Er ist weder genial noch hochtalentiert oder besonders verhaltensauffällig. Stuart Bloom ist vor allem eins: unscheinbar – und damit eigentlich kein besonders guter Protagonist für eine Serie, zumal der Vorgänger „The Big Bang Theory“ immer von seinen exzellent gezeichneten, überzeichneten Figuren gelebt hat.
Die Big-Bang-Serienmacher Chuck Lorre, Bill Prady und Zak Penn wissen aber, was sie tun. Und so nehmen sie – auch hier wieder federführend – den langweiligen Stuart als Chance etwas ganz Neues auszuprobieren. Auszubrechen aus dem Sitcom-Alltag, so dass diese Fortsetzung eine völlig neue Handlung und Kulisse bekommt.
Unzählige Stuarts und unzählige Comicläden
In kurzen 20- bis 30-minütigen Folgen reisen wir mit Stuart Bloom, dem schüchternen Comicladenbesitzer, durch ein Multiversum alternativer Parallel-Welten. Die Quantenphysik und ein defektes Quanteninterferenzgerät machen es möglich. Mit seinen Freunden Denise, Bert und Barry Kripke, die allesamt Nebenrollen in der „The Big Bang Theory“ hatten, soll Stuart das Universum retten. Was er – das verrät ja schon der Titel der Serie – natürlich nicht schafft.
Es gibt unzählige Stuarts und unzählige Comicläden in dieser Serie von alternativen Welten. Zunächst sind wir in einer dystopischen Post-Apokalypse, in der Comics im Tauschhandel gegen Konserven oder Werkzeug gehandelt werden. Dann in einer Gesinnungsdiktatur, in der die Comic-Superhelden keine Gegner und Feinde mehr haben, weil die Menschen einer Gehirnwäsche unterzogen werden und nicht mehr unmoralisch handeln können. Schließlich landen wir in einer Meta-Welt, in der Stuart seine eigene Geschichte als Heft in den Händen hält.
Anarchischer und derber als „The Big Bang Theory“
Referenzen zu Science-Fiction-Klassikern wie „Matrix“ oder „Godzilla“ tauchen reihenweise auf – und die bekannten Charaktere der Ursprungsserie sagen in kurzen Gastauftritten „Hallo“, wie zum Beispiel Penny als erbarmungslose Rebellenanführerin.
Für die Serie heißt das auch: mehr Action, mehr Spezialeffekte und ein Humor, der deutlich anarchischer, manchmal auch derber ist als das, was Fans vom Ursprungsformat kennen. „Stuart Fails To Save The Universe“ verlässt die gemütliche Couch in Apartment 4A, wo ein Großteil der Big-Bang-Theory-Handlung spielte, und bricht aus in die große weite Welt des Chaos. Die Serie ist weniger Wohlfühlformat und mehr Abenteuer und Experiment als der Vorgänger.
Sie spiegelt damit auch unsere Zeit der Unsicherheit und Zukunftsangst. Und die Streaming-Landschaft von immer neuen, sich weiter und weiter vernetzenden Serienfortsetzungen. Mal ist das aufregend, mal ermüdend, mal fantasievoll, mal einfältig – in jedem Fall so abwechslungsreich und unvorhersehbar wie das Multiversum. Sicher ist nur: es gibt keine Rettung.

