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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Abnehmpille statt -spritze kommt: Was Patienten wissen müssen
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Abnehmpille statt -spritze kommt: Was Patienten wissen müssen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 20. August 2026 09:50
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Fettleibigkeit ist eine Volkskrankheit: 61 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen sind laut der Deutschen Adipositas Gesellschaft (externer Link) davon betroffen. Die Ursache ist häufig eine genetische Veranlagung, sagt Katharina Timper, Direktorin der Klinischen Ernährungsmedizin am TUM Klinikum München. „Diese Gene bewirken Veränderungen im Gehirn, das heißt, es kommt zu Fehlregulationen von Sättigung und Hunger, aber auch des Energieumsatzes.“

Inhaltsübersicht
Für wen kommt das Medikament infrage?Was ist der Unterschied zur Spritze?Wird es die Pillen in verschiedenen Dosierungen geben?Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?Wie groß ist der Effekt?Gibt es Nebenwirkungen?Kann ich ein Rezept im Internet bekommen?

Genau da setzen Medikamente wie Ozempic oder Wegovy an. Der Wirkstoff Semaglutid signalisiert dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Die Patienten essen also insgesamt weniger und nehmen dadurch ab. Bisher gab es die Medikamente als Spritzen, nun soll der Wirkstoff ab dem 1. September erstmals in Tablettenform in deutsche Apotheken kommen. Ob man für die Tabletten ein Rezept braucht und was der Unterschied zur Spritze ist: Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Für wen kommt das Medikament infrage?

Zugelassen sind die Tabletten für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Betroffene brauchen dafür ein Rezept vom Arzt, einfach so bekommt man das Medikament in der Apotheke nicht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Tabletten für Erwachsene ab 18 Jahren.

Die Kosten müssen Adipositas-Patienten, anders als Menschen mit Typ-2-Diabetes, selbst tragen. Katharina Timper, die am TUM Klinikum zu den Ursachen von Übergewicht forscht, hofft in diesem Punkt auf ein Umdenken: „Patientinnen und Patienten mit Adipositas haben eine Erkrankung, für die sie nichts können. Die Betroffenen leiden enorm unter den Symptomen, Einschränkungen und Folgeerkrankungen.“

Was ist der Unterschied zur Spritze?

Während die Abnehmspritze nur einmal pro Woche angewandt werden muss, müssen die Tablette hingegen jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dürfen danach 30 Minuten lang kein Essen, keine Getränke oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (externer Link) informiert.

Wird es die Pillen in verschiedenen Dosierungen geben?

Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité zufolge kann die Spritzentherapie bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, für die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfügbar sein. Die Dosis der Tabletten liegt damit deutlich höher als bei der Spritze. Das liegt daran, dass Magen und Dünndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen können.

Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?

Ja, die Effekte auf das Gewicht sind vergleichbar, sagt Endokrinologin Nina Meyer bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers. Der wesentliche Vorteil sei, dass Patientinnen und Patienten nun die Wahl haben, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugen.

Wie groß ist der Effekt?

Studienergebnisse zur Abnehmspritze haben gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen (externer Link). Das Medikament reiche jedoch allein nicht, um das Gewicht dauerhaft zu halten. „Diese Medikamente gehören in die Hände von Spezialisten. Sie sind kein Wundermittel“, so Timper. Die Tabletten seien nur ein Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie, bestehend aus ärztlicher Beratung zu Ernährung und körperlicher Aktivität sowie häufig auch Psychotherapie.

Eine britische Studie (externer Link) zur Abnehmspritze hatte gezeigt, dass Patienten nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig bewahren. Demnach seien ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf gewesen.

Gibt es Nebenwirkungen?

Es können, wie auch bei der Spritze, leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Verstopfen auftreten. Diese seien laut Fachärztin Katharina Timper jedoch gut behandelbar: „Man muss bedenken, dass auch unbehandelte Adipositas oder Übergewicht gesundheitliche Risiken birgt.“ Diese seien immer gegeneinander abzuwägen.

Kann ich ein Rezept im Internet bekommen?

Telemedizin-Anbieter und Online-Arztpraxen werben mit Angeboten zu verschreibungspflichtigen Abnehm-Medikamenten. Experten warnen jedoch vor Anbietern im Internet, die ohne ärztliche Konsultation ein Rezept versprechen: „Arzneimittel gegen Adipositas sind keine Lifestyle-Produkte, sondern hochwirksame Medikamente mit Risiken und Nebenwirkungen“, erklärt Thomas Preis von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in einer Pressemitteilung (externer Link).

„Wer den Eindruck erweckt, solche Therapien ließen sich per Mausklick organisieren, verkennt die Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten.“ Persönliche Beratung durch Apotheker und medizinisches Fachpersonal sei unerlässlich.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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