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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Nach Nolans Erfolg: Elon Musk will die „Odyssee“ nochmal drehen
Kultur

Nach Nolans Erfolg: Elon Musk will die „Odyssee“ nochmal drehen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 27. Juli 2026 16:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Christopher Nolans Verfilmung von Homers „Odyssee“ ist gerade erst erfolgreich in den Kinos gestartet. Am ersten Wochenende spielte der Film rund 250 Millionen Dollar ein. Doch schon sorgt das antike Epos für eine neue Debatte: Elon Musk, der reichste Mann der Welt, will mit seiner KI Grok eine eigene Version des Stoffs produzieren.

Inhaltsübersicht
Soziologe: „Das ist eine fiktive Geschichte“Antike Mythen und die neue RechteElon Musik und sein Faible für die AntikeProjektionsflächen für politische Weltbilder

Noch vor Ende des Jahres solle Grok Imagine einen abendfüllenden Film über die „Odyssee“ erstellen, schrieb Musk auf seiner Plattform X. Der Film solle „historisch korrekt“ sein und Homers Werk gerecht werden. Hintergrund ist seine Kritik an Nolans Besetzung: Besonders die Wahl der schwarzen Schauspielerin Lupita Nyong’o als Helena von Troja bezeichnete Musk als „antiweiß“. In seiner Wortwahl sprach er davon, man „pinkele auf Homers Grab“.

Soziologe: „Das ist eine fiktive Geschichte“

Für den Soziologen Felix Schilk von der Universität Tübingen, der sich mit rechter Kulturpolitik beschäftigt, zeigt die Debatte vor allem: die politische Aufladung eines Mythos. „Es ist natürlich sehr lustig, dass man einen Stoff wie die Odyssee, die ein Mythos ist, dafür benutzt, Kategorien wie historisch korrekt anzulegen“, sagt Schilk. „Das ist etwas, das nicht stattgefunden hat, das ist eine fiktive Geschichte.“ Niemand wisse, wie die historische Helena tatsächlich ausgesehen habe, das sei auch völlig irrelevant. Die Figuren der Odyssee seien „hochgradig stilisiert“.

Antike Mythen und die neue Rechte

Dass Musk gerade diesen sehr alten Stoff aufgreift, überrascht den Soziologen nicht. „Das passt natürlich zu Musks allgemeinem Faible für die Antike“, sagt Schilk. Musk beziehe sich häufig auf das Römische Reich, auch die griechische Antike liege in diesem Zusammenhang nahe.

In Teilen der amerikanischen Rechten gebe es seit Jahren einen verstärkten Bezug auf ein vermeintliches „zivilisatorisches Erbe“ Europas. Dabei gehe es um die Vorstellung einer westlichen Kultur, die sich von einem liberalen, diversen Europa unterscheide.

Die Odyssee biete dafür passende Motive: die Geschichte eines einzelnen Helden, der Herausforderungen bewältigt, aber auch die Vorstellung eines Schicksals, das über dem Menschen steht. „Das heroische Subjekt, das handelt, aber gleichzeitig in einer von Göttern vorgegebenen Welt lebt – das entspricht ziemlich genau dem Geschichts- und Weltbild der Rechten“, erklärt Schilk.

Elon Musik und sein Faible für die Antike

Musk selbst, so die Einschätzung des Soziologen, könne sich in dieser Erzählung wiederfinden: „Er sieht sich als das große, schöpferische Individuum, das in die weite Welt geht.“ Auch seine Visionen von Raumfahrt und Marsbesiedlung passten zu dieser Selbstinszenierung.

Die politische Aneignung von Mythen ist laut Schilk kein neues Phänomen. „Das rechte Denken neigt zu Erzählungen, zu Narrativen und zum Mythos.“ Deshalb würden sich viele fiktive Stoffe für entsprechende Deutungen eignen.

Ein Beispiel sei „Der Herr der Ringe“: Der Fantasy-Stoff mit seinen klaren Gegensätzen zwischen Gut und Böse werde in rechten Milieus häufig aufgegriffen. Der Unternehmer Peter Thiel etwa benannte Unternehmen nach Begriffen aus Tolkiens Welt. In Italien nutzten rechtsextreme Gruppen nach dem Zweiten Weltkrieg sogenannte „Hobbit-Camps“ zur politischen Sozialisation.

Projektionsflächen für politische Weltbilder

Auch der Film „Matrix“ spielt laut Schilk eine Rolle. Das Motiv der roten und blauen Pille sei in Verschwörungserzählungen und der sogenannten „Manosphere“ zu einer Metapher für das vermeintliche „Aufwachen“ geworden.

Die Debatte um die „Odyssee“ zeigt damit: Antike Stoffe sind nicht nur Kulturgut, sondern auch Projektionsflächen für politische Weltbilder. Wer erzählt, wie Helden aussehen und welche Werte mit ihnen verbunden werden, führt immer auch eine Auseinandersetzung darüber, welche Geschichten eine Gesellschaft prägen sollen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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