TikTok ist einer der größten Online-Händler in Deutschland. Laut der Auswertung des Marktforschungsunternehmens NIQ aus dem Frühjahr macht der App-eigene TikTok Shop mit 700 Millionen Euro mehr Umsatz als etwa Douglas oder Saturn. Knapp ein Sechstel der erfassten Online-Käufer hat schon einmal etwas bei TikTok-Shop gekauft.
TikTok ist im Online-Handel eine neue Größe, die man nicht unterschätzen sollte. Das ruft auch Betrüger auf den Plan, wie eine aktuelle Warnung der Cybersicherheitsfirma Malwarebytes (externer Link) zeigt. Dabei geht es um Kunsthandwerk aus Kunstharz, im Englischen „Resin“ genannt.
Betrug mit Kunst(harz)
Tatsächlich ist TikTok voll mit Videos, in denen Künstler aus Kunstharz etwa Lampen zu beliebten Filmen, Serien und Co. anfertigen. Viele dieser Videos sind auffällig ähnlich: Jemand sagt einer traurig wirkenden Person, dass niemand ihre blöden Harz-Lampen zu Thema XY kaufen werde – und das Wunder nimmt seinen Lauf. Die bloßgestellte Person schafft mit Handwerk, Spielfiguren und Harz eine schier unglaublich aussehende Lampe, die Zweifler werden Lügen gestraft. Und natürlich sind die Lampen käuflich zu erwerben.
Dort geschieht dann der eigentliche Betrug, laut Malwarebytes: Interessenten schreiben die Künstler an und werden dann in Direktnachrichten zur Überweisung von Geld gebracht – für Kunstwerke, die gar nicht existieren oder aber nicht im Besitz der Person sind, die das Geld erhält. Fliegt etwas auf, wird der Kanal gelöscht.
KI-Slop trifft Nerv
Die Tatsache, dass bei TikTok so viele Videos der gleichen Machart zu finden sind, spricht dafür, dass sie hier offenbar gut funktioniert, einen Nerv trifft. Das Video eines freundlichen alten Mannes, der zuerst Tränen vergießt und dann eine Spiderman-Lampe erschafft, hat 4,1 Millionen Aufrufe. Es ist nicht das einzige mit derart vielen Views.
Sieht man all die Kunstharzkunst-Videos gebündelt, mit ihrer immer gleichen Story, aber wechselnden Protagonisten (Opa, MAGA-Hausfrau, junger Nerd, Kriegsveteran, Teenager mit Trisomie 21) und Lampen-Mottos (Harry Potter, Game of Thrones, Pokemon) bemerkt man schnell, dass sie KI-generiert sind. Wer nur ein einzelnes Video auf seiner FouYou-Page sieht, dem könnte das teils durchaus durchgehen.
Ohnehin berichtet Malwarebytes davon, dass auch reale Videos echter Kunstharz-Künstler teils schlicht geklaut, auf anderen Accounts hochgeladen und die darin zu sehenden Kunstwerke dann feilgeboten werden. KI-Erkennung allein hilft also nicht, um nicht zum Betrugsopfer zu werden.
Lösung: Skeptisch bleiben
Wie wird man also kein Opfer dieser emotionalen Manipulation, Kaufrausch und Appelle an das eigene Fantum? Malwarebytes schreibt: „Der sicherste Weg ist der langweilige: Überprüfen Sie alles, bevor Sie bezahlen.“
Tatsächlich dürfte in vielen Fällen– wie meist im Netz – eine kleine Portion Skepsis sehr viel helfen. Das geht schon zu Beginn los: Klingt eine Story zu herzzerreißend, um wahr zu sein? Sieht die Game-of-Thrones-Lampe zu krass aus, um wahr zu sein? Wirken mindestens Teile des Videos bei genauem Hinsehen KI-generiert?
Zudem lohnt ein Blick auf das TikTok-Profil eines Verkäufers: Wirkt das wie das Profil einer echten Person oder gibt es viele Dopplungen oder Videos, die gar nicht zusammenpassen? Wenn Sie den „Künstler“ anschreiben: Drängt er zur schnellen Überweisung und/oder zur Zahlung auf eine Art, die, anders als per Kreditkarte oder Paypal, nicht einfach rückgängig zu machen ist? Falls es eine Website gibt: Hat die ein Impressum, eine Vielzahl an Produkten, gibt es Bewertungen?
Falls Zweifel bleiben: Lieber bei seriösen Händlern und Plattformen schauen als blind Geld verschicken.

