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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Fetisch Intelligenz: Sachbuch nimmt IQ-Kult unter die Lupe
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Fetisch Intelligenz: Sachbuch nimmt IQ-Kult unter die Lupe

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 10. August 2026 09:48
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Wer als intelligent gilt, hat es gut. Ein hoher IQ verspricht beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg und hohes gesellschaftliches Prestige. Dabei ist die Fixierung auf kognitive Fähigkeiten auch ein Macht- und Distinktionsfaktor, der Intelligente von angeblich weniger Intelligenten trennt, kritisiert Gisela Schmalz.

Inhaltsübersicht
In der Naturwissenschaft sei IQ relevant, in der Kunst nichtErste IQ-Tests zu Beginn des 20. JahrhundertsGefahr, aus IQ-Werten gesellschaftliche Rangordnungen abzuleitenNeu ist die Wucht, in der rassistische Zuschreibungen verbreitet werden

In der Naturwissenschaft sei IQ relevant, in der Kunst nicht

„Ja, fixiert sind wir auf Intelligenz, weil unsere Gesellschaft so konstruiert ist“, so Schmalz. Schon in der Schule gehe es los, da würden Kinder vor allem „auf sogenannte MINT-Fächer“ hintrainiert, also mathematische Fächer. Solche die mit Informatik zu tun haben, wie Naturwissenschaften, Technologien. Wer da gute Noten hat, gelte als intelligent. Jemand, der schön singen kann oder ein ästhetisches Bild malt, gelte nicht unbedingt als intelligent. Das nenne man dann kreativ und habe mit Intelligenz nichts zu tun.

Erste IQ-Tests zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Schön singen oder sich empathisch für Schwächere einsetzen, so etwas genießt zwar auch eine gewisse Wertschätzung in unserer Gesellschaft. Aber in Schule, Wirtschaft und Beruf zählen vor allem kognitive Höchstleistungen. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: IQ-Tests. Die ersten dieser Tests wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt.

„Ja, was misst also ein Test? Ein Test misst drei Fähigkeiten von Menschen, drei kognitive Fähigkeiten. Lese-Schreibfähigkeit, also sprachliches Talent, dann mathematisches Talent, Schlussfolgerndes Denken und räumliches, grafisches Denken. Also das sind die drei Intelligenzbereiche, die ein klassischer IQ-Test abtestet. Die Tests sagen nichts über andere Fähigkeiten des Menschen aus, aber das ist natürlich schon viel.“

Gefahr, aus IQ-Werten gesellschaftliche Rangordnungen abzuleiten

Gisela Schmalz bestreitet keineswegs, dass Intelligenztests eine gewisse Aussagekraft haben. Sie warnt allerdings davor, das solcher Art Gemessene mit dem ganzen Menschen zu verwechseln. Denn Kreativität und Intuition zum Beispiel lassen sich schlecht in einer IQ-Zahl fassen. Besonders brisant wird es, wenn aus der Feststellung von IQ-Werten gesellschaftliche Rangordnungen abgeleitet werden. Genau das, so Gisela Schmalz, tun rechtsextreme Influencer.

Diese behaupteten zum Beispiel, es gebe „Unterschiede der Intelligenz zwischen Nationen, es gebe Nationen-Rankings, in bestimmten Nationen sei die Intelligenz höher als in anderen, „Schwarze“ seien „dümmer als Weiße“, „Chinesen schlauer als Weiße“ und „Männer schlauer als Frauen.“

Neu ist die Wucht, in der rassistische Zuschreibungen verbreitet werden

Neu sind solche sexistisch-rassistischen Zuschreibungen nicht. Neu ist die Wucht, mit der sie über soziale Medien verbreitet werden, und der enorme Rückenwind, den der Begriff Intelligenz durch den KI-Boom bekommen hat. Auch Computer sollen heute intelligent, bald vielleicht sogar superintelligent sein. Gisela Schmalz möchte das Kriterium Intelligenz nicht abschaffen. Sie möchte es vom Sockel holen. Ihr Buch ist deshalb weniger eine Abrechnung mit menschlicher Klugheit (die ist durchaus wichtig) als ein Plädoyer für einen nüchterneren Blick darauf, was Menschen können. Und das lässt sich nicht in einer einzigen Zahl ausdrücken.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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