten alles ist stimmungsvoll und perfekt gesetzt – ein bisschen zu perfekt vielleicht.

Wie kritisch sieht das Publikum KI?

Und auch der enorme musikalische Output von sieben Alben 2025 und drei Alben 2026 lässt auf KI-Unterstützung schließen. Wie stark die ist? Schwer zu sagen. Auf der Website der Band wird lediglich darauf verwiesen, dass moderne Hilfsmittel im Rahmen des kreativen Prozesses verwendet würden, das Herz des Projekts jedoch menschlich sei.

Auf Spotify haben die Songs teilweise mehrere Hunderttausend Abrufe, die meisten Kommentare unter den Musikvideos sind positiv. Entweder merken die Hörerinnen und Hörer nicht, dass hinter „Shunned at Funeral“ eine KI steht, oder es ist ihnen schlicht egal. Und das sei nicht ungewöhnlich, sagt Ali Nikrang. Er ist Professor für Künstliche Intelligenz und Musikalische Kreation an der Musikhochschule in München. Zwar würden Produkte, die komplett KI-generiert sind, kritisch rezipiert. Stehe hinter dem KI-Einsatz aber ein künstlerisches von einem Menschen erdachtes Konzept, „dann schätzen sie wieder die Ergebnisse ganz normal wie in normalen Kunstwerken“.

Wo fängt Kreativität an?

Einen Prompt in ein KI-Tool zu hacken und das Ergebnis dann auf Spotify zu stellen, sei zwar noch kein kreativer Akt, sagt Nikrang, aber: „Wenn man eine ganze Band macht, wo alle Figuren virtuell sind und versucht zu fragen, wie kommt es beim Publikum an, dann würde ich sagen, okay, da ist etwas Neues dabei, das ist eine kreative Auseinandersetzung mit der KI.“

Die Frage, was beim Publikum gut ankommt, hat sich auch Daniel Troha gestellt, als er sich eine Vita für seinen KI-Künstler Kai Nøir überlegt hat. Er habe sich dann für einen jungen skandinavischen Producer entschieden. „So ein junger Kerl, der halt gerne im Studio sitzt und an irgendwelchen analogen Geräten schraubt. Der macht halt so minimal Tech-House-Musik, das war meine Idee.“

Ein Label nur für KI-Künstler

Als Musikproduzent hat Daniel Troha Musik mit Sarah Connor oder den No Angels Songs produziert. Sein KI-Künstler Kai Nøir veröffentlicht seine Musik auf Smopp-Records, einem Label nur für KI-Künstler, dessen Geschäftsführer Troha ist: „Wir machen eigentlich genau das, was die anderen Labels auch machen, nur halt, dass wir die Plattform bieten eben für KI-produzierte oder generierte Musik.“

Das Label betreibe ganz klassischen Künstleraufbau und versucht so die eigenen Künstler auf dem Markt zu etablieren – sprich: auf Spotify sichtbar zu machen. Als Musiker kann Troha zwar die Kritik am Einsatz von KI nachvollziehen. Aber: „Ich finde es toll, dass eben durch diese Tools Menschen ihre Art von Kreativität umsetzen können, die möglicherweise kein Instrument spielen können oder die vielleicht sich nicht ein Tonstudio leisten können oder eben halt das Geld für Sänger oder Musiker haben.“

Das KI-Tool als Hilfsmittel, um künstlerische Ideen zu verwirklichen. So sieht es Daniel Troha. Dass KI-Künstler echte Künstler obsolet machen, glaubt er indes nicht. „Ich denke, das sind Parallelwelten, die eine Koexistenz finden werden.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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