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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Jedes Mal was anderes“: Warum Bayreuths „KI-Ring“ polarisiert
Kultur

„Jedes Mal was anderes“: Warum Bayreuths „KI-Ring“ polarisiert

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 17. August 2026 13:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Ausgerechnet mit ihrem „Flaggschiff“, dem vierteiligen „Ring des Nibelungen“ hatten die Bayreuther Festspiele in den letzten Jahrzehnten wenig Glück: In dieser Saison empört ein von der Künstlichen Intelligenz erzeugter Bilder-Salat die Zuschauer. Zuvor hatte die 2022 erstmals gezeigte Inszenierung des jungen Regisseurs Valentin Schwarz für viel Unmut gesorgt, weil er die fast 15-stündige Handlung optisch nicht in den Griff bekam und sich in zusammenhanglosen Ideen verzettelte.

Inhaltsübersicht
Castorf „pöbelte zurück“„Meist einfach nervig“Katharina Wagner: „Finde es sehr spannend“AR-Brillen wurden ausrangiertPremieren müssen deutlich billiger werden

Castorf „pöbelte zurück“

Schwarz war damals kurzfristig für seine Regie-Kollegin Tatjana Gürbaca eingesprungen, die das Projekt kurzfristig wieder abgegeben hatte, angeblich wegen eines Streits um ausreichende Probenzeiten.

Damit nicht genug: Der „Ring“, den Theater-Berserker Frank Castorf 2013 herausbrachte, auch als kurzfristiger „Ersatzmann“ für den prominenten Filmemacher Wim Wenders, polarisierte gleichfalls Publikum wie Kritik. Castorf stellte sich damals den wutschnaubenden Zuschauern und tippte sich im Buh-Orkan demonstrativ an die Stirn, was als provokantes „Zurückpöbeln“ interpretiert wurde. Später allerdings genoss diese politisch anspielungsreiche Produktion „Kultstatus“.

„Meist einfach nervig“

Diese „Reifezeit“ wird dem aktuellen „KI-Ring“ in Bayreuth nicht zugebilligt, er wird nur in diesem Jahr gezeigt. Für eine „richtige“ Inszenierung fehlte das Geld, also wurde zum 150. Jubiläum der Festspiele nach einer kostengünstigen Variante gesucht. Heraus kam eine konzertante Fassung: Die Mitwirkenden stehen hinter einem halbtransparenten Vorhang, auf den die KI mal mehr, mal weniger passende Bilder projiziert, nicht zuletzt aus der Bayreuther Aufführungsgeschichte des „Rings“.

Von Kurator Marcus Lobbes, dem Intendanten der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund und seinem Kollegen, dem künstlerisch-technischen Konzeptionisten Nils Corte war wohl mehr kreatives und dramaturgisches Fingerspitzengefühl erwartet worden. Ihre Arbeit wurde als „meist einfach nervig“ und überflüssig abgetan.

Katharina Wagner: „Finde es sehr spannend“

Festspielchefin Katharina Wagner nannte diese Version gleichwohl eine „spannende Alternative“, auch wenn sie bei der diesjährigen Pressekonferenz einschränkte: „Es ist natürlich kein Ersatz für eine vollszenische Inszenierung, aber es ist eine Alternative, die gerade in diesem Jahr etwas Besonderes bietet. Das Tolle an diesem ‚Ring‘ ist, dass Sie jedes Mal etwas anderes sehen. Sie sind jedes Mal gefordert, neu zu denken. Die KI setzt die Bilder inhaltlich zusammen, aber Sie sind schon gefordert, dem zu folgen. Ich persönlich finde es sehr spannend.“

Was viele Zuschauer nervt: Die KI verheddert sich in wilden optischen Assoziationen, deren tieferer Sinn sich nicht vermittelt. Über so viele Stunden wird das Durcheinander der farbenprächtigen Schlieren und Funken sehr anstrengend – umso ärgerlicher, als der Besuch richtig ins Geld geht: Karten waren diesmal nur im vierteiligen Gesamtpaket erhältlich und kosteten bis zu 1.692 Euro. Hinzu kommen natürlich die nicht gerade günstigen Bayreuther Übernachtungs- und Verpflegungspreise für sechs Tage, also fast eine volle Woche.

AR-Brillen wurden ausrangiert

Immerhin: Dirigent Christian Thielemann, in Bayreuth Publikumsliebling, wird für seine souveräne Arbeit am Pult einmal mehr bejubelt. Kaum einer kennt Wagners Werke so gut wie er, und kaum jemand weiß die fabelhafte Akustik des Festspielhauses so gekonnt zu nutzen.

Bemerkenswert: In diesem Jahr verzichtete Bayreuth auf die eigens angeschafften Augmented-Reality-Brillen, mit denen einige Zuschauer bisher den „Parsifal“ ansehen konnten. Auch das war nach der Premiere 2023 mit dem Argument kritisiert worden, die gezeigten digitalen Projektionen hätten kaum etwas zur „visuellen Erweiterung“ beigetragen, die sich der Amerikaner Jay Scheib erhofft hatte.

Premieren müssen deutlich billiger werden

Wenn der diesjährige „Ring“-Unmut ausgestanden ist, warten auf die Bayreuther Festspiele womöglich weitere Frustrationen. Ab dem kommenden Jahr wollen sie jährlich zwei Neuproduktionen stemmen, allerdings mit demselben Etat, den bisher eine Premiere kostete. Anders ausgedrückt: Die Ausstattung muss deutlich billiger werden.

Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense gab sich diesbezüglich skeptisch abwartend und sprach von einer „Herausforderung“: „Wir sind zwar optimistisch, aber ich hoffe, dass das auch aufgeht, mit den Probenzeiten und den finanziellen Spielräumen, die bei uns, wie in allen Kulturbetrieben, ständig enger werden. Wir können im heutigen politischen Umfeld nicht erwarten, dass wir anders behandelt werden als andere Kultureinrichtungen.“

Bayreuther Festspiel-Inszenierungen in „Spar-„Versionen: Das dürfte noch für viel Wirbel sorgen, zumal auch schon beim Chor der Rotstift angesetzt wurde. Aber äußere Opulenz geht mit spannenden Regie-Konzepten ja keineswegs immer Hand in Hand.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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