Die EU verhängt wegen unfairer Geschäftspraktiken eine Strafe von 890 Millionen Euro gegen Google. Die EU-Kommission wirft dem US-Konzern vor, Nutzer über seine Suchmaschine und den App-Marktplatz Google Play gezielt zu eigenen Diensten und Anwendungen gelenkt und dadurch Konkurrenten benachteiligt zu haben.
EU: Google bevorzugt zu sehr eigene Dienste
Konkret wirft die Brüsseler Behörde dem US-Konzern vor, eigene Angebote wie etwa Googles Sportergebnisse oder Hotelsuche in den Suchergebnissen stärker in den Vordergrund zu stellen. Die eigenen Produkte würden zum Beispiel durch optisch hervorgehobene Darstellungen – etwa eingefärbte Boxen mit Spielpaarungen bei der WM – prominenter angezeigt als die der Konkurrenz, so die EU-Kommission.
Zudem hindere der Online-Riese App-Entwickler bei Google Play zu sehr daran, günstigere Angebote auf anderen Plattformen zu bewerben – also etwa auf einen besseren Preis in einem anderen App-Store zu verweisen.
Google kritisiert Entscheidung
Google reagierte mit scharfer Kritik. Die Entscheidung werde europäische Unternehmen und Verbraucher belasten, erklärte der für globale Angelegenheiten zuständige Google-Manager am Donnerstag.
Die EU-Digitalregeln zwängen Google dazu, bei Europäerinnen und Europäern beliebte Funktionen wie unmittelbare Preis- und Verfügbarkeitsangaben für Hotels, Flüge und Restaurants abzubauen. Zudem müssten nach Darstellung des Managers Schutzmechanismen bei Google Play geschwächt werden.
60-Tage-Frist zur Umsetzung
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, die besten Produkte sollten sich durchsetzen, weil sie besser seien, nicht weil sie dem Unternehmen gehörten, das die Suchmaschine betreibe. Europäische Verbraucher hätten ein Recht darauf, dass App-Entwickler sie auch auf günstigere Angebote hinwiesen, an denen der Besitzer des App-Stores nicht mitverdiene.
Neben der Geldstrafe hat die EU-Kommission Google aufgefordert, rechtswidrige Praktiken zu beenden und Google-Suche und Play-Store entsprechend umzugestalten. Hierzu sei man in guten Gesprächen mit dem Unternehmen, das schon erste Tests gestartet habe. Die Änderungen muss Google nun innerhalb von 60 Tagen umsetzen. Gelingt das nicht, kann die Kommission neue Strafen verhängen.
Mit Informationen von dpa, KNA und AP.

