Die Warnung kam kurz vor dem vergangenen Weihnachtsfest. Damals wiesen Sicherheitsbehörden den bayerischen Rüstungsunternehmer Stefan Thumann auf ein Mordkomplott durch sogenannte Wegwerfagenten, höchstwahrscheinlich in russischem Auftrag, hin.
In Berliner Sicherheitskreisen heißt es, der Gründer des Drohnenherstellers Donaustahl sei nicht nur ausgespäht worden, es habe offenbar auch konkrete Pläne gegeben, ihn mit einem Nervengift zu töten. Die Rede ist von Nowitschok, einer tödlichen Wirkstoffgruppe, die bereits zu Zeiten der Sowjetunion entwickelt wurde. Bereits in der Vergangenheit setzten Putins Geheimdienste solche Giftstoffe ein, um Kreml-Gegner und Dissidenten qualvoll zu töten. So machte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland für den Giftanschlag auf den Oppositionspolitiker Alexej Nawalny verantwortlich, der weltweit für Empörung sorgte.
Thumann ist ein lautstarker Ukraine-Unterstützer
Seit der Aufdeckung der Anschlagspläne gegen ihn wird Stefan Thumann durch Personenschützer bewacht und führt ein Leben im Untergrund, wie er dem BR entsprechende Medienberichte bestätigte. Thumann hatte sich immer wieder öffentlich als Unterstützer der Ukraine positioniert, etwa als Redner auf Podien.
Sein erst 2020 im niederbayerischen Hutthurm gegründetes Unternehmen Donaustahl gilt in der Ukraine als wichtiger Partner. So war die junge Firma bei der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin 2024 die einzige westliche Firma, die sich auf dem prominent platzierten Stand der Ukraine präsentieren durfte, was in der Branche für großes Aufsehen sorgte. Dadurch sei er zum Ziel geworden, was ihm durchaus immer bewusst gewesen sei, so Thumann. Aufgeben wolle er aber nicht, trotz der Bedrohungslage.
Hybride Bedrohungen nehmen zu
Der bayerische Manager ist kein Einzelfall. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 haben die Zahl und die Intensität von hybriden Angriffen auf Ziele in Deutschland nach Angaben von Bundeskriminalamt, militärischem Abschirmdienst und Verfassungsschutz deutlich zugenommen.
Hinter den Attacken stecke den Indizien nach zumeist Russland, auch wenn sich das in der Regel kaum gerichtsfest beweisen lasse. Sorge macht den Sicherheitsbehörden eine Eskalation der Methoden. So entging der Leipziger Flughafen zuletzt wohl nur knapp einer Katastrophe, als eine mit Sprengstoff beladene Drohne ein ukrainisches Transportflugzeug verfehlte.
Experte warnt vor weiterer Eskalation
In einem BR-Interview sagte der renommierte Politikwissenschaftler und Sicherheitsforscher Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck zuletzt, dass sich Deutschland wie andere Partnerländer der Ukraine wohl auf eine weitere Eskalation einstellen müsse: Das reiche von der Sabotage gegen Logistik- und Transportknoten, Rüstungsunternehmen und Energieinfrastruktur bis hin zu Brand- und Sprengstoffanschlägen oder Drohnenoperationen gegen militärische und zivile Infrastruktur. Dazu kommen laut Mangott Cyberangriffe und Spionage und schließlich auch eine gezielte Einschüchterung von Einzelpersonen, etwa von Rüstungsmanagern wie Stefan Thumann.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat angesichts der zunehmenden Bedrohung unter dem Titel „Sicherheitshinweis für die Wirtschaft“ gerade ein Papier für Unternehmen aus der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche (externer Link) mit einer Analyse der Situation und Handlungsempfehlungen erstellt.
Rüstungsmanager als Ziel von Angriffen
Mordpläne gegen Vertreter der deutschen Verteidigungsindustrie sind dabei seit Beginn des russischen Angriffskrieges nichts ganz Neues. So wurde auch schon ein geplantes Attentat auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger aufgedeckt, der deswegen heute zu den bestgeschützten Menschen in Deutschland gehört. Sein Konzern ist einer der wichtigsten Lieferanten des ukrainischen Militärs, zum Beispiel für Artilleriemunition, Luftabwehr und gepanzerte Fahrzeuge. Dass ihn dies zum potentiellen Ziel für Anschläge mache, das sei ihm natürlich sehr bewusst, sagte Papperger dem BR kürzlich am Rande einer Veranstaltung in Aschau am Inn.
Dort legte der Manager gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger den Grundstein für eine große Munitionsfabrik. Diese sei nötig, um die Freiheit und die Demokratie in Deutschland, aber auch in der Ukraine zu sichern. Das bringe natürlich auch für ihn persönliche Risiken mit sich, so Papperger. Wer diesem Druck nicht gewachsen sei, der habe allerdings an der Spitze eines Verteidigungsunternehmens nichts zu suchen.

