Wie Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaften unter Druck geraten
Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München, nennt im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk zwei Hauptgründe. Erstens: Online-Banking. Viele Geschäfte laufen inzwischen digital, Filialen sind personalintensiv und teuer. Zweitens: Regulierung. Für kleinere Institute wiegen Vorschriften nach Kaserers Einschätzung schwerer, weil sie mit weniger Personal und geringeren Erträgen dieselben Anforderungen erfüllen müssen wie große Banken. Kaserer verweist auf Schätzungen von 20.000 bis 50.000 Seiten Regeln. Die internationalen Bankenregeln Basel I aus den späten 80er-Jahren passten noch auf 30 Seiten. Basel II war 2006 schon 347 Seiten stark. Und Basel III von 2010 hatte etwa 616 Seiten, mehr als das Zwanzigfache von Basel I.
Für Privatkunden zeigt sich der Wandel im Alltag: Wer kein Online-Banking nutzt, Beratung persönlich sucht oder Bargeld einzahlen muss, braucht oft mehr Zeit. Digitale Beratung, Telefoncenter, gemeinsame Standorte oder mobile Angebote können Wege verkürzen. Aber sie ersetzen nicht überall den Kontakt zur vertrauten Beraterin oder zum Berater.
Studien zeigen: Persönlicher Kontakte bei Krediten wichtig
Für Unternehmen kann der Verlust von Nähe noch weiter reichen. Kaserer betont: Kreditvergabe ist immer auch Risikoeinschätzung. Eine Bank vor Ort kenne Betriebe, Eigentümer, Branche und Auftragslage oft besser. Wenn dieses Wissen verloren geht, könne die Finanzierung schwieriger werden und einzelne Investitionen blieben möglicherweise aus.
Das passt zu einer der Professoren Doris Neuberger von der Universität Rostock und Erik Lehmann von der Universität Augsburg zum sogenannten Relationship Lending. Hinter dem Begriff steckt: Die Bank kennt das Unternehmen und bewertet nicht nur Zahlen, sondern auch die Menschen dahinter (externer Link). Sie zeigt für Deutschland, dass Beziehungen zwischen Bank und kleinen oder mittleren Unternehmen Kreditverfügbarkeit, Zinsen und Sicherheiten beeinflussen. Entscheidend sind demnach nicht nur Bilanzzahlen, sondern auch Vertrauen und soziale Kontakte zwischen Kundenberater und Geschäftsführung.
Chancen durch Bankfusionen nicht aus dem Blick verlieren
Nicht jede Fusion ist deshalb automatisch schlecht. Größere Institute können Kosten senken, Risiken breiter tragen und mehr Finanzierungskraft bündeln. Kaserer verweist auch auf diesen Nutzen. Entscheidend ist, ob die neue Bank regionale Kompetenz erhält. Wenn aus Nähe nur noch eine App wird, verliere Bayern ein Stück wirtschaftlicher Infrastruktur.

