Sabine Hammer ist 57 Jahre alt und hat in ihrer letzten Renten-Information die Auskunft erhalten, dass sie Ende 2031 in Rente gehen könnte, mit Abschlägen. Ihre Arbeit als Justiz-Angestellte bringe sie immer wieder „an den Rand der Verzweiflung“, sagt sie. Deshalb wolle sie so früh wie möglich in den Ruhestand. Die Diskussion über eine Rentenreform verunsichert sie aber. Sie frage sich, ob die Möglichkeiten zur Frührente abgeschafft werden oder ob es Vertrauensschutz für Menschen wie sie geben werde, erzählt sie im Gespräch mit dem BR.
In Rente, um sich um Angehörige zu kümmern
Verunsichert ist auch Regina Gottsmann. Sie ist Jahrgang 1964 und erreicht in diesen Tagen 45 Versichertenjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung. Damit gilt sie als „besonders langjährig versichert“ und könnte ohne Abschläge zwei Jahre vor der regulären Schwelle zur Altersrente in Ruhestand gehen, bei ihr wäre das mit 65 Jahren.
Sie würde aber gerne schon vorher mehr Zeit haben, um sich möglichst viel um ihre 89-jährige Mutter zu kümmern, die den zweihöchsten Pflegegrad anerkannt bekommen hat, Grad vier. Deswegen hat sie sich auch über die Möglichkeit einer „Teilrente“ informiert, die einen schrittweisen Übergang in den Ruhestand ermöglichen soll (externer Link). Die Diskussion über Änderungen bei den Rentengesetzen macht auch sie nervös. Sie fürchtet, dass sie am Ende „eine Watschn“ erhält.
Auf wen kämen Einschnitte zu?
Ökonomen, etwa vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, haben in der Vergangenheit mehrfach Berechnungen vorgelegt, die ihrer Ansicht nach zeigen: Wenn es zu Änderungen bei der „Rente für besonders langjährig Versicherte“ käme, wären überwiegend Beschäftigte betroffen, die wirtschaftlich vergleichsweise gut dastehen. Und viele Frührentner kämen „aus Berufen mit vergleichsweise geringer Belastung“, heißt es in einer Studie von DIW-Forschern in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung (externer Link).
Widerspruch vom VdK
Beim Sozialverband VdK Bayern wünscht man sich einen differenzierten Blick auf das Thema. Es gebe viele VdK-Mitglieder, die mit 14 oder 15 Jahren ins Berufsleben gegangen seien und mitunter 50 Versicherungsjahre angesammelt hätten. Oft hätten diese Menschen ihr Leben so geplant, dass sie vergleichsweise früh in Rente gehen können, erklärt die VdK-Sozialexpertin Claudia Spiegel. „Deren Vertrauen darf nicht enttäuscht werden“, wünscht sie sich.
Die aktuelle Diskussion geht nach Ansicht des VdK Bayern an einer Kernfrage ein Stück vorbei, nämlich an der Frage, „wie mehr Menschen gesund und zufrieden bis zum Rentenalter im Job bleiben“. Bessere Reha-Angebote, gezielte Weiterbildung für Ältere und besseres betriebliches Gesundheitsmanagement sind nach Einschätzung des Sozialverbands zentral bei einer Stabilisierung der Rentenkassen.
Übergangsfristen gefordert
Die VdK-Expertin Spiegel betont, es sei noch offen, wie die Ideen der Rentenkommission in ein Gesetz einfließen: „Viele Vorschläge sind vage ausgestaltet und eröffnen Spielraum für den Gesetzgeber.“ Wenn es Änderungen geben sollte, seien lange Übergangsfristen unerlässlich: „Die Menschen müssen ihre Lebensplanung auf eine klare Altersgrenze ausrichten können.“
Verlässlichkeit wünscht sich auch ein BR-Hörer, dem es genügt, wenn er „Rudi aus dem Spessart“ genannt wird. Er habe 49 Versicherungsjahre gehabt, als er vor zwei Jahren im Alter von 64 in Rente gegangen sei. Das habe er sich so ausgerechnet gehabt und sei zufrieden damit, dass er ohne Abschläge in Rente habe gehen können. „Ich denke, das war genug Arbeit“, sagt er über sein fast halbes Jahrhundert im Beruf.
Länger arbeiten bringt mehr Rente
An einer Grundregel des deutschen Rentensystems soll sich aber nichts ändern: Wer länger einzahlt, bekommt auch mehr. Wer mit 45 Versicherungsjahren heute grundsätzlich im Alter von 64,5 ohne Abschläge in Rente gehen kann, hat auch durchaus die Möglichkeit, bis zur regulären Altersgrenze zu arbeiten, die derzeit bei 66,5 liegt.
Zwei zusätzliche Arbeitsjahre mit einem Durchschnittseinkommen bringen zwei zusätzliche Entgeltpunkte. Nach den Rechenwerten, die derzeit gelten, würde das bei einem Durchschnittsverdiener die Rente um 85,04 Euro steigern, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund: Von 1913,40 Euro auf 1998,44 Euro im Monat. Länger Arbeiten bringt also in mehrerlei Hinsicht mehr Geld.

