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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Erinnerungen im Waldhaus: „Alleinruhelage“ von Eva Menasse
Kultur

Erinnerungen im Waldhaus: „Alleinruhelage“ von Eva Menasse

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 13. August 2026 08:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Am Anfang wird das Haus verkauft. Es ist ein Haus in Alleinlage – oder in Alleinruhelage, wie die Österreicherin Eva Menasse sagt, weil da noch so schön viel mitschwingt. Es liegt allein am Waldsee mit Moderboden, dennoch in der Nähe einer Datschensiedlung aus DDR-Zeiten, insgesamt nicht zu weit entfernt von Berlin. Einst war es ein Ost-Schnäppchen für Nicht-Ostler in Nachwendezeiten, als es sehr, sehr lange dauerte, bis eine Makler-Website geladen war.

Inhaltsübersicht
Ein Haus, das viel miterlebt hatAbseits des WeltgeschehensLesen im FerienhausmodusLoslassen als Heldinnenreise

Ein Haus, das viel miterlebt hat

Jetzt also: Abschied nach vielen Jahren, in denen neben Renovieren und das Vergraulen von Maulwürfen auch das war: Patchwork-Ehe, Kindergroßziehen, sich trennen, sich neu verlieben, sich trennen, mit den Nachbarn zoffen, Verluste betrauern, Erfahrungen machen. „Haus, du bist Zeuge von allem gewesen, aber nun verkaufe ich dich“, heißt es im Buch.

Sie habe selbst nie mit ihrem Haus gesprochen, sagt Eva Menasse im Gespräch mit dem BR und lacht. Allerdings, so die Schriftstellerin, könne man ein Haus schon zu einem Gesprächspartner machen: „Dann ist man natürlich selbst der Gesprächspartner: Haus, jetzt erzähl mal du. Oder: Darf ich dir sagen, Haus, wie ich das damals empfunden habe, du hast es vielleicht anders gesehen?“

Abseits des Weltgeschehens

Das sagt Eva Menasse, beziehungsweise so sagt es ganz ähnlich ihre ihr nahe Erzählerin. Wobei die Sichtweise des Hauses am Ende dann auch wieder nicht so wichtig ist und bei allen Geschichten und Fragen in diesem Roman vor allem eins im Fokus steht – die Ich-Erzählerin selbst und das Gefühl, der Welt ein bisschen entrückt zu sein und daher in alle Richtungen, auch vorwärts und rückwärts in der Zeit, und in alle Tonlagen greifen zu können.

Wie die Familie abends den Fledermäusen zusah, die im antiquierten Schild „Waldschänke“ Unterschlupf gefunden hatten. Wie die schreckliche Krise mit der Tochter fast alles sprengte. Wie die Erzählerin einen ganzen Arbeitstag lang knutschend auf dem Rasen lag. Wie man nie so richtig wissen wollte, wie sehr „rote Socke“ der Nachbar denn gewesen war zu DDR-Zeiten. Oder wohin der Junge aus dem Heim entschwand. Alleinruhelage, lässliche Sünden, ferienhaft erlaubtes Abschweifen.

Lesen im Ferienhausmodus

Sie habe dieses Buch anders geschrieben als andere Bücher, erzählt Eva Menasse, „vielleicht ist es deswegen auch anders geworden.“ Normalerweise schreibe sie in der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz in Berlin, „und dieses Buch habe ich auf Reisen geschrieben, an ganz vielen verschiedenen Orten. Das Buch hat es gewollt, oder das Haus hat es gewollt, dieses Gespräch mit dem Haus hat mich dazu angeregt, das mal etwas lockerer anzugehen.“

Genauso liest es sich auch: sehr leicht und fortlaufend, fernab von den großen Krisen, im Ferienhausmodus. Das heißt auch: Wir Leserinnen und Leser sparen uns das ausführliche Dahinsterben der Ehe in den mittleren Jahren der Waldsee-Ära oder die Bindungsfähigkeitsprobleme mit dem Partner im späteren Teil. Momentaufnahmen reichen. Zwischendrin gibt es ein paar Lebenslearnings, manchmal Wehmut, manchmal Wut, ein bisschen Baumarkt-Slapstick.

Loslassen als Heldinnenreise

„Haus, ich verkaufe dich“: Das setzt natürlich einen Schlussstrich unter ein langes Kapitel, ein bisschen erzählt Eva Menasse die Alleinlage-Ära auch als Heldinnenreise – die Hauptfigur reift und wächst und entschließt sich am Ende zum neuen Aufbruch . „Es ist eine Art Bilanzziehen,“ so Eva Menasse, „oder es ist am Ende des Buches erst so passiert, dass das eine der Botschaften gegen Ende ist.“

Zwischen Eva Menasses letztem, durchkonstruiertem Roman „Dunkelblum“ um die verbrecherische Vergangenheit eines ganzen Ortes und diesem leichten Dahinsegeln am – nicht auf dem – Waldsee, liegen mehrere Erzählwelten. „Alleinruhelage“ ist ein kreativer Aufbruch, interessant und auch erholsam beim Lesen. Denn da bietet sich eben auch, einen Roman lang, dieser Ort jenseits des Alltags.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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