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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > DGB-Ausbildungsreport: Warum viele Azubis unzufrieden sind
Wirtschaft

DGB-Ausbildungsreport: Warum viele Azubis unzufrieden sind

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 20. August 2026 11:01
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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„Viele Azubis halten aus, bis es nicht mehr geht, also bis wirklich der Zusammenbruch kurz bevorsteht.“ Susanne Kussmaul hält inne, als wolle sie ihren Worten Nachdruck verleihen. Nach kurzer Pause deutet sie auf den Stuhl auf der anderen Seite ihres Schreibtischs: „Und dann sitzen sie meistens bei uns.“

Inhaltsübersicht
Wie unzufrieden sind Azubis wirklich?Oft kommt einiges zusammenWie groß ist der Beratungsbedarf?Wenn ein Problem auf das nächste folgtViele können von ihrem Geld nicht leben

Wenn die Ausbildung zum Problem wird, landen manche Münchner Azubis beim Ausbildungs- und Zukunftsbüro Azuro. Die Beratungsstelle des Kreisjugendrings München-Stadt hilft, Konflikte zu lösen, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und im Zweifel auch, einen neuen Platz zu finden. Was die Beraterinnen und Berater erleben, passt zu einem bundesweiten Befund: Die Zufriedenheit mit der Ausbildung ist zuletzt deutlich gesunken.

Wie unzufrieden sind Azubis wirklich?

Immerhin zwei Drittel der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden, so der Befund des aktuellen Ausbildungsreports der DGB-Jugend (externer Link: DGB-Ausbildungsreport 2026). Andererseits sind das sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und so wenige wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011. Auch die Bereitschaft, die Ausbildung im eigenen Betrieb weiterzuempfehlen, bröckelt im Laufe der Lehrjahre: Im ersten Jahr würden das noch 62 Prozent tun, im vierten nur noch rund 40 Prozent. Jeder Sechste muss häufig Aufgaben übernehmen, die mit der eigentlichen Ausbildung nichts zu tun haben – ebenfalls ein Höchststand.

Oft kommt einiges zusammen

Schwerpunkt des diesjährigen Reports ist die mentale Gesundheit. Die Hälfte der Befragten empfindet mindestens einen von neun abgefragten Faktoren im Ausbildungsalltag als stark oder sehr stark belastend – allen voran Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck. Wer in mehr als zwei Bereichen stark belastet ist, berichtet besonders häufig von Folgen: 80 Prozent fühlen sich am Ende des Ausbildungstages häufig oder immer erschöpft. Jeder Zweite denkt häufig über einen Ausbildungsabbruch nach, gut 40 Prozent derjenigen, die psychische Belastungen angeben, haben zudem niemanden, mit dem sie darüber sprechen können.

Wie groß ist der Beratungsbedarf?

Auch die Azuro-Zahlen zeigen, wie groß das Problem ist. 2025 führte die Stelle 207 Langzeitberatungen durch. Häufigster Anlass für das erste Gespräch war in 62 Fällen das Betriebsklima, gefolgt von Krankheit und Ausbildungsqualität. Die Beratungsstelle des Kreisjugendrings beschreibt ein schwieriges Betriebsklima mit Konflikten, Ausgrenzung und herablassendem Umgang als mögliche starke Belastung für die Betroffenen.

Susanne Kussmaul erzählt, unter was Auszubildende zum Beispiel leiden: „Wenn das Arbeitszeitgesetz missachtet wird, wenn Azubis keine Pause haben, permanent Überstunden machen müssen oder einfach als Fachkräfte missbraucht werden – also nicht ausgebildet werden, sondern als billige Arbeitskräfte arbeiten.“

Wenn ein Problem auf das nächste folgt

Im Laufe der Beratung kommen oft noch weitere Themen auf – besonders häufig geht es um psychische Belastungen und Aufenthaltsfragen bei Azubis aus Drittstaaten. Der Jahresbericht 2025 zeigt die Dynamik: Aufenthaltsfragen haben sich im Vergleich zu 2024 fast vervierfacht, psychische Belastungen beinahe verdreifacht. Azuro berichtet zudem von einem deutlichen Zuwachs bei sogenannten prekären Ausbildungssituationen – komplexen Fällen, in denen etwa Ausbildungsplatz, Aufenthaltsstatus, Wohnung und finanzielle Existenz voneinander abhängen. „Eine Langzeitberatung ist meistens eine Beratung zu mehreren Themen“, erklärt Kussmaul. „Ein junger Mensch kommt und sagt, er will den Betrieb wechseln. Und dann sieht man: Da sind auch noch psychische Probleme oder finanzielle Probleme.“

Viele können von ihrem Geld nicht leben

Finanzielle Sorgen spielen auch im bundesweiten Ausbildungsreport eine große Rolle. Zwei Drittel der Befragten sagen, sie könnten von ihrer Ausbildungsvergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben. Fast ein Drittel erhält zusätzliche Unterstützung von den Eltern, etwa jeder Achte hat neben der Ausbildung einen Nebenjob. Die DGB-Jugend fordert deshalb unter anderem eine höhere Mindestausbildungsvergütung, mehr Azubiwohnheime und bessere Unterstützungsangebote bei psychischen Belastungen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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