Im Juni und Juli war es in Westeuropa noch nie zuvor so warm wie in diesem Jahr. Die Durchschnittstemperatur betrug rund 21,6 Grad, wie der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn mitteilte. Damit lag sie 2,79 Grad über dem langjährigen Juni-Mittel von 1991 bis 2020.
Vier Hitzewellen – außergewöhnlich viel
Für Westeuropa hebt Copernicus auch die extrem langanhaltende Hitze seit dem späten Frühjahr hervor. Seit Mai habe es vier Hitzewellen gegeben – das sei für die Region außergewöhnlich viel. Die von Copernicus genutzten Daten gehen zurück bis ins Jahr 1950, teilweise sind auch frühere Daten verfügbar.
Besonders viele heiße Sommertage auch in Bayern
In Bayern hatte bereits die Hitzewelle im Juni historische Dimensionen mit bis zu 14 Hitzetagen am Stück und eine nie dagewesene Zahl an Tropennächten. Die vierte Hitzewelle rollte dann Ende Juli über Bayern hinweg. Und auch am vergangenen Augustwochenende bestand für viele Landkreise im Freistaat wieder eine Hitzewarnung.
Große Temperaturunterschiede in Ost- und Westeuropa
Copernicus verweist allerdings auf ein ausgeprägtes Temperaturgefälle von West- nach Osteuropa und Skandinavien, wo es wesentlich kühler war. Auch für Deutschland zeigen die Daten, dass der Südwesten deutlich wärmer war als der Nordosten. Für Gesamteuropa war der vergangene Monat mit einer Mitteltemperatur von 20,49 Grad nur der elftwärmste Juli. Weltweit war er – zusammen mit 2024 – mit etwa 16,90 Grad der zweitwärmste. Rekordhalter bleibt der Juli 2023 mit nach damaligen Angaben 16,95 Grad. Der vergangene Monat lag global um 1,47 Grad über dem vorindustriellen Juli-Niveau.
Wegen Trockenheit wird Wasser in Bayern knapp
In vielen Regionen war es trockener als im Durchschnitt. Der Feuchtigkeitsgehalt der Bodenoberfläche sei im Juli in Westeuropa deutlich niedriger gewesen als im letzten Dürre-Juli 2022.
Auch in Bayern haben die Menschen mit der Trockenheit zu kämpfen: Das Trinkwasser wurde in vielen Regionen knapp, zahlreiche Kommunen riefen zum Wassersparen auf, wegen zu wenig Regen mussten Landwirte Lösungen für die Futterknappheit finden. In einigen bayerischen Gemeinden lieferten Lastwagen Trinkwasser an.
Die extreme Hitze hat zusammen mit den trockenen Bedingungen zudem Waldbrände begünstigt – besonders heftig fielen diese in Südeuropa aus. In Bayern kam es zu einigen teils schwer zu löschenden Waldbränden: In den Chiemgauer Alpen stand ein Bergwald bei Oberwössen in Flammen, in der Oberpfalz brach bei Freudenberg ein Waldbrand in schwer zugänglichem Gelände aus, vor wenigen Tagen brannte ein Waldstück am Kranzbergkogel bei Schneizlreuth.
Niedrigwasser in Flüssen mit spürbaren Folgen
Der Wasserstand der Flüsse lag in großen Teilen der trockenen Regionen deutlich unter dem langjährigen Mittel und erreichte örtlich sogar außergewöhnlich niedrige Werte. Besonders betroffen waren demnach die Seine, der Rhein und die Donau – das Niedrigwasser dort bremst Güter- und Ausflugsschiffe aus. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) warnt aktuell davor, dass der Wasserpedel des Rheins weiter sinken, der Fluss dann nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt sein könnte.
Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren können. Das erhöht die Transportkosten und belastet vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind. Das hat auch
Folgen für die bayerische Wirtschaft. Außerdem müssen in Niederbayern tausende Fische aus der Donau gerettet werden.
Weltmeere ebenfalls wärmer als je zuvor
Die Meeresoberflächentemperatur war im Juli den Angaben zufolge so hoch wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in diesem Monat. Die Durchschnittstemperatur lag bei 20,96 Grad. Der bisherige Höchstwert von 20,89 Grad stammt aus dem Juli 2023. Die Messwerte beziehen sich auf die Meere außerhalb der Polarregionen. Ein Grund ist laut Copernicus das Klimaphänomen El Niño im tropischen Pazifik, das sich in den kommenden Monaten voraussichtlich verstärken werde.
Entlang der Atlantikküste und im westlichen Mittelmeer erreichten die Wassertemperaturen Rekordwerte, die mit starken maritimen Hitzewellen einhergingen.
Mit Informationen von dpa

