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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Lust auf den wahrscheinlich schrägsten Film des Jahres?
Kultur

Lust auf den wahrscheinlich schrägsten Film des Jahres?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 20. August 2026 11:00
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Der Horror des Erwachsenwerdens, er gehört genauso zu den Filmen von Jane Schoenbrun wie der ewig flimmernde Fernsehmonitor. Auch der ist ein wiederkehrendes Motiv, fungiert wie ein Portal in eine Parallelwelt und bietet den zumeist jungen Filmfiguren Fluchtmöglichkeiten aus der belastenden Realität. Wobei: Wirkliche Wohlfühl-Atmosphäre entfaltet auch das alternative Flimmerkisten-Universum nicht. Zu verstörend sind die Szenarien, die dort zu sehen sind und die sich auch David Lynch nicht besser hätte ausdenken können.

Inhaltsübersicht
Teil einer TrilogieFilm im FilmKompromisslose Kreativität

Teil einer Trilogie

Drei Spielfilme hat Jane Schoenbrun bislang umgesetzt. Mit jedem weiteren wuchs der Kultstatus der im Bundesstaat New York aufgewachsenen nonbinären Transperson. Dass es thematische Parallelen in den Werken gibt, gehört zum Konzept. Denn zum einen sind die Filme als Trilogie konzipiert, sollen also eine Einheit bilden. Und zum anderen verarbeitet Schoenbrun viel Privates in den selbstverfassten Drehbüchern. Vor allem ein Faible für Popkultur im Allgemeinen und Horror im Speziellen. Wobei der Begriff „Horror“ hier nicht nur ein Genre bezeichnet, sondern auch den schwierigen Weg der Identitätsfindung zusammenfasst.

Diese Basisinformationen sind wichtige Handreichungen, aber noch lange kein Garant dafür, den neuen Film von Jane Schoenbrun in Gänze zu dechiffrieren. Denn der ist so nuancenreich und sperrig wie sein Titel: „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“. Camp Miasma, das ist ein Ferienlager im Wald, wie man es in US-Filmen schon tausendfach gesehen hat: Jugendliche verbringen hier ihre Freizeit und verlieren ihre Unschuld. Und in diesem noch dazu: Kopf, Kragen, Leben und literweise Blut.

Film im Film

Denn „Camp Miasma“ ist hier auch der Titel einer 80er-Jahre-Slasher-Reihe, in der ein Serienkiller mit seinem Speer eifrig Störkörper enthauptet. Eine junge und queere Regisseurin, dargestellt von Serienstar Hannah Einbinder, soll ein Remake davon drehen. Was für die junge Regie-Hoffnung Traum und Albtraum zugleich ist. Schließlich will sie das Franchise, von dem sie selbst Fan ist, nicht noch weiter totnudeln.

Etwas komplett Neues schaffen, das will auch Jane Schoenbrun. Und deswegen ist „Camp Miasma“ weit mehr als ein Film im Film. Dass die queere Nachwuchsregisseurin als Alter Ego von Schoenbrun fungiert, ist das eine. Aber die Filmfigur erlebt auch einen lebensverändernden Moment der sexuellen Befreiung mit ihrer von Gillian Anderson gespielten Hauptdarstellerin. Dieser weit wichtigere Teil der Handlung basiert ebenfalls auf persönlichen Erlebnissen und sei inspiriert von der Transition, erklärte Schoenbrun im Gespräch mit dem US-Magazin „Deadline“.

Kompromisslose Kreativität

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist also ein regelrechter Metaebenen-Schichtkuchen. Der Film ist Hommage und Dekonstruktion des Slasher-Genres auf der einen, und eine bluttriefende und fast schon kindlich euphorische Feier der Selbstfindung auf der anderen Seite. Obwohl unterhaltsamer und weit zugänglicher als die ersten beiden Teile der sogenannten „Screen Trilogie“, ist „Camp Miasma“ weit davon entfernt, als kommerziell eingeordnet zu werden. Dafür ist er zu nischig, zu eigenwillig. Und genau das macht ihn und Jane Schoenbrun so interessant. Denn absolut kompromisslose Kreativität wie diese hat im Kino nach wie vor Seltenheitswert.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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