Die Tiefsee zählt zu den letzten großen unbekannten Lebensräumen der Erde. Gleichzeitig ruhen auf den Meeresböden begehrte Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt und Nickel. Wie deren Abbau geregelt werden soll, verhandeln derzeit Staaten bei einer internationalen Konferenz in Kingston auf Jamaika. Die USA sind nicht mit dabei.
Regeln für Bergbau am Meeresboden
Auf dem Tisch liegen mehrere Vorschläge. Der sogenannte „Mining Code“ würde den Abbau erlauben, allerdings mit festen Regeln und Umweltstandards, die von den jeweiligen Unternehmen eingehalten werden müssten. Eine andere Variante sieht eine Pause vor – so lange, bis mehr über die Folgen des Tiefseebergbaus bekannt ist. Noch strenger wäre die Einigung auf ein sogenanntes Moratorium, wie es auch Deutschland unterstützt.
USA: Alleingang im Tiefseebergbau
Derweil plant die US-Regierung gemeinsam mit dem kanadischen Unternehmen „The Metal Company“ einen Alleingang in internationalen Gewässern. Für die Internationale Meeresbodenbehörde ISA erhöht das den Druck, nach Jahren endlich fertig zu werden mit Statuten samt Sanktionen.
Allerdings konnte sich der Rat der ISA bei der aktuellen Tagung noch nicht mal auf einen eindeutigen Fahrplan für den Prozess einigen. Auf der noch bis Freitag anstehenden Vollversammlung soll es nun vor allem darum gehen, wie die ISA mit den Tiefseebergbau-Aktivitäten von Nicht-Mitgliedsstaaten, wie eben denen der USA, umgehen soll.
Bodenschätze und Artenreichtum am Meeresboden
In tiefen Seegräben, an toxischen Thermalquellen oder sprudelnden Unterwasservulkanen tummeln sich meterlange Rohrwürmer, bunte Schwämme, bizarre Fische und wundersame Einzeller. Genauso birgt die Tiefsee aber auch Rohstoffe, für die sich die Industrie seit Langem interessiert. Das sind vor allem metallreiche Manganknollen, Massivsulfide sowie kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten.
„Bei den Eisen-Mangankrusten und den Manganknollen geht es hauptsächlich um Kobalt, Kupfer und Nickel“, erklärt Matthias Haeckel vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. „Bei den Massivsulfiden stehen Kupfer, Zink, Gold und Silber im Vordergrund.“
Rohstoffabbau in tausenden Metern Tiefe
Derlei Rohstoffe lassen sich im Tiefseebergbau fördern. Roboter pflügen beispielweise über den Meeresboden, schaufeln Manganknollen ein und wirbeln dabei kilometerweite Schlamm- und Partikelwolken auf. Entsprechende Technologien gibt es seit Jahrzehnten. Großflächig im Einsatz sind sie in den internationalen Gewässern der Tiefsee noch nicht.
„In der Technologieentwicklung ist die Frage: Kann man auf irgendeine Art und Weise da einigermaßen nachhaltig, ohne zu viel Dreck zu machen und ohne die Gefährdung von Arten, an diese Ressource ran?“, sagt Antje Boetius. Sie ist Mikrobiologin am Monterey Bay Aquarium Research Institute in Australien. „Das Problem ist, dass wir bis heute gar keine Kartierung der Tiefseearten haben oder Kenntnis, was da unten lebt.“
Die Tiefsee: Weniger bekannt als der Mond
Tatsächlich gibt die Tiefsee bis heute unzählige Rätsel auf. Forschende schätzen, dass über 90 Prozent der Tiefseebewohner noch unbekannt sind. Millionen von Arten also, von denen der Mensch keine Ahnung hat. Dass Tiefseebergbau gravierende Spuren hinterlassen kann, zeigen Studien (externer Link) des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel. Dafür untersuchten die Forschenden unlängst Orte in der Tiefsee, an denen vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren in wissenschaftlichen Testprojekten bereits erprobt wurde, wie sich etwa Manganknollenfelder effektiv abernten lassen.
Haeckels Fazit: „Wir waren überrascht darüber, dass auch die mikrobiellen Gemeinschaften, die den Abbau von organischem Kohlenstoff machen, […] sich nach Jahrzehnten nicht erholt haben.“ Die Schäden seien großflächig und langfristig. Haeckel warnt: „Das muss jedem klar sein, es ist am Ende des Tages Bergbau.“

