Selbstversorgung: Stärke bei Brot, Schwäche bei Obst
Aber nur weil Deutschland beim Getreide noch glimpflich davongekommen ist, ist das kein Garant für die Zukunft. Tatsächlich kann sich Deutschland mit vielen Grundnahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen. Laut Bundeszentrum für Landwirtschaft (externer Link) liegt der Selbstversorgungsgrad insgesamt bei über 80 Prozent. Beim Getreide sind es etwas über 100 Prozent. Kartoffeln, Zucker, Fleisch und Milch werden sogar mehr produziert, als im Inland benötigt wird.
Deutlich schlechter ist die Lage bei Eiern, Gemüse und vor allem beim Obst: Hier liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei 18 Prozent, der Großteil muss importiert werden – bislang vor allem aus Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich, die selbst massiv unter Hitze und Dürre leiden. Auf die Dauer kann das also zum Problem werden.
Wasser und Bewässerung: Umbau unter Zeitdruck
In diesen südlichen Ländern ist außerdem leicht zu erkennen, was auch in Deutschland in naher Zukunft die zentrale Herausforderung sein wird: Wasser. Das wird immer knapper und immer teurer. In 14 von 16 Bundesländern ist bereits ein „Wassercent“ für große Entnahmemengen fällig.
Mit den klassischen Beregnungsanlagen, die auch in Bayern noch häufig zu sehen sind, wird viel Wasser verschwendet, weil es beim Gießen einfach verdunstet. Fachleute fordern daher den Umstieg auf effizientere Systeme wie Tröpfchenbewässerung. Diese Investitionen sind jedoch hoch, viele Betriebe haben dafür gerade in schwierigen Jahren wie diesem kein Geld übrig. Dieser Wandel geht also langsamer voran als der Klimawandel.
Agrarökonom: Vielfalt, Technik, neue Eiweiße
Daraus schließt unter anderem der Agrarökonom Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, dass die Landwirtschaft sich zügig anpassen und auf mehr hitzetolerante Kulturen wie Hirse oder Kichererbsen, vielfältigere Fruchtfolgen, kleinere Mischkulturen und präzise digitale Steuerung von Bewässerung und Düngung umstellen müsse.
Im Plusminus-Wirtschaftspodcast der ARD verweist er außerdem darauf, dass die Lebensmittelversorgung im globalen Süden das größere Problem werden dürfte: „Die Preise werden steigen. Bei uns bedeutet das, ein bisschen mehr ausgeben für Lebensmittel, aber anderswo bedeutet das tatsächlich mehr Unterernährung.“ Das sei, so Qaim, „eine Weltherausforderung“, der sich auch Deutschland stellen müsse.

