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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Arzt oder Verkäufer? So erkennt man seriöse „Medfluencer“
Netzwelt

Arzt oder Verkäufer? So erkennt man seriöse „Medfluencer“

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 30. Juli 2026 17:49
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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Die Krankheit klang plausibel – nur gibt es sie nicht. Der YouTuber Marvin Wildhage erfand die „postvirale nasale Hypersensibilität“, eine nach Infekten angeblich dauerhaft gereizte, anschwellende Nase, dazu eine fiktive Pharmafirma, deren angebliche Studienleiterin „Dr. Beatrice Gepetto“ nach Pinocchios Schöpfer benannt war.

Inhaltsübersicht
Social Media sind für viele wichtige InformationsquelleWoran erkennt man seriöse Medfluencer?

Die Medizinerin Alina Walbrun, als „Doc Alina“ mit rund 300.000 Instagram-Followern eine der bekanntesten deutschen Medfluencerinnen, bewarb die Kampagne Medienberichten zufolge für 3.800 Euro in ihren Storys – und erzählte dabei, sie kenne das Krankheitsbild aus dem Studium. Nachdem Wildhage sein Experiment auf YouTube veröffentlicht hatte, räumte Walbrun den Fehler ein und spendete das Honorar nach eigenen Angaben an Ärzte ohne Grenzen.

Social Media sind für viele wichtige Informationsquelle

Der Fall zeigt vor allem zwei Dinge: Erstens, wie wichtig es ist, Gesundheitsinformationen vor einer Veröffentlichung sorgfältig zu prüfen und Aussagen nicht ungefiltert zu übernehmen. Und zweitens das grundsätzliche Spannungsfeld, das entsteht, wenn medizinische Inhalte gleichzeitig Teil einer bezahlten Kooperation sind.

Branchenschätzungen (externer Link) zufolge sind allein in Deutschland über tausend Medfluencer aktiv, rund ein Viertel der Jugendlichen nutzt laut einer Barmer-Studie (externer Link) TikTok und YouTube als Gesundheitsquellen. Die Qualität ist durchwachsen – eine Untersuchung (externer Link) der Universität Duisburg Essen von 177 deutschsprachigen TikTok-Videos zu psychischer Gesundheit stufte nur knapp jedes fünfte als inhaltlich korrekt ein.

Dabei ist Gesundheitswerbung streng reguliert – zumindest für manche. „Gerade für Ärztinnen und Ärzte gelten berufsrechtliche Vorgaben und Regelungen des Heilmittelwerberechts, die Werbung im Gesundheitsbereich enge Grenzen setzen“, sagt Marlene Heckl. Die Ärztin und Wissenschaftsjournalistin ist selbst auf Instagram als „Seelendoc“ aktiv. Für Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel dürften Ärzte nicht einfach werben. Medizinstudierende ohne Approbation, Psychologen oder Apotheker bewegen sich dagegen in einem Graubereich – den viele Medfluencer gezielt nutzten.

Woran erkennt man seriöse Medfluencer?

Woran also erkennt man vertrauenswürdige Accounts? „Man sollte unter anderem darauf achten, ob Qualifikationen transparent sind, Quellen genannt werden, Unsicherheiten ehrlich kommuniziert werden, Werbung klar gekennzeichnet ist und ob Inhalte differenziert statt mit absoluten Heilversprechen vermittelt werden“, sagt Heckl. Warnsignale sind dagegen Wunderversprechen, Angstmache – und der Verkauf eigener Produkte.

„Für medizinische Laien ist es oft unglaublich schwer einzuschätzen, wer auf Social Media wirklich Ahnung hat und wer einfach nur sehr überzeugend auftritt“, sagt Heckl. Sie wünscht sich deshalb auf Instagram und TikTok ein Pendant zum Health Label auf YouTube, das dort approbierte Ärztinnen und Ärzte sowie seriöse Institutionen wie das RKI kennzeichnet – und das sie für ihren eigenen Kanal beantragt hat: „So eine transparente Kennzeichnung der Qualifikation wäre ein echter Gewinn und würde es deutlich leichter machen, seriöse Gesundheitsinformationen zu erkennen.“

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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