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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Pflegereform: Finanzielle Einbußen für pflegende Angehörige?
Wirtschaft

Pflegereform: Finanzielle Einbußen für pflegende Angehörige?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 17. August 2026 11:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Laut Bundesministerium für Gesundheit steht die soziale Pflegeversicherung unter massivem Kostendruck. Die Einnahmen aus den Beiträgen reichen demnach nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Gegenüber dem BR erläuterte das Ministerium, dass sich die Zahl der pflegenden Angehörigen seit 2015 vervierfacht habe. Die Kosten seien auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Daher sei eine Neustrukturierung des Systems notwendig. Der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz soll noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden.

Inhaltsübersicht
Familie pflegt beeinträchtigte Tochter daheimHohe Belastung durch heimische PflegeWeniger Rente durch PflegereformWeniger PflegebudgetPetition geplant

Familie pflegt beeinträchtigte Tochter daheim

Sollte das Gesetz in dieser Form kommen, kann das für Angehörige, die ihre Verwandten zu Hause pflegen, auch negative Auswirkungen haben. So wie für Familie Martin aus Steinach im Landkreis Straubing-Bogen. Ihre Tochter Isabell ist nach schwerer Krankheit im Alter von einem Jahr neurologisch beeinträchtigt.

Die heute Neunjährige hat den höchsten Pflegegrad 5 und benötigt Hilfe rund um die Uhr. Sie kann nur sehr eingeschränkt kommunizieren, ein Klumpfuß erschwert eigenständiges Laufen. Dazu leidet sie unter epileptischen Anfällen. Phasenweise muss sich Isabell tagelang vielfach erbrechen. Die genaue Ursache finden die Ärzte nicht.

Hohe Belastung durch heimische Pflege

Werktags zwischen 7.15 Uhr und 16.15 Uhr wird sie in einer inklusiven Bildungseinrichtung in Straubing betreut. Die Pflege zu Hause übernehmen ihre Eltern Simone und Thomas Martin komplett selbst. Vor allem die 51-jährige Mutter ist stark gefordert. Sie hat für die häusliche Pflege ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden reduziert.

Isabell muss täglich bis zu 15-mal gewickelt und dazu trotz ihrer mittlerweile über 30 Kilogramm auf einen Wickeltisch gehoben werden. Sie benötigt einen Therapiestuhl zum Essen. Teilweise wehrt sie sich massiv gegen Pflegemaßnahmen. Die Eltern müssen ständig in der Nähe sein. Das Mädchen verletzt sich teilweise selbst oder reißt auch schon einmal Gardinen von der Stange.

Die Belastung ist hoch, aber Isabell ist ihr Wunschkind. „Sie ist unser Sonnenschein. Das bestätigt auch die Lehrerin in der Schule“, sagt Mutter Simone. Ihr Mann Thomas ergänzt: „Wir lieben sie von ganzem Herzen.“

Weniger Rente durch Pflegereform

Die geplante Pflegereform könnte die Familie an mehreren Stellen hart treffen. Wer als zu Hause pflegender Angehöriger maximal 30 Stunden arbeitet, für den zahlt die Pflegekasse Rentenbeiträge. Ab 2027 sollen diese Zahlungen nach den Plänen der Bundesregierung aber auf 70 Prozent sinken. Pflegt die 51-jährige Simone ihre Tochter ohne Pflegedienst bis zu ihrem regulären Renteneintritt weiter, würden ihr nach heutigen Werten gut 2.000 Euro Rente pro Jahr fehlen.

Durch das Gehalt ihres 58-jährigen Mannes Thomas lässt sich das nicht einfach auffangen. „Wir verdienen weniger, müssen aber mehr leisten. Irgendwo geht es dann körperlich und rentenmäßig immer bergab“, sorgt sich Thomas Martin. Seine Frau fürchtet: „Wenn uns der Staat jetzt auch noch diese Rentenbeiträge kürzt, treibt er uns definitiv in die Altersarmut.“

Weniger Pflegebudget

Die langjährige Pflege ihrer Tochter macht sich für die Eltern körperlich bemerkbar. Thomas Martin hat zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall. Trotzdem sei ein stundenweiser Pflegedienst für sie ungeeignet. „Isabell hat keine offenen Wunden, die man pflegen oder verbinden müsste. Sie hat einfach einen sehr hohen Betreuungsaufwand“, erklärt der Vater, „Und diesen Betreuungsaufwand können die Pflegedienste nicht leisten. Die sind nicht dafür ausgelegt.“

Die komplexe Umverteilung des Pflegebudgets, die ebenfalls geplant ist, würde daher zusätzlich zu einem finanziellen Verlust für Familie Martin führen. Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen hat berechnet, dass bei einem unter 25-jährigen Kind, das überwiegend von Angehörigen versorgt wird, die regulären Leistungen jährlich um 947 Euro auf 16.548 Euro sinken würden.

Petition geplant

Isabell in ein Heim zu geben, kommt für Familie Martin nicht in Betracht. „Wir kämpfen, bis wir nicht mehr können“, sagt Vater Thomas, „das ist das Letzte, was wir jemals machen würden“. Für die Familie wäre schon ein barrierefreies Zuhause in der Region ein Schritt nach vorne. Bisher hat sie keins gefunden. Gegen die Pläne der Bundesregierung wollen sie eine Petition einreichen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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