Ein Leckerli nach dem Spaziergang oder ein Stück Wurst, das beim Abendessen „zufällig“ vom Tisch fällt: Viele Tierhalter meinen es gut mit ihren Vierbeinern. Doch genau das kann auf Dauer zum Problem werden. Fachverbände schätzen, dass rund die Hälfte aller Hunde und Katzen in Deutschland zu viel wiegt. Übergewicht bei Haustieren ist also weit verbreitet – wird von vielen Haltern aber trotzdem unterschätzt.
Ab wann ist ein Haustier zu dick?
Bringt ein Hund oder eine Katze zehn Prozent mehr auf die Waage als das Idealgewicht, sprechen Tierärzte von Übergewicht. Bei zwanzig Prozent mehr ist von Adipositas die Rede – also krankhaftem Übergewicht. Darauf weist ein Beitrag in der Fachzeitschrift „Der Praktische Tierarzt“ (externer Link) hin. Verfasst wurde er von Experten der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Einen BMI wie beim Menschen gibt es für Hunde und Katzen nicht. Tierärzte schauen sich deshalb die Körperkondition genauer an – mit dem sogenannten Body Condition Score (BCS). Dabei prüfen sie zum Beispiel, ob die Rippen noch gut zu ertasten sind und ob das Tier von oben betrachtet noch eine Taille hat.
Die häufigsten Ursachen für Übergewicht bei Haustieren
Die Grundregel ist simpel: Hund und Katze nehmen zu, wenn sie dauerhaft mehr Energie aufnehmen, als sie verbrauchen. Dahinter können verschiedene Gründe stecken. Zu große Portionen, kalorienreiche Leckerlis und zu wenig Bewegung gehören laut der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN (externer Link) zu den häufigsten Ursachen – ganz ähnlich wie bei uns Menschen. Viele Tierhalter unterschätzen außerdem, wie viel bei Snacks, Resten und Belohnungen nebenbei zusammenkommt.
Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen. Nach einer Kastration nehmen manche Tiere leichter zu, weil der Grundumsatz sinkt. Laut der Fachzeitschrift „Der Praktische Tierarzt“ kann der Energieverbrauch danach um 20 bis 30 Prozent niedriger liegen. Dazu kommen Alter und genetische Veranlagung: Manche Tiere setzen einfach schneller an als andere.
Viele Halter erkennen Übergewicht bei Haustieren nicht
Was dabei überraschend ist: Vielen Tierhaltern fällt gar nicht auf, dass ihr Hund oder ihre Katze zu viele Pfunde auf die Waage bringt, schreibt der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) (externer Link). Sie verbinden ein rundliches Tier mit guter Fürsorge. Eine Umfrage zeigte, dass 87 Prozent der Hundehalter ihr Tier als normalgewichtig einschätzen, obwohl der Anteil übergewichtiger Hunde deutlich höher liegt.
Welche Folgen hat Übergewicht bei Hund und Katze?
Übergewicht belastet nahezu den gesamten Organismus. Das Risiko für Arthrose, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsprobleme sowie Komplikationen bei Operationen oder Narkosen steigt durch zu viele Pfunde. Deshalb gilt Adipositas bei Tieren auch als eigenständige Erkrankung und wird von Experten als unterschätztes Tierschutzproblem eingestuft.
Verkürzt Übergewicht das Leben der Haustiere?
Es gibt Hinweise darauf, dass Übergewicht die Lebensdauer von Hunden und Katzen verkürzen kann. Das zeigt auch eine Langzeitstudie von Richard D. Kealy und weiteren Forschern, die 48 Labrador Retriever über ihr gesamtes Leben begleiteten. Das Ergebnis: Eine kontrollierte Fütterung kann die Lebensspanne verlängern und altersbedingte Erkrankungen hinauszögern. Die Studie erschien 2002 im Journal of the American Veterinary Medical Association (externer Link). Auch nach Einschätzung des Bundesverbands für Tiergesundheit kann Übergewicht bei Haustieren mit einer verkürzten Lebenserwartung verbunden sein.
So nehmen übergewichtige Haustiere gesund ab
Ist Ihr Tier zu dick, sollten Sie die Futtermenge nicht einfach von heute auf morgen drastisch reduzieren. Wichtig ist stattdessen eine kontrollierte Gewichtsabnahme mit einem Fütterungsplan, der das Tier weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.
Empfohlen werden:
- angepasste Futterrationen
- weniger kalorienreiche Snacks
- mehr Bewegung und Beschäftigung
- regelmäßige Gewichtskontrollen
- sowie eine tierärztliche Begleitung
Gerade bei Katzen kann eine zu schnelle Gewichtsabnahme gesundheitliche Risiken bergen. Deshalb sollte ein Diätplan möglichst fachlich begleitet werden.
Warum Konsequenz bei Futter und Bewegung wichtig ist
Wem es schwerfällt, dem schmelzenden Blick seines Hundes oder dem beharrlichen Miauen seiner Katze zu widerstehen, sollte sich vor Augen führen: Eine ausgewogene Fütterung und ausreichend Bewegung verbessern die Lebensqualität von Hund oder Katze deutlich. Für viele Tiere ist genau das der größte Liebesbeweis ihrer Halter.

