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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Nur noch 14 Tage für viele Waren: Amazon stutzt Rückgabefristen
Wirtschaft

Nur noch 14 Tage für viele Waren: Amazon stutzt Rückgabefristen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 11. August 2026 09:47
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Wer ab Oktober bei Amazon bestellt, wird sich teils umstellen müssen: In zahlreichen Kategorien wird die bisher kulante, aber freiwillige Rückgabefrist von 30 Tagen abgeschafft. Stattdessen bleiben nur die vierzehn Tage, die gesetzlich für Online-Einkäufe ohnehin garantiert sind.

Inhaltsübersicht
Schleichende EntwicklungCodewort: EnshittificationGewinn- statt KundenorientierungPolitik als Lösung?

Wie die Fach-Website „Händlerbund“ berichtet (externer Link), gelten ab September 2026 – mit einer gewissen Übergangsfrist bis Oktober – die 14 Tage auch in den Kategorien Babyprodukte, Beauty, Drogerie & Körperpflege, Garten, Garten & Freizeit, Haus & Garten, Haustierbedarf, Koffer, Rucksäcke & Taschen, Lebensmittel & Getränke, Luxury_Beauty, Möbel, Mobile_Electronics Musikinstrumente & DJ-Equipment, Reifen, Wein, Zubehör für Gewerbe, Industrie & Wissenschaft.

Schleichende Entwicklung

Damit zieht Amazon bei den für Händler teuren Retouren von Produkten zum wiederholten Male die Zügel an. Bereits 2024 war die Frist bei Produkten wie Kameras, Bürobedarf, Videospielen und Elektronik von 30 auf 14 Tage verkürzt worden, 2025 folgten Kategorien wie Bücher, Spielzeug, Küche, Auto, Baumarkt.

Ab Herbst 2026 kann man sich dann noch bei Produkten wie Kleidung, Schuhen, Schmuck, Uhren und Amazon-eigenen Produkten wie TV-Sticks und Lautsprechern weiterhin 30 Tage Zeit lassen, wie „Giga“ berichtet (externer Link).

Codewort: Enshittification

Schrittweise kassiert Amazon so einen Teil der Vorteile wieder ein, die die Firma zu ihrer marktbeherrschenden Stellung gebracht haben. War es doch nicht zuletzt Amazons zeitweise relativ starke Kulanz bei Rückgaben und Reklamationen, die Kunden zu Amazon und weg von anderen Onlinehändlern trieb.

Dieses Stutzen oder Einkassieren von einstmals zentralen Kundenversprechen könnte man als Teil eines zumindest vermeintlichen Trends werten, den der Autor Cody Doctorow „Enshittification“ (zu Deutsch laut Wikipedia: „Verscheißifizierung“) nennt.

Gewinn- statt Kundenorientierung

Der Begriff fand in den vergangenen Monaten immer mehr Anklang (etwa auch bei Wirtschaftswissenschaftsnobelpreisträger Paul Krugman) und bezeichnet leicht verkürzt folgende These: Tech-Plattformen wie Amazon/Uber/Airbnb gewinnen zunächst etwa durch Kampfpreise viele Kunden und Händler/Fahrer/Vermieter; sobald sie eine gewisse Marktmacht haben, verschlechtern und/oder verteuern sie ihre Services sowie die Bedingungen für ihre Partner, um möglichst viel Geld zu erlösen.

Doctorow selbst nannte Amazon in einem Beitrag für den „Guardian“ (externer Link) als eines der Beispiele: Die Firma habe mit niedrigen Preisen, günstigem Versand, kulanten Retouren und dem Prime-Abo Kunden (und Händler) gebunden und sei dann nach und nach „zu einem Haufen Scheiße“ geworden, der Händlern immer mehr abverlange und es Kunden immer schwerer mache, gute Produkte und gute Preise zu finden – sie aber trotzdem mit seiner Marktmacht auf der Plattform hält.

Politik als Lösung?

Auch kulante Rückgabe-Richtlinien sind etwas, das Geld kostet und das Amazon – nachdem es gerade auch durch Prime einen so festen Kundenstamm gewonnen hat, der teils nur noch innerhalb Amazons überhaupt nach Produkten sucht – offenbar nicht mehr nötig hat.

Ähnlich wie ein Uber nicht mehr deutlich günstiger sein muss wie ein Taxi, ein Airbnb nicht mehr günstiger als ein Hotel oder Netflix/Amazon Prime/Disney+ und Co. nicht mehr günstiger, werbefreier oder hochwertiger als TV-Sender.

Die Lösung für das Problem der „Enshittification“ sieht Doctorow im Übrigen bei der Politik, die klare Regeln vorgeben müsse, bei der Preisfindung oder bei Gebühren für Händler. „Zu einem besseren Amazon kommt man nicht durch Kunden-Proteste oder Moralpredigten“, schreibt er im „Guardian“.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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