Auch wenn es thematisch gepasst hätte: Bei der Grundsteinlegung zu Europas größter Pulverfabrik verzichtete Rheinmetall auf Böllerschützen und beschränkte sich auf eine Blaskapelle. Die empfing viel Politprominenz, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Die Vertreter der Staatsregierung betonten, dass Bayern in den kommenden Jahren seine Rolle als führender Rüstungsstandort ausbauen wolle. Dazu gehöre neben neuen Technologien wie Drohnen auch die klassische Verteidigungsindustrie mit Unternehmen wie KNDS Deutschland, Diehl oder eben Rheinmetall.
Dies schaffe nicht nur Jobs in den Metropolregionen, sondern auch in der Fläche, wie eben in Aschau am Inn, so Söder. Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte, von der Erweiterung des bestehenden Werkes profitiere die ganze Region: Sein Unternehmen investiere 500 Millionen Euro und beschäftige direkt 1.400 Menschen. Darüber hinaus habe man in Bayern 2.000 Unternehmen in der Lieferkette. Dort sorge man für drei- bis viermal so viele Arbeitsplätze wie in der eigenen Fabrik.
Werk in Aschau am Inn soll Europa souveräner machen
In dem neuen Werk in Aschau am Inn soll die Produktion bereits im kommenden Jahr anlaufen. Binnen kurzer Zeit will Rheinmetall die heutigen Kapazitäten mehr als verdoppeln. Damit reagiert das Unternehmen auf den Bedarf der Bundeswehr und anderer westlicher Streitkräfte. Diese klagen über einen eklatanten Mangel an Artilleriemunition. Dazu kommt eine globale und damit angreifbare Lieferkette.
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nach Einschätzung vieler Experten aufgedeckt, dass Europa zum Beispiel bei der Produktion von großkalibrigen Geschossen lange nicht souverän war. Wesentliche Grundstoffe und Vorprodukte wurden aus Ländern wie Indien, Vietnam und sogar China importiert. Seither bemühen sich mehrere europäische Staaten darum, ihre heimische Munitionsproduktion wieder hochzufahren. Die massiv erweiterte Fabrik in Aschau am Inn gilt als wichtiger Baustein.
Südost-Bayern als Pulverkammer der Bundeswehr
Das Pulverwerk in Aschau ist aber bei weitem nicht der einzige Munitionsspezialist im Freistaat. Der Südosten Bayerns ist seit vielen Jahrzehnten ein Zentrum für militärisch genutzte Chemie-Produkte. Im sogenannten Chemiedreieck arbeiten zahlreiche Unternehmen an Material, das für die Produktion von Raketen oder Munition benötigt wird.
Ebenfalls in Aschau am Inn ist zum Beispiel eine Tochter des Taurus-Herstellers MBDA Deutschland beheimatet, die unter dem unscheinbaren Namen Bayernchemie als „Gesellschaft für flugchemische Antriebe“ die Treibstoffe entwickelt und produziert, die etwa Meteor-Raketen antreiben, eine Standardbewaffnung des Eurofighter. Die Alzchem-Gruppe aus Trostberg wiederum ist im Bereich Munitionssprengstoffe tätig. Das Unternehmen gilt als Technologieführer bei einigen einschlägigen Spezialchemikalien. Zuletzt hat der tschechische Rüstungskonzern CSG seine Beteiligung an Alzchem auf rund 20 Prozent aufgestockt.
Rheinmetall will Präsenz in Bayern ausbauen
Für die Zukunft kündigte Rheinmetall-Chef Papperger weitere Investitionen in Bayern an. Unter anderem sollen Kompetenzzentren für Satelliten- und Digitaltechnik im Großraum München entstehen. Details will das Unternehmen im Herbst vorstellen. Zuletzt hatte der Konzern im schwäbischen Landkreis Dillingen für Aufsehen gesorgt. Dort will das Unternehmen in der Gemeinde Zusamaltheim eine große, privat betriebe Anlage zur Vernichtung von Altmunition bauen und betreiben. So fallen in der Massenproduktion von Munition auch immer wieder fehlerhafte Geschosse an, die sicher und fachgerecht zerstört werden müssen. Denkbar ist nach Firmenangaben auch, Munitionsfunde und nicht explodierte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg zu entsorgen.
Im Video: Grundsteinlegung in Aschau

