Die Geschichte hinter der Serie „Lucky“ beginnt in einem Lesekreis. In „Reese’s Bookclub“, den die Schauspielerin Reese Witherspoon seit vielen Jahren betreibt. Denn „Lucky“ basiert auf einem gleichnamigen Roman, den Witherspoon vor vielen Jahren in ihrem Buchclub empfohlen hat. Und der – weil Witherspoon mit ihrer Produktionsfirma „Hello Sunshine“ ein Drehbuch draus gemacht hat – nun als siebenteilige Serie beim Streaming-Dienstleister Apple TV erscheint.
Buchclubs: Eine Idee mit Potenzial
„Lesekreis“: Das klingt zugegeben etwas angestaubt. Aber eigentlich hätte die Idee Potenzial: Eine Gruppe von Menschen trifft sich in der analogen Welt. Tauscht Bücher aus und – Achtung – spricht darüber. Es geht nicht darum, ein Produkt zu verkaufen, sondern um den sozialen Austausch. Vergemeinschaftung pur, ein Akt gegen Profitmaximierung und Kommerzialisierung, die die Gesellschaft sonst durchdringen. Die Apple-Serie „Lucky“ entkernt diese Idee jedoch. Und zeigt darüber hinaus, wie man so einen Lesekreis kommerzialisieren kann.
Darum geht es in der Serie „Lucky“
„Lucky“ erzählt die Geschichte der Trickbetrügerin Lucky Armstrong, gespielt von Hollywood-Shootingstar Anya Taylor-Joy. Die Handlung beginnt nach einem erfolgreichen Millionencoup. Lucky und ihr Gangster-Partner Cary feiern den gemeinsamen Erfolg in Las Vegas. Aber nach einer durchzechten Nacht ist Cary plötzlich mit dem Geld verschwunden – und das FBI steht vor der Hoteltürzimmer der Betrügerin. Apple TV verspricht mit „Lucky“ einen Sommerblockbuster: Hochglanzbilder, rasante Action garniert mit einem prominenten Cast – neben Anya Taylor-Joy sind auch Timothy Olyphant und William Fichtner zu sehen.
Hochglanzbilder ohne gutes Drehbuch
Aber die Romanadaption geht schief. „Lucky“ will mit Hochglanzbildern bestechen, doch verliert sich in zusammenhangsloser Action und einem platten Drehbuch. Dabei wäre mehr gegangen. Gangster-Storys sind schließlich oft ein Ventil für Gesellschaftskritik. Nehmen wir zum Beispiel „Haus des Geldes“ bei Netflix. Hier geht es um eine Bande, die in die staatliche Banknotendruckerei einbricht, um sich ihr eigenes Geld zu drucken. Die Kritik der Serie, ausgesprochen durch den Anführer, „El Professor“, richtet sich direkt an die Banken und den Staat – hier die eigentlichen Verbrecher. Während der Finanzkrise, so die Kritik, hätten sie Steuermittel verschwendet, um die Banken zu retten, wodurch die Bevölkerung verarmt sei.
Hier bleiben Gangster Gangster
Auch „Lucky“ spielt kurz nach der Finanzkrise – aber Kritik an den Institutionen sucht man hier vergeblich. Die Aneinanderreihung atemloser Verfolgungsjagden, in denen Anya Taylor-Joy den Fängen der FBI-Beamten oder anderer Gangster immer wieder nur knapp entwischen kann, wirken eher wie eine Warnung vor zu viel Aufmüpfigkeit. Hauptheldin Lucky ist keine Rebellin, sondern eine tragische Figur – der ein normales Leben von Kindesbeinen an durch die Sozialisation durch den verbrecherischen Vater verwehrt wurde.
Witherspoon-Stoffbeutel für 35 Dollar
Und so wirkt die Serie eher wie der nächste Schritt in der Kommerzialisierung von „Reese’s Bookclub“, auch weil viele gesellschaftskritische Elemente aus dem Buch in der Serie bestenfalls angerissen werden. Aber gut – wenn die Serie floppt, bleibt Witherspoon noch „Reese’s Bookclub“ auf Instagram, wo ihr mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen folgen. Und wo die Witherspoon-Fans mittlerweile nicht mehr nur zum Lesen angeregt, sondern auch in einen Online-Shop geführt werden, wo es Stoffbeutel für 35 Dollar oder ein „RBC-Hoodie“ für 78 Dollar zu kaufen gibt.

