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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Neue Vorwürfe nach Pavian-Tötung im Nürnberger Tiergarten
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Neue Vorwürfe nach Pavian-Tötung im Nürnberger Tiergarten

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 23. Juli 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Vor knapp einem Jahr sind im Nürnberger Tiergarten zwölf Guinea-Paviane getötet worden, weil deren Gehege überfüllt war und die Verantwortlichen keine Möglichkeit sahen, die Tiere an geeignete Stellen abzugeben. Die Tötung löste eine aufgeladene Debatte aus, die bis heute anhält.

Inhaltsübersicht
Knapp 800 Strafanzeigen gegen den Tiergarten anhängigVerein Pro Wildlife kritisiert „verantwortungslose Zucht“ weiterInzucht statt Artenschutz – schwere VorwürfeWarum starben so viele Jungtiere?Pavian-Anlage wieder überfülltProtestaktionen und Morddrohungen gegen Tiergarten-Mitarbeiter

Knapp 800 Strafanzeigen gegen den Tiergarten anhängig

Gegen den Tiergarten liegen bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth knapp 800 Strafanzeigen vor. „Die Ermittlungen dauern unverändert an“, sagt Sprecherin Heike Klotzbücher. Die grundsätzliche Frage ist noch nicht geklärt: Hat der Tiergarten gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, indem er gesunde Affen tötete, wie Tierrechtsorganisationen kritisieren? Oder blieb den Verantwortlichen nichts anderes übrig, weil in dem überfüllten Gehege keine tierschutzkonforme Haltung, aber auch keine geeignete Abgabe möglich war? Noch ist offen, ob es zu einem Prozess kommen wird. 

Verein Pro Wildlife kritisiert „verantwortungslose Zucht“ weiter

Strafanzeige stellte damals auch die Tierschutz-Organisation Pro Wildlife. Das Nürnberger Verfahren habe weitreichende Bedeutung über den Einzelfall hinaus: „Da geht es um die ethische Frage unseres Tierschutzes – wird er ausgehebelt oder nicht?“, so Pro-Wildlife-Zooexpertin Laura Zodrow.

Das deutsche Tierschutzgesetz besagt, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Als vernünftige Gründe gelten etwa das Schlachten von Nutztieren, Jagd, Fischerei, die Tierseuchenbekämpfung und das Erlösen eines leidenden Tiers.

Inzucht statt Artenschutz – schwere Vorwürfe

Kurz vor dem Jahrestag der Pavian-Tötung hat der Verein nochmals seine Kritikpunkte am Nürnberger Tiergarten mitgeteilt: Der Verein wirft dem Tiergarten vor, trotz Platzmangel weiter Tiere zu züchten – und dabei Inzucht bei den Pavianen in Kauf zu nehmen.

Die Überprüfung der Bestandsdaten durch Pro Wildlife hätte ergeben: Der Tiergarten habe seit 35 Jahren „kein einziges Tier aus einer anderen Haltung aufgenommen und seit zehn Jahren kein Tier abgegeben. Eine so lange isolierte Gruppe trägt ein hohes Inzuchtrisiko – mit möglichen Folgen von Erbkrankheiten bis zu erhöhter Jungtiersterblichkeit.“

Auf Nachfrage des BR widerspricht der Tiergarten und schreibt in einer Mitteilung, es gebe in der aktuellen Gruppe keine Hinweise auf Erbkrankheiten oder Inzuchtprobleme. Weiter heißt es, die Guinea-Paviane stammen aus dem Genpool wild gefangener Tiere aus den 1940er-Jahren. Externe, nicht verwandte Tiere seien in der Vergangenheit zwar integriert worden, hätten aber nicht zu Nachzuchten geführt. Verpaarungen innerhalb der Pavian-Gruppe würden dem Tiergarten zufolge nicht gesteuert, weil im Sozialsystem der Guinea-Paviane die Vaterschaft eines Jungtiers nicht ersichtlich sei.

Warum starben so viele Jungtiere?

Die Kritik von Pro Wildlife zielt auch auf neun Guinea-Pavianbaby ab, die seit Juli 2025 im Tiergarten zur Welt gekommen sind. Von ihnen seien sieben gestorben. Diese Zahl sei alarmierend hoch, so Daniela Freyer, Biologin und Mitbegründerin von Pro Wildlife. Sie verweist diesbezüglich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen. Laut denen liege die Sterblichkeit bei Jungtieren in freier Wildbahn bei 20 Prozent, in Nürnberg seien fast 80 Prozent gestorben. Der Tiergarten führt als Ursachen Gründe wie Totgeburten, Lebensschwäche, ein „stumpfes Trauma“ und mangelnde Milchversorgung an. Mehrere Jungtiere seien von anderen Pavianen den Müttern weggenommen worden. Tote Jungtiere würden oft tagelang herumgetragen, sodass pathologische Untersuchungen meist kaum möglich seien.

Pavian-Anlage wieder überfüllt

31 Paviane leben laut dem Tiergarten derzeit in der Anlage – und damit mehr als vorgesehen. Tötungen sind zurzeit aber kein Thema: „Aktuell besteht kein dringender Handlungsbedarf, weil die Sozialstruktur innerhalb der Gruppe intakt ist. Gleichwohl versuchen wir stets (…), Guinea-Paviane an geeignete Einrichtungen zu vermitteln, um einer Überpopulation vorzubeugen“, heißt es vom Tiergarten.

Protestaktionen und Morddrohungen gegen Tiergarten-Mitarbeiter

Damals protestierten über Wochen Tierrechts- und Tierschutzorganisation gegen die Entscheidung, die Paviane zu töten. Aktivistinnen und Aktivisten ketteten sich unter anderem an dem Affengehege fest, drangen auf das Gelände des geschlossenen Tiergartens ein und errichteten zeitweise ein Protestcamp. Gegen die Beschäftigten des Zoos gab es Hasskommentare und Morddrohungen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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